1863 - 1875 Aus dem "Fremdenbuch von Kals"

Das "Fremdenbuch von Kals" aus den Jahren 1863 - 1875 wurde von Johann Stüdl gewidmet. Allerdings kann der Einband erst nach 1868/69, nach der Errichtung der neuen Hütte auf der Vanitscharte entstanden sein, da diese Hütte darauf abgebildet ist. Offensichtlich wurden frühere Dokumentationen mitgebunden, wie zum Beispiel der 6 Seiten unfassende Bericht von Julius Payer über seine "erste Glocknerersteigung von Kals aus am 13. und 14. September 1863" (hier nicht wiedergegeben).

Es finden sich in diesem Buch aber verschiedene handschriftliche Eintragungen, die für diese Website von Interesse sind. Abschriften davon finden sie im Folgenden.

Die Überschriften und Text-Absätze entsprechen nicht dem Originaltext. Sie wurden eingefügt, um eine bessere Übersicht zu ermöglichen. Vereinzelt wurden auch Erklärungen zum Test in Klammer und fetter Schrift eingefügt. Ansonsten wurde aber der Text möglichst authentisch wiedergegeben, d.h. die damals übliche Rechtschreibung belassen.

Auch die Höhenangaben in Wiener Fuß (') wurden beibehalten, wobei 1000' einer Höhe von 316,08 m entsprechen.

17. 9. 1865. Ing. Egid Pegger aus Lienz über seine Versuche, den Großglockner von Kals aus direkt über den Südostgrat (später "Stüdlgrat") zu ersteigen.

"Kals, am 17. September 1865

Am 31. Mai d.J. versuchte ich auf Veranlassung des Thomas Groder (Schmied Thomele) aus Kals, dieses ausgezeichneten Führers, mit dessen Brüdern Michl, Peter, Rupert und Josef Kerer den Glocknergipfel direkt zu ersteigen, ohne die Adlersruhe und den Kleinglockner zu berühren. Wir kamen bis nahe 800' unter die Spitze. Es fing an zu schneien und wir mußten umkehren.

Am 14. Sept. d. J. kam ich wieder. Josef Kerer und Thomas Groder waren als Führer von Mag. Dr. Kern aus Wien gedungen, den Glockner zu besteigen. Die anderen obigen Führer nicht anwesend und erst für den 16ten zu haben. Ich schloß mich der Partie des Dr. Kern an. Wir erreichten um 10 Uhr morgens am 15ten die höchste Spitze. Dort versuchte ich mit den beiden Führeren so weit abwärts zu dringen über den Felsrücken, um zu erfahren, ob wir am nächsten Tage Aussicht haben, über diesen Rücken hinaufkommen. Ich fand es für möglich.

Am 16. stieg ich mit Josef Kerer u. Michl Groder von der Luknerhütte über den Felsrücken des Glockners mit einigen Schwierigkeiten bis zur Spitze wo wir um 91/2 Uhr ankamen.

Wer den Glockner erstieg, weiß, welche Gefahr für Reisende und Führer die steilen Schneeflächen biethen, wie auch oft auf dem Gletscher die Spalten.

Wenn nun der Weg über den Rücken des Glockners, welcher zwischen dem Teischnitz- und Ködnitzgletscher liegt, etwas hergerichtet wird, was oben genannte Führer ausführen wollen, so würde der Weg für Reisende ganz sicher, weil sie an gefährlichen Stellen des Felsens an Seilen befestigt werden können, welche an Eisenringen hangen oder sonst die Führer hier einen ganz sicheren Stand haben.

Möge dieser Gedanke ausgeführt werden, der Weg wäre der nächste und ohne Gefahr.

Josef Kerer ist der beste Gletscherführer, der mir je untergekommen. Allen beiden, Josef Kerer u. Thomas Groder würde ich mich in den gefährlichsten Stellen ohne Bedenken anvertrauen. Josef Kerer, Thomas Groder, Michl Groder, Peter Groder, Rupert Groder kann ich allen Herren Reisenden empfehlen. Man darf nicht blind glauben, sondern diese Männer nur sehen, dann kommt das Vertrauen von selbst.

Für Lebensmittel sorgen die freundliche Wirthin und Wirth.

E. Pegger"

10. 9. 1867 Karl Hofmann: Die Besteigung des Großglockners.

"Stud. Jur. Karl Hofmann aus München

Peter Wiedenmann Lieutenant im kgl.bayr. 11. Infanterie Rgt.

"Von der Tann" aus München

August Solbrig, cand. Med. aus München (trotz kranken Fußes)

Die Obengenannten können nicht umhin, die Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit, mit der sie von den Groder'schen aufgenommen wurden, schriftlich anzuerkennen.

Kals, 10. September 1867"

 

Von September 1867 bis August 1868 finden sich verschiedene Eintragungen, die hier nicht wiedergegeben wurden.

27. 8. 1868. Johann Stüdl: "Recognoscierung" im Glocknergebiet.

"Endesgefertigter unternahm in der Absicht, einen Übergang vom Teischnitz- oder Frosnitzkees auf die Pasterze von der neuen Glocknerhütte aus zu finden, am 27. August 1868 eine Recognoscierung.

Um 43/4 Uhr ward mit den ausgezeichneten Führern Peter u. Thomas Groder von Kals aus aufgebrochen. Der Morgen war heiter und klar. Schon im Ködnitzthale trat unverhüllt das prächtige Bild des Großglockners uns entgegen.

Um 7 Uhr 55 M. (nach 3 St. u. 10 M. langem scharfen Gehen) erreichten wir die neue Glocknerhütte, von welcher wir um 8 Uhr 20 M. aufbrachen, um das Teischnitzkees zu erreichen. Wir stiegen über den Schutthügel nördlich von der Hütte über die Platten hinan, durchquerten das Teischnitzkees nach dem Ader (?) u. standen am Fuße des Glockners um 9 Uhr 15 M.

Ein prachtvolles Bild entrollte sich unseren Augen. Südlich traten die Dolomite Südtirols mit ihren prächtigen Formen hervor. In südöstlicher Richtung erblickten wir die stolze Gruppe des Schobers. Namentlich imponiert hier der Große Schober (10247').

Vom Großglockner geht ein seitwärts gezackter Kamm , die Glocknerwand (11742') genannt, in nordwestlicher Richtung, senkt sich von da zu einem Schneesattel, welcher gegen den Romariskenwandkopf (11 216') terrassenförmig abfällt, um dann in Letzterem eine der höchsten Erhebungen des Glocknergebietes zu bilden.

Zwischen der Glocknerwand und dem genannten Kopfe glaubten wir den passenden Übergang zur Pasterze zu finden. Wir durchschritten das fast ebene Teischnitzkees in seinem oberen beinahe spaltefreien Theil bogenförmig gegen jenen Einschnitt, den der steile Schneehang von der Glocknerwand gegen Nordwesten bildet. In langsamer Steigung geht die Firnregion zum besagten Schneesattel.

Oben empfing uns ein eisiger Sturm, der den lockeren, sandigen Schnee mit fürchterlicher Gewalt ins Gesicht schleuderte. Von diesem Sattel nächst der Glocknerwand, an welchem wir um 10 Uhr 30 M ankamen, erblickten wir eine fürchterlich steile Plaic, auf welcher ein Hinabstieg zur Pasterze unmöglich ist.

Für diese Täuschung entschädigte uns der Blick auf das obere Pasterzenkees, auf den Johannisberg (11166'), Hohe Riffel (10 600'), die Bärenköpfe ganz vorzüglich ins scharf zugespitzte Gr. Vieschbachhorn (= alte Bezeichnung für Wiesbachhorn) (11 316'), Hohe Docke (10 326'), Breitkopf, Fuscherkarkopf, Simibelek, ebenso großen Genuß gewährte uns der Anblick der Venediger Gruppe, der Hochgall etc. ... Wir schritten dem Kamme entlang, hoffend, in der nächsten Einsattelung weiter nordöstlich einen passenderen Punkt zu finden.

Wir mußten einen Felskamm überklettern, der sich gegen Kramul erstreckt u. teilweise als solcher, oder in Form von Eiswänden die Scheide zwischen Teischnitz- u. Frosnitzkees bildete. Die nächste Einsattelung auf dem bewußten mächtigen Kamme, der sich stets zwischen 10= u. 11 200' erhebt, veranlasste uns abermals, dieselbe zu erklimmen und einen Hinabstieg zur Pasterze zu versuchen.

Wir klommen ein stückweit auf der, der Pasterze zugekehrten Seite hinab, doch bald überzeugten wir uns, dass der Hinabstieg ebenso unmöglich ist, wie bei der früheren Einsattelung. Wir stiegen zurück u. näherten uns noch einem dritten Eissattel, der ganz nahe dem Romarischkenwandkopf sich befindet. Es war 12 Uhr mittags.

Unterdessen hatte sich der Nordsturm nur noch gesteigert, ebenso die Kälte. Alle Augenblicke fürchteten wir über die Wände hinabgeweht zu werden, namentlich, als wir versuchten, die steil abfallende Schneewand zur Pasterze hinabzuklettern. Unter großer Anstrengung u. in stetem Kampfe mit den entfesselten Elementen ging es rasch hinab. Nachdem wir bis beinahe auf 500' über die Pasterze hinab geklettert waren, mußten wir nach so großer Anstrengung die bittere Enttäuschung erfahren, daß auch an dieser Stelle die überhängenden Eiswände u. schauerlich gähnenden Firnklüfte ein Hinabkommen rein unmöglich machen.

Mühselig kletterten wir wieder zum Sattel hinan (1 Uhr 15 M.) Der Sturm und die Kälte zwangen uns für diesen Tag von einem weiteren Forschen nach einem Übergange abzugehen, u. wir rüsteten uns nach 10 Minuten langem Ausruhen zur Rückkehr. Wir durchschritten das wenig zerklüftete, sanft geneigte Frosnitzkees, langten um 2 Uhr am Sattel des Kramuls an (welchen ich Kramulsattel nennen möchte). Von hier wurde die höchste Spitze des Kramuls erklettert und von da die prachtvolle Rundsicht genossen.

Großartigen, ja überwältigenden Eindruck macht von hier aus der Großglockner u. die malerisch gezackte Glocknerwand. Wir verhielten uns, nachdem wir eine vom Wind geschützte Stelle fanden, hier bis 4.15 U. u. kamen Um 5 Uhr 10 M. in der Glocknerhütte auf der Vanitscharte an, mit dem festen Entschlusse, die Recognoscierung in nächster Zeit wieder aufzunehmen.

Am Abende erhielten wir Gesellschaft, bestehend in 3 Herren aus Augsburg mit 4 Führern, welche die Absicht hatten, den Glockner am nächsten Tag zu ersteigen. Dieß bestimmte mich, ebenfalls diese Tour auf das Programm des 28ten August zu setzen."

28. 8. 1868. Johann Stüdl: Glocknerersteigung.

Gleich anschließend an den Bericht von der Recognoscierungsfahrt folgt diese Beschreibung:

"Glocknerersteigung von der Glocknerhütte auf der Vanitscharte aus, am 28ten August 1868.

Eine sternenhelle Nacht versprach das beste Wetter zu dieser Partie. Um 3 Uhr 10 M. brach die zahlreiche Gesellschaft, bestehend aus 4 Touristen u. 6 Führern, die sämtliche ein bequemes Nachtquartier in der genannten Hütte gefunden hatten, auf.

Unter Laternenschimmer wurde der schieferbedeckte Abhang zum Teischnitzkees erklettert, das letztere an seinem unteren Theil überschritten u. der kleine Felskamm, welcher das Teischnitzkees vom Ködnitzkees trennt, übersetzt. Hier wurden Steigeisen angelegt u. die Stricke angeknüpft.

Meine Wenigkeit ging voran, da das Anknüpfen der übrigen Gesellschaft an das Seil etwas zu lange währte. Das Ködnitzkees wurde rasch überschritten u. ebenso leicht ging es dem Schneehang zur Adlersruh hinan, sodass wir um 5 Uhr 10 M. auf der Adlersruh anlangten. Nach ¼ stündiger Rast ging es über das Firnfeld zum Kleinen Glockner hinan, welchen wir um 6 Uhr 15 M. erreichten, trotzdem wir so manche Stufe zu hauen hatten.

Im Ganzen war der Weg über den Firn durch frühere Besteigungen etwas ausgetreten. Die größte Erleichterung gewährte der Neuschnee, der das Stufenhauen an den meisten Stellen entbehrlich machte. Binnen 7 Minuten hatte ich vom kleinen Glockner mich über die so gefürchtete u. so entsetzlich verschrieene Scharte zur hohen Glocknerspitze (hier fehlt auch im Originaltext ein Wort, vielleicht "hinweggesetzt" o.Ä.) u. somit die letztere erreicht.

Ich fand nicht die geringste Schwierigkeit beim Überklettern dieser Scharte. Im Ganzen hatte ich von der Glocknerhütte bis zur Spitze des Gr.Glockners drei Stunden und 10 Minuten gebraucht, welches Resultat mich auch deshalb sehr angenehm überraschte, da ich daraus ersah, dass die neue Hütte auf der Vanitscharte nicht nur für den neuen, im Bau begriffenen, sondern auch für den alten Kalser Glockner-Weg ein gutes Standquartier bildet und die Glocknerersteigung auf beiden Wegen um mehrere Stunden abkürzt.

Die übrige Gesellschaft, der sich unterhalb der Adlersruh noch ein Herr aus Würtemberg mit dem Führer Schnell (Mit dem Einfüge-Verweis "F" zu dieser Stelle schrieb Stüdl die folgende Anmerkung am Ende der Seite: "Es ward dieß der ausgezeichnete u. kühne Bergsteiger Herr Harpprecht aus Stuttgart". Von Harpprecht selbst gibt es in diesem Buch 2 kurze handschriftliche Einträge und zwar: "Den 11. August 1866 Th. Harpprecht, Justizreferendär aus Stuttgart, kommt von W.Matrey u. geht über das Bergerthörl nach Heiligenblut." und etwas mehr als 2 Jahre später, wo er eben diese Glockner-Tour ankündigt: "27. Aug. 68. Th. Harpprecht, Justizreferendär aus Stuttgart, kommt von W. Matrey u. geht heute mit dem Führer Joseph Schnell zur Jörgenhütte, um morgen den Glockner zu besteigen.") angeschlossen hatte, kam um eine Stunde später am Gipfel an, da ein Herr derselben das Vorwärtskommen durch Anwandlung von Schwindel, namentlich beim Übergang vom kleinen Glockner zur höchsten Spitze sehr verzögerte.

Nach dieser Erfahrung wäre der Glockner von der besagten Hütte in 3 ¼ bis 4 Stunden leicht zu erreichen. Allerdings kann in anderen Jahren der Aufstieg dadurch erschwert werden, daß das Eis auf dem Firnhang zum kl. Glockner mehr zu Tage getreten, oder die Scharte übereist und mit lockerem Schnee überdeckt sein könnte. Alle diese Hindernisse und Momente wird der künftige neue Weg (Anm.: "Stüdlgrat") nicht zu bekämpfen haben, indem dessen Anlage eine derartige wird, daß Eis und Schnee keinerlei erschwerende Umstände zu dessen Betreten bilden werden. Der Rückweg zur neuen Hütte wurde in 1 Stunde u. 50 Minuten zurückgelegt."

 

29. 8. 1868. Johann Stüdl: Romariswandkopf.

Im Bericht von der Erstersteigung des Romariswandkopfes  (29. 8. 1868) wird dieser teilweise als "Romarischken Wandkopf" bezeichnet, wobei in der Original-Überschrift "chken" durchgestrichen - hier in Klammer gesetzt - wurde. die - offensichtlich - alte Schreibweise taucht aber im Text immer wieder auf.

"Ersteigung des Romaris(chken)wandkopfes 11216' hoch.

Bei der Recognoscierungsfahrt am 27ten August hatte ich die Überzeugung gewonnen, daß eine Ersteigung dieses Gipfels, welcher, wie bereits früher erwähnt, nach dem Glockner, der Glocknerwand (117439') u. dem Vieschbachhorne (11318') der höchste Gipfel des ganzen Glocknergebietes ist, eine höchst lohnende sein müsse u. beschloß mit der Fortsetzung der Recognoscierung betreffend Auffindung des Überganges zur Pasterze, die Ersteigung dieses Schneegipfels zu verbinden. Eine Ersteigung desselben ward bisher unbekannt. Dürfte bis dahin auch unerstiegen gewesen sein.

Die neue Hütte bildet für diese Partie ein sehr gut gelegenes Standquartier. Am 29. August verließ ich um 4Uhr 40 M. morgens unter der Führung des Michael Groder u. Kerer (Thomas u. Peter Groder, meine Führer während der 2 vorhergehenden Tage, hatten sich wegen Mangel an Schneebrillen eine heftige Augenentzündung zugezogen u. konnten deßfalls die weitere Führung nicht übernehmen.) die Glocknerhütte, langten um 5 Uhr am Teischnitzkees u. kamen um 6 Uhr am Kramulsattel an.

Der Gipfel des Romariswandkopfes bildet eine sanft ansteigende Schneespitze, die nach Westen in einem Felsgrat abfällt. Wir schritten in gerader Richtung über das sanft ansteigende Frosnitzkees, erkletterten die westlichen Gipfel dieses Kopfes, auf welchem in aller Eile ein kleines Steinmanela errichtet wurde, u. erstiegen sofort den dem scharf zugespitzten Schneekamm entlang gehend (etwas unterhalb desselben, weil er überhängende (gegen die Pasterze) Schneewächten bildet) die höchste Spitze ohne jeglicher Schwierigkeit. Die Aussicht ist eine der lohnendsten u. großartigsten. Es war 7 Uhr, als wir daselbst anlangten, daher die Ersteigung nichts mehr als 2 Stunden u. 20 M. in Anspruch nahm.

Was ich bereits früher gesagt habe von der Aussicht, welche man von dem Eiskamme zwischen Glocknerwand u. dem Romarischkenwandkopf genießt, ist in noch erhöhterem Grade von dem letzteren der Fall. Da ferner der Glockner seiner Gestalt nach nicht viel von der Aussicht nach Südost verdeckte, so halte ich das Panorama von diesem Gipfel aus für eines der Großartigsten u. dürfte jenem vom Großglockner nicht um vieles nachstehen.

Ich empfehle diese Partie allen Jenen, denen eine Glocknerbesteigung zu mühsam u. anstrengend ist. Die Ersteigung des Romarischkenwandkopfes ist weder anstrengend, noch nimmt selbe eine große Zeit in Anspruch. Jedoch sind Seil und Schneebrillen unentbehrlich.

Heftiger Wind ließen uns nicht lange auf dem Gipfel verweilen. Der Hinabstieg wurde gegen die Pasterze genommen, indem wir versuchten, über die steilen Eis- und Felswände zur letzteren hinabzuklettern. Die Neigung mag 50 bis 60° betragen, vielleicht noch mehr. Nun begann eine der gefährlichsten Klettertouren. Die Eisabhänge waren mit lockerem Neuschnee überdeckt u. boten dem Fuße bei dieser entsetzlichen Steilheit keinen festen Tritt. Mit der größten Behutsamkeit mußte hinabgestiegen werden. Hier bewiesen sich meine beiden Führer als ganz vorzügliche unerschrockene Männer, welche die Gefahr auf das Minimum zurückzuführen suchten.

Leider war auch dieses alles vergebens, denn wir kamen eben nur etwa 400' über die Pasterze u. mußten aus gleicher Ursache wie früher umkehren, indem überhängende Eiswände ein Hinabkommen unmöglich machten. Wir nahmen die Überzeugung mit, daß dieser Abhang, auf welchem wir auf 3 verschiedenen Punkten hinabzuklettern versuchten, nicht ohne Grund der "Teufelskamp" heißt.

Nun blieb nichts übrig, als vom Laperwitzkeese einen Übergang zu bewerkstelligen, da weder das Teischnitz- noch das Frosnitzkees einen solchen vermitteln kann. Nun wird aber das letztere vom Laperwitzkees durch die steile Romarischkenwand von Nord nach Südost getrennt, über welche erst ein Hinabweg aufgefunden werden mußte. Uns blieb daher noch sehr viel Arbeit übrig.

Wir kletterten daher den fürchtlich steilen Teufelskamp hinan - es war 10 Uhr, als wir etwas unterhalb des Romarischkenwandkopfes den Eiskamm betraten. Dichte Nebel ließen nur mit vieler Mühe unsere Spur über das Frosnitzkees verfolgen. Unweit des Kramulsattels angekommen lichteten sich derselbe u. wir schritten in westlicher Richtung zur Romarischkenwand. Hier wurde über diese steile, aus bröcklichem Gestein gebildete Wand ein Hinabweg glücklich gefunden, welchen Erfolg wieder wegen dem ungünstigen Wetter nicht weiter verfolgen konnten u. den Rückweg zur Glocknerhütte antraten, welche wir um 12 Uhr und 50 M erreichten.

Am späten Nachmittag kamen wir in 2 St. u. 5 M. in Kals an.
                                                                        Joh. Stüdl / Prag "

 

 

Nach einigen weniger interessanten Eintragungen im Jahr 1868, beschreibt Johann Stüdl im Folgenden ausführlich den Beginn der mehrtägigen Touren in der Glocknergruppe, die er zusammen mit seinem Freund Karl Hofmann unternommen hat:

22. / 23. 7. 1869. Johann Stüdl: Anfang der Touren in der Glocknergruppe ( 1. Ödenwinkelscharte).

"Touren im Glocknergebiete

Carl Hofmann stud. juris. aus München u. Joh. Stüdl aus Prag trafen am 21t Juli 1869 abends in Uttendorf ein, wohin bereits vorher die 2 erprobten Kalser Führer Thomas Groder u. Josef Schnell bestellt waren u. sich auch pünktlich eingefunden hatten.

22. 7. 1869 1. Oedenwinkel-Scharte / 10 997 W' Sonclar, 10050 W' Keil

Am folgenden Tag verließen wir um 3 Uhr Nachm. das theuere Wirtshaus (Bärenwirth von Uttendorf) und wandten uns dem Stubachthale zu. Ein bequemer Fahrweg führt sanft hinan zwischen Wiesen. Von Fellernbauern - eines der wohlhabendsten Bauern Pinzgau's - steigt der Weg steiler hinan.

Bald bekommt die Gegend jenen hochalpinen Charakter, der das Auge des Touristen so sehr entzückt. Die Bergspitzen tauchen immer zahlreicher hervor, Wassserfälle, prächtige Forste mit Wiesenmatten und Sennhütten wechseln anmutig ab. Der Weg geht links vom Tauernweg im Zick Zack, später in ein prachtvolles Hochthal, auf dessen Grund die Hütten der Wurfalp liegen. Wir beabsichtigten, in letzterer unser Nachtquartier aufzuschlagen - fanden aber dieselbe verschlossen.

Es blieb uns nichts übrig, als, so spät es auch war, in tiefer Dämmerung einen Querriegel emporzusteigen, an dessen Rande die Hohe Kamp Alp liegt. In den ärmlichen Hütten derselben wurden die späten Ankömmlinge - es war 8.55 M. Abds. nichts weniger als freundlich aufgenommen, und denselben ein kleiner, schmaler Kälberstall als Nachtlager angewiesen.

23t - Juli Aufbruch 4.10 M. morgens. Der Weg geht einige Zeit über nasse Wiesen am Rande des Tauernmoos Sees, der in früherer Zeit die ganze Fläche des Tauernmooses eingenommen haben mag. Einen Querriegel überkletternd hatten wir den Anblick der unter Schutt begrabenen Zungen des Oedenwinkelkeeses, welches wir um 5.50 M. erreichten.

Nach kurzer Rast ging es nun vorwärts über die sanft geneigte schuttbeladene Oberfläche des Gletschers. Bald eröffnete sich ein großartiges Bild, das den Hintergrund des Gletschers Circus(?)artig umschließt. Mächtige Felswände, wild zerrissene steile Schneefelder bilden den Sattel, auf welchem die Schneepyramide des Johannisberges und des Schneewinkelkopfes - beide durch die Oedenwinkelscharte getrennt, ruht. Um 9.20 waren wir unter den himmelanstrebenden Wänden, die zu der Oedenwinkelscharte hinanführen gelangt u. richteten uns die Seile, Steigeisen u. Eisaxt zurecht, um das voraussichtlich schwierige Werk zu beginnen.

So groß wir uns aber die zu überwältigenden Hindernisse dachten, so wurden selbe durch die Wirklichkeit weitaus übertroffen. Anfangs über bis 47° steile Firnfelder emporsteigend, begann ein gefährliches Klettern über die Felswände. Je höher wir uns emporarbeiteten, desto mehr häufen sich die Schwierigkeiten, desto unheimlicher wurde die Situation. Die beiden Führer entwickeln eine Bravour, die wir nicht genug anzuerkennen imstande sind. So z.B. entglitt mir der Bergstock u. blieb tief unter uns in einer Schneekluft stecken. Der brave Thomele steigt die Wände und das steile Schneefeld hinab u. gelangt glücklich mit dem Bergstock wieder zu uns. Der verwegene Schnell steigt mit einem Satz die glatten, steilen Felsrinnen hinan u. stellt sich, wenn er ein kleines Plätzchen gefunden mit dem Rücken zur Wand, stemmt sich fest an, zieht das Seil straff u. lässt seinen Schützling denselben Weg hinansteigen - das Seil beständig kürzend. Sodann bewegt sich sich die zweite Partie - Tomele mit meiner Wenigkeit. Auf diese Art muß ein Stück Wand nach der anderen erobert werden. Hiezu gesellt sich die beständige Gefahr, von den herabfallenden Steinen getroffen zu werden. Die durchschnittliche Neigung der Wände betrug 53°. Auf vielen Stellen bis 65°. Das Gestein war locker u. brüchig. Jede Felszacke mußte erst erprobt werden, ehe man sich derselben anvertrauen konnte. Die schwersten Platten wichen oft unter dem Drucke der Hand o. des Fußes u. bereiteten dadurch recht unangenehme Augenblicke. Der Aufblick zu den uns überragenden glatten Felswänden war ebenso trostlos, wie der Hinabblick zu dem jäh hinabstürzenden Couloir. Ein Zurückgehen war nicht mehr möglich. So blieb uns nur die Wahl hinauf zu klettern.

In dieser ernsten Situation erquickte uns das herrliche Bild des Sonnblicks, Rabenkopfs etc. unter welchen der Weißsee in lieblichem Hellgrün schimmerte, ferner die prachtvolle Venediger- u. Riesenfernergruppe. Nach beinahe 6-stündigem Steigen kamen wir glücklich an der südl. vom Johannisberg etwas höher gelegenen zweiten Schartung des Oedenwinkels an (etwa 10250' )"F"(=Fussnote. Dazu Anmerkung am Endes der Seite: "somit die bestrittene Ersteigbarkeit der Oedenwinkelscharte bewiesen.")
Ein jeder von uns sandte ein stilles Dankgebet zu dem Allmächtigen, dessen Hand uns schirmend vor jeglichem Unglücke bewahrte.

Es war 3 Uhr Nachmittags, als wir an der Stelle unseres Auftauchens aus dem gräßlichen Gewänd auf der Scharte ein Steinmannl errichteten u. sofort aufbrachen, da wir noch einen weiten Weg zu durchschreiten hatten. Vor uns lagen die Pasterze, namentlich der obere Pasterzenboden vollständig ausgebreitet. Rechts davon der prachtvolle Glocknerkamm u. gleich einer Schneepyramiede der westliche Absturz der Glocknerwand. Stolz erhebt sich der Fuscherkarkopf zu unserer Linken u. begränzt damit ein herrliches Bild, dessen Hintergrund die Rauriser Gebirgszüge bilden.

Um 3 Uhr 5 M. ging es rasch die herrlichen Abhänge des Johannisberges entlang, sodann den obersten Pasterzenboden in nordöstlicher Richtung durchquerend, zur Bockkarscharte (9440'). Der weiche Schnee erschwerte etwas die sonst bequeme Wanderung in diesem Gebiete. Trotz alledem waren wir nach 2 3/4 Stunden an der letztgenannten Scharte angekommen. Vor uns haben wir die steilen Wände der hohen Docke, rechts die niedere, sanft gewölbte Kuppe des Breitkopfes. In sanfter Neigung, ohne Klüfte zieht sich anfangs das Bockkahr-Kees aus dem Halbkreise der Schneeriesen die freie Firnregion umstehen, hinab, um später in den wildesten Zacken u. Brüchen in das Käferthal hinaus zu lugen.

Wir hielten uns links zu den Abhängen der hohen Docke u. gelangten an einen Schuttwall, der durch einen Querriegel der hohen Docke gebildet wird.

Nun galt es den s.g. "hohen Gang" zu finden, welchen bereits Herr Dktr. Anton von Ruthner in seinen Berg- u. Gletscherfahrten im Glocknergebiete beschreibt, u. der die einzige Stelle ist, die den Übergang vom Bockkahr Kees in das Ferleitner Tal vermittelt. Tomele, der sich stets als ein ausgezeichneter Pfadfinder bewährte, wurde zum Recognoscieren ausgesandt, nachdem es sich erwiesen hatte, dass ein Abstieg in das Käferthal höchst schwierig sei. Bald sahen wir ihn auf einem Felsvorsprung stehend *)
Fussnote am Ende der Seite: *) "das Remsköpfl"- eines Ausläufers der hohen Docke
uns zuwinken u. siehe, der Hohe Gang war bald recht deutlich zu erkennen.

Die Abhänge der hohen Docke u. die Wände, die sich fast senkrecht zum Käfertal von den ersteren hinabziehen lassen ein schmales, mit Schutt bedecktes Band von etwas geringerer Neigung sichtbar werden, welches jenen einzigen Übergang bildet, den der verstorbene Führer Köderer den "hohen Gang" nannte u. welcher von Gamsjägern dann u. wann benützt wird.

In etwa 10 M. war diese Passage überschrittten u. sodann der Abstieg zu den Ausläufern des Hochgruberkeeses genommen. Bald erreichten wir die Rasenabhänge , die in ermüdenden Terrassen uns zur Judenalp führten, welche wir um 8 Uhr 30 M. lebend erreichten u. ein billiges Nachtquartier daselbst fanden. Ein Fußleiden zwang mich am Morgen des 24. Juli über Ferleiten nach Kaprun zu wandern, während mein Freund Hofmann mit den braven Kalsern zur Wiesbachhornersteigung aufbrach. Joh. Stüdl"

 

 

Es folgt daher im Anschluss die Beschreibung dieser Tour durch Karl Hofmann:

24. 7. 1869. Karl Hofmann: 2. Das Wiesbachhorn.

2. Wiesbachhorn 11318 W' /: Sonclar & Keil :/

Imposant erhebt sich oberhalb dem Fuscher Thale gegen Westen das Wiesbachhorn, ein herrlicher Gipfel, nur gegen Osten zu in mächtigen Felswänden abstürzend, während es auf allen übrigen Seiten als fein zugespitztes Horn mit steilen Firngräten erscheint.

Der wolkenlose Himmel des 23. Juli war 1869 zu verführerisch, als dass der folgende Tag zu einer simplen Thalsohlenwander'g. benutzt werden durfte. Ich beschloss daher, das Wiesbachhorn zu ersteigen, jedenfalls in Anbetracht dessen, dass der Anstieg für mich ebenso wie für meine beiden Kalser Führer, Js. Schnell und Thomele Groder neu war, ein gewagtes Unternehmen.

Im Allgemeinen den bei den früheren Wiesbachhorn - Excoursionen eingeschlagenen Weg beibehaltend, stiegen wir (Abmarsch 4 h 30 m) von der Judenalpe gegen die Bratschenköpfe in nordwestl. Richtung aufwärts. Die Überschreitung der letzteren - Gesamtneigung 45° - bot wenige Schwierigkeiten, obwohl das Emporsteigen über das brüchige, morsche Gestein immerhin einige Vorsicht erforderte. Erst 200 - 300' unter der obersten Spitze der Bratschenköpfe wurden letztere verlassen, und das Teufelsmuhlkees betreten - 10 h 10 m. Nach Kurzem war das Firnmeer des letzteren durchqueert; um 10h 45m betraten wir die Scharte zwischen Glockerin u. Wiesbachhorn.

Von dieser Scharte zieht gegen W. das Wielinger Kees hinab. Da dieselbe bis zur Zeit noch namenlos ist, so benannte ich sie als Wielinger Scharte 10463W' (Sonclar). Nach ¼ stündiger Rast machten wir uns an den letzten Theil der Arbeit, an die Übersteigung der zur höchsten Spitze emporziehenden Firnschneide. Die verhältnismäßig geringe Neigung (25 - 30°) liessen uns dieses Stück Weges leicht zurücklegen. Wenige Minuten vor 12 Uhr, somit 7 ½ Stunden nach unserem Aufbruch aus der Judenalpe hatten wir den Gipfel erreicht, der aus einer gegen Osten überhängenden Schneewechte besteht.

Der Tag gehörte zu den glücklichsten. Keine Bergspitze war verdeckt, trotz der späten Tageszeit. Im Vergleiche zur Glocknerrundschau bietet das Wiesbachhorn abgesehen von der im Allgemeinen gleichen Fernsicht, den Vortheil, dass die Glocknergruppe, zumeist der Glocknerkamm mit dem stolzen Könige der Ostalpen ein unübertrefflich schönes Bild gewährt. Nur geringe, unbedeutende Theile des Panoramas werden durch letzteren selbst verdeckt.

Punkt 1 Uhr wurde der Rückweg angetreten. In wenigen Minuten durch pfeilschnelles Abfahren auf der Wielinger Scharte angelangt, beschlossen wir, den erst 2mal versuchten Abstieg ins Kaprunertal zu unternehmen. Schwierigkeiten mässig. Nur eine Stelle, eine ca. 40' hohe senkrechte Wand bot bedeutendere Gefahren. Schnell ließ zuerst Thomele Groder, dann mich am Seile hinab und kletterte dann, ein unvergleichliches Bravourstückchen , frei hinab! Um 4 Uhr hatte ich die Bauernalpe, um 8 Uhr Kaprun/Dorf erreicht, wo ich mit meinem lieben, treuen Freunde Stüdl wieder zusammentraf."

 

 

Der nächste Bericht wurde wieder von Johann Stüdl verfasst:

26. 7. 1869. Johann Stüdl: 3. Kapruner Thörl und Kalser Tauern.

 

"3. Kapruner Thörl (8709 W Keil; 8428 W Sonclar) u. Kalser Tauern (8709 W Sonclar; 8098 L' Keil)

25. Juli. Rasttag im Dorfe Kaprun.

Am 26. Juli nahmen wir Abschied von der freundlichen Wirthin des "Kapruner Wirthshauses" und schritten mit dem nöthigen Proviante versehen, um 10 Uhr vormittags das Kaprunerthal hinan.

Nicht sobald hat auf mich ein Thal einen so großartigen Eindruck hervorgerufen, wie dieses. Schon das freundliche Dörfchen Kaprun, überragt von der stolzen Pyramide des Kitzsteinhornes, die sich aus Schneegefielden erhebt, bietet einen interressanten Anblick. Dringt man aber auf d. bequemen Fahrwege tiefer in dieses herrliche Thal ein, so steigert sich das Entzücken über die Reize der Natur, mit welchen dieses Thal verschwenderisch bedacht ist. Sonnige Wiesen, dunkle Forste ziehen sich hinab zur Thalsohle.

Bald über erstere, bald im kühlen Schatten der letzteren fortwandernd, kamen wir zu einem Thalbecken, das durch einen mächtigen Querriegel die Thalsohle abschließt. Ein großartiger Wasserfall bahnt sich durch eine wilde Felsschlucht schäumend und donnernd den Weg. Mächtige Felsblöcke lagen am sonnigen Wiesenplan umher, rechts u. links jähe Abstürze, über welche sich die Gießbäche glitzernd wie Silberfäden hinabziehen. Im Zick Zack geht der Weg über den mit Gras u. Strauchwerk bewachsenen Querriegel hinan, sodann oberhalb der in der Felsschlucht schäumenden Kapruner Ache über Grasabhänge sanft ansteigend.

Nach kurzer Zeit öffnet sich dem entzückten Auge ein prachtvolles Bild. Vor uns breitet sich ein stilles Thal mit Wiesen und Sennhütten aus. Zu unserer Linken thronten über mächtigen Felswänden die Schneegefielde, aus welchen als spitzes Horn das Wiesbachhorn herausragt. Die Glockerin u. der große Bärankopf lassen uns nur ihre schroffen Felsabstürze erblicken zwischen welchen die einzelnen wild zerklüfteten Gletscher (Wielinger- Glockerin- u. Gr. Bärenkopf Kees) herniedergehen. Im Hintergrund schloß das herrliche Hochthal mit einem mächtigen, mit Rasen bedeckten Querriegel ab, an dessen Fuße die Hütten der Bauern- und Wasserfallalpe zu sehen waren.

Um 3 Uhr erreichten wir die letztere und quartierten uns in der sog. Mayerhütte ein, dessen Senner zugleich der Schlüsselbewahrer der vom Österreichischen Alpenverein unweit davon neu erbauten "Erzh. Rainerhütte" ist. Im Verlaufe des Nachmittags besuchten wir dieselbe u. fanden sie sehr solid gebaut u. wohnlich eingerichtet. Nur das einzige ist zu bedauern, daß diese Hütte, mit einem so riesigen Kostenaufwand erbaut, kaum einen Büchsenschuß weit von Alphütten steht, wo jeder Tourist eine Unterkunft finden kann, während, wenn die Clubhütte am Mooserboden stünde, der Vortheil, den solche gewähren soll ein größerer wäre.

27t Juli:

Mit dem Grauen des Tages wurde ein Imbiß genossen und sodann der Senner gefragt, wieviel wir ihm für die bescheidene Alpenkost schuldig wären. Wie erstaunten wir, als er die Summe von f 3.60 als für nicht zu viel nannte. Ersucht, die unverschämte Rechnung zu spezifizieren, meinte er z.B. für 1 Maß Milch 20x - für ein kleines Quantum in Milch eingelegter Mehlpatzen f 1., für einen Schmarrn f 1.20etc. ... (Anm.: Preisangaben in Heller und Kronen)

Ich warne daher jeden vor der Einkehr in der Mayerhütte der Wasserfallalpe u. rate entweder in der nebenanstoßenden Itzbachhütte - die reinlicher u. deren Senner bescheidener u. freundlicher ist, einzukehren, oder mit reichlichem Proviant versehen, die Erzh. Rainerhütte zu benützen.

Abgang von der Wasserfallalpe 3 ½ Uh morgens. Gleich vor letzterer beginnt das Steigen zur rechten den Querriegel hinan, auf dessen Kamme ein großartiger Einblick in die Gletscherwelt des Mooserboden, namentlich auf das Karlinger Kees den Beschauer entzückt. Links die Wände des schroffen "Großen Bärenkopfes", an die sich die sanft gewölbte Kuppe des mittleren Bärenkopfes anschließt, während der vordere Bärenkopf kaum merklich emporragt.

Das Wetter wurde immer schlechter u. daher gaben wir unseren Übergang über das Riffelthor und die Besteigung der hohen Riffel u. des Johannisberges auf u. begnügten uns, über das Kaprunerthörl zu wandern. Das Karlingerkees bildet bei seinem Ende ein prachtvolles Gletscherthor, aus welchem der Gletscherbach mit Macht hervorrauscht. Wir betraten die schuttbedeckte Gletscherzunge am westlichen Rande u. kamen bald auf blankes Eis, das uns zwang, die Steigeisen anzulegen, um desto sicherer die vielen Klüfte zu übersetzen. Die zerrissenen und brüchigen Wände des Thorkopfes einerseits u. jene des kleinen Eisers andererseits bilden ein Querthal, in welchem der schuttbeladene Thörlgletscher sich befindet und schließlich in einer zackigen Schartung das Kaprunerthörl hinanzieht.

Ohne viele Mühe erreichten wir um 9 Uhr dasselbe, nachdem etwa ½ Stunde zum Zeichnen des Wiesbachhornes u. der angränzenden Hochgipfel benützt wurden. Man tut gut, statt den tiefsten Einschnitt des Kaprunerthörl anzusteigen, mehr links (südl.) die Scharte zu erreichen, da von hier aus der Abstieg zum Riffelgletscher viel leichter ist. Wir verweilten am Thörl einige Zeit, da der Dopplblick - einestheils auf den stolzen Kamm, der das Kaprunerthal vom Fuscher- u. Ferleitenerthal trennt, andererseits auf den Sonnblick, Rabenkopf, Granatspitz zu reizend war, um uns sofort von diesem herrlichen Bild trennen zu können.

Der Abstieg zum Riffelgletscher über Rasen, später über Schutt war leicht. Wir hielten uns mehr links u. durchquerten ihn gegen Südwesten, kamen bald auf Grasabhänge, die wir nur kurze Zeit hinabstiegen u. sodann mehr stets über den Gletscher fortwandernd das Oedenwinkelkees möglichst hoch über seinem Ende zu erreichen. Auch dieser Gletscher wurde in südwestlicher Richtung durchschritten u. über ein kleines Schneefeld seiner westlichen Umrandung - meist Rasen - erklommen. Von hier überblickten wir den größten Theil dieses interessanten Gletschers u. genoßen das Bild jener steilen Felswände, die uns einige Tage vorher beim Anstieg zur Oedenwinkelscharte so böse Arbeit verursacht hatten.

Auch hier wurden 1 ½ Stunden mit Zeichnen zugebracht u. bald darauf der Kalser Tauern Weg oberhalb des Weiss See's betreten. Eines der schönsten u. malerischesten Punkte im Stubachthale ist entschieden der letztgenannte See mit den zu ihm herniederziehenden Gletscher u. zwar dem Sonnblick- und Weiss-See-Gletscher. Weit hinaus schweift der Blick über die zum Stubachthale herniederziehenden Bergabhänge zu den schroffen Loferer Steinbergen, die im bläulichen Dunste mächtig in die Lüfte ragen.

Anfangs über Steinplatten, später über kleine Schneefelder führt der Tauernweg zum Kalser Tauern, dessen höchster Punkt durch ein Kreuz gekennzeichnet ist. Hier lagerten wir uns auf weichem Moose u. genoßen die herrliche Aussicht mit vollen Zügen. Es mochte etwa 2 Uhr gewesen sein. Das Wetter war unterdessen prachtvoll geworden. Bläuliche Wolkenschatten zogen über die Berge und verliehen dem Ganzen wohltuende Farbentöne. Gegen Süden gewendet hatten wir zur Rechten das Tauernkees, dessen Abfluß den Dorfer See füllt. In scharfen Felszacken setzt sich der Stubacher Mitterkamm gegen Süden fort u. gibt mit den schroffen Abhängen des Medels dem oberen Theile des Dorfer Thales ein wildes Aussehen.

Der Hinabweg vom Kalser Tauern geht anfangs etwas steil über Schutt u. Schneehänge, welchen Weg wir uns durch Abfahren über Schneefelder möglichst zu kürzen bestrebt waren. Bald erreichten wir einen bequemeren Weg in Form eines deutlichen Fußsteiges, der zwischen Gras u. Felsstücken sich hinschlängelt. Nach etwa 1 ½ Stunden gelangten wir zu dem blaßgrünen Dorfer See. Nach und nach breitete sich die Thalsohle aus bis zu einem lieblichen Thalkessel, in welchem auf saftigen Wiesenmatten eine Anzahl von Sauhütten (Böheimer Eber) zerstreut liegen. Kuhherden mit harmonischem Glockengeläute bilden die übliche Staffage hiezu. Um dieser Scenerie einen noch größeren Reiz zu verleihen rauscht von der steilen Thalwand ein mächtiger Wasserfall ( vom Hasbache gebildet, der Abfluß des Luckanglgletschers) hernieder. Führer Schnell ließ es sich nicht nehmen, uns zu einer der Sauhütten zu führen, wo seine Schwester sich befand. In keiner Sauhütte wurden wir je so freundlich empfangen u. bewirthet wie daselbst. Nach einem halbstündigen Aufenthalt ging es nun über Wiesen weiter. Am Weg kam mir Freund Hecht aus Prag entgegen, der seit mehreren Tagen in Kals sein Standquartier genommen hatte. Ehe wir das heißersehnte freundliche Kals erblickten, war uns noch eine kleine, nicht eben bequeme Tour über einen Felsabhang etwa 6 - 800' aufwärts vorbehalten. Dieser Weg umgeht eine Thalenge des Dorfer Thales, die wegen ihrer Beschaffenheit und Steilheit der niedergehenden Felswände, nicht gestattet, den Fußweg in der Thalsohle anzulegen. Der treppenartig angelegte Weg, "die Stiege" genannt, führte uns hoch über den Thalboden. Und so lästig auch dieselbe war, so belohnte uns die Aussicht vom höchsten Punkte aus für diese Mühe reichlich. Nun theils durch Wiesen und Wald zum Taurer u. Spöttling, den ersten Bauernhöfen und sodann zwischen Feldern nach dem freundlichen Kals, wo wir um 7 Uhr abends eintrafen u. von den Wirthsleuten sowohl als auch von Sr. Hochwürden Herrn Pfarrer u. Herrn Kooporator auf das allerherzlichste empfangen wurden.

Joh. Stüdl"

 

 

Stüdl hatte in Kals noch mancherlei zu besprechen und zu erledigen, sollte doch am 5. August 1869 der "Neue Kalser Weg" (später "Stüdlgrat") offiziell eröffnet werden. Die neue Hütte - nun bereits "Stüdlhütte" genannt, würde also an diesem Tag mehr Besucher als üblich aufnehmen müssen.

Außerdem war er schon mit der Gründung eines Bergführervereines in Kals befasst, weshalb sich Hofmann, der unermüdliche, am folgenden Tag wieder selbständig machte, um den Hochschober zu besteigen.

 

 

 

28. 7. 1869 Karl Hofmann: Hochschober - Erstbesteigung von Kals aus.

"Erste Ersteigung des Hochschobers (10247 F L' Sonclar.) von Kals aus.

So trefflich die Kalser als Führer für die Glocknergruppe sich durch ihren Eifer und ihre Thätigkeit eingeschult haben, so wenig waren sie andererseits mit der zweitbedeutendsten Nebengruppe der Hohen Tauern, mit der Schobergruppe bekannt, für welche Kals gleichfalls ein günstiger Ausgangspunkt ist. Ich beschloß daher, mit den beiden erprobten Gefährten Jos. Schnell und Thom. Groder eine Ersteigung des Hochschober 1024 F L' (Sonclar) zu unternehmen. Rechtscandidat V. Hecht hatte sich der Excursion angeschlossen.

28. Juli. Abmarsch 4h 10m P. zur obersten Alphütte im Lesachthale (2 St.). Dies ist die sog. Meningalpe auf der linken Seite des Lesachthales, Sonclar gibt dieselbe auf seiner Tauernkarte nicht an (sowenig, wie z.B. Wasserfallalpe im Kapruner-, Judenalpe im Käferthale). Bei der Meningalpe theilt sich das Lesachthal; der eine Teil zieht gegen Osten zum Waadschys Kees empor (auf Sonclars Tauernkarte als Kastengletscher bezeichnet), der andere zum Ralfkees gegen Süden.

29. Juli. Aufbruch 3h 55m. Am Abflusse des Kalskeeses aufwärts wandernd, erreichten wir um 5h 15m die mächtige Steinmoräne des Kalsgletschers. In der Richtung gegen das Kreuzeck theils über steile Firnfelder, theils über gefahrlos zu betretende Felswände emporsteigend, kamen wir um 7h 45m an der Scharte zwischen Hochschober und Kreuzeck an. Über einen Firngrat - 22° Neigung - erreichten wir um 8h 15m, also 4 St. 20 M. nach unserem Aufbruche von der Meningalpe die Spitze des Hochschobers, eine sanft gewölbte Schneekuppe.

Die Aussicht war nicht so großartig, als ich vermuthet hatte. Ist auch der der Blick auf die Glocknergruppe von bedeutender Wirkg., so ist doch der monotone Vordergrund, der Blick auf die langweiligen Thäler Debant und Leibnigg, von Nachtheil auf die Schönheit des Gesamtbildes. Die Dolomiten dagegen präsentieren sich gleich großartig, wie vom Glockner aus. Von imposanter Pracht ist die Rundschau gegen W. Dort erhebt sich jenseits der weiten Furche des Defereggen - Thales die Antholzer- (Rieserferner-) Gruppe, die bedeutendste Nebengruppe des Gebirgsstockes der Hohen Tauern. Weitaus dominierend steigt aus derselben der Hochgall, eine der herrlichsten Warten der deutschen Alpen empor, sein eisgekröntes Haupt hoch erhebend über alle seine Nachbarn.

Nach 1 ½ stündigem Aufenthalte verliessen wir die Spitze. Der Rückweg wurde über den Kleinschober (10002 W' Sonclar) zum Schoberthörl (9189 W' Sonclar) eingeschlagen. Die vom Hochschober zum Kleinschober sich herabziehende Wand - 55° - war leichter zu passieren, als es dem Anscheine nach anzuführen gewesen wäre. Dagegen bot der Abstieg zum Schoberthörl einige Schwierigkeiten; da wir das langsame Herabklettern über diese Wände vermeiden wollten, stiegen wir über ein sehr stark geneigtes Schneefeld - 47° - in der Höhe von ca. 800 Fuß hinab. Die äußerst bedeutende Neigg. erheischte große Vorsicht, um ein Abgleiten zu verhüten.

Um 10h 35m langte ich mit Schnell, um 11h 5m Hecht mit Thomele Groder am Kalsgletscher an. Gemeinsam überschritten wir den letzteren; um 11h 50m hatten wir das Ende desselben, um 12h 45m die Meiningalpe, um 2 ¼ Uhr Kals erreicht."

Juli 1869 Victor Hecht

Neben verschiedenen anderen Eintragungen finden wir auf der nächsten Seite auch jene von Victor Hecht, Hofmanns Begleiter auf seiner Tour auf den Hochschober: Hecht war begeisterter Bergsteiger und mit Stüdl schon länger in Verbindung um die Sektion Prag des DAV zu gründen, welche ein knappes Jahr später erfolgte. Hier nun der kurze Text:

"Victor Hecht aus Prag stieg am 26t Juli auf den Glockner, am 29t Juli auf Hohen Schober u. ging am 30t Juli über Kalser Thörl nach Windisch Matrei."

5. 8. 1869 Egid Pegger: Bericht anläßlich der Eröffnung des "Neuen Kalser Weges" ("Stüdlgrat")

Egid Pegger, der Initiator für den neuen Weg über den Südostgrat des Großglockners und die Hütte auf der Vanitscharte gibt, anläßlich der Eröffnung des "Neuen Kalser Weges", am 5. August 1869, einen Überblick über die positive Entwicklung, die Kals durch diese Bauwerke genommen hat:

"Bei 50 Reisende waren heuer schon hier; diesen großen Aufschwung hat Kals der Unermüdlichkeit und Gütigkeit des Herrn Stüdl aus Prag zu verdanken. Besonders aber ist es die Glocknerbesteigung, welche einen großen Aufschwung nimmt. Während früher fast nur ausschließlich die Besteigung dieses drittgrößten Bergriesen Tirols von Hl.Blut ausging, hat dieselbe von Kals aus sehr zugenommen. Herr Stüdl faßte das Projekt, am Scheiderücken zwischen dem Teischniz- und Ködniz-Gletscher eine Hütte zu bauen, und auf den Glockner über dessen südliche Felskante hinauf einen Weg herzustellen. Im September 1868 wurde die Hütte für 16 Personen fertig und wurde am 15. 7. 68 feierlich zu Ehren ihres Erbauers 'Stüdlhütte' getauft und ist schon sehr häufig besucht worden. Großglockner auf dem Weg über die Adlersruhe in 3 St., neuer Weg in 2 Stunden. , Pasterze über die Adlersruhe 3 St. (Eröffnung Hofmann aus München welcher in 2 Stunden über den Glockner, Kleinglockner, Adlersruhe am 5. 8. Auf die Pasterze hinunterstieg).

Bei der Gelegenheit, als dieser Weg feierlich von 7 Steigern u. 7 Führern am heutigen eröffnet wurde. Leider konnte der ausgezeichnete Stüdl, welcher die bedeutenden Herstellungskosten zu diesem Wege aus eigenem bestritt, zu dieser Feier nicht theilnehmen, weil er sich beim schwierigen Abstieg über die mittlere (höchste) Spitze des Watzmanns in das Wimbachthal den Fuß verletzte. Durch diese bedeutenden Opfer für seine Alpenfreundschaft hat er für Kals und überhaupt für die Alpen sich ein unsterbliches Verdienst erworben, wofür ihm sowohl die Reisenden und alle Alpenfreunde zum herzlichsten Danke verpflichtet sind.

Gegenwärtig verhindert, die Tauern zu durchforschen in Folge seines verletzten Fußes ordnet er das ganze Führerwesen hier, veranlaßt die Herausgabe von Führerstatuten u. Führerbüchern.

Als heute die ganze Gesellschaft von der Stüdlhütte aus in 2 ½ Stunden die höchste Spitze des Glockners auf dem neuen Wege, dem Stüdlwege erreicht hatte, brach dieselbe in ein begeistertes Hoch aus auf den edelsten und wahren Alpenfreund Stüdl.

Kals, am 5 August 1869 E Pegger"

5. 8. 1869 Johann Stüdl: Hofmanns Abstieg vom Großglockner-Gipfel über die Adlersruhe zum oberen Pasterzenboden und detaillierter Bericht über die Eröffnung des Neuen "Kalser Weges":

Anmerkung: Die Erstbegehung des Abstieges vom Gipfel des Großglockners über die Adlersruhe zum oberen Pasterzenboden (später Hofmannsweg) durch Karl Hofmann geschah aus einer Notlage heraus: Hofmann wollte die Eröffnung des neuen Glocknerweges nicht versäumen, hatte sich aber einen Tag später in München bei seinem Regiment einzufinden. Er nahm daher von der Pasterze aus seinen Weg weiter nach Ferleiten und München.

Aus diesem Grunde übernahm es Johann Stüdl, zusammen mit dem Bericht über die Eröffnung des neuen Weges - an der er, wie wir durch Egid Pegger erfahren haben, selbst nicht teilnehmen konnte - diese Pioniertat seines Freundes im Fremdenbuch des Glocknerwirtes festzuhalten.

Hier nun die Abschrift dieses Berichtes:

"Directer Abstieg vom Großglockner (resp. Adlersruhe) direct zum oberen Pasterzenboden!

Carl Hofmann stud. Juris aus München war der erste auf der Spitze des Glockners ("F" - am Seitenende vermerkt: "ohne sich vom Führer anbinden zu lassen") bei Gelegenheit der Eröffnung des neuen Weges am 5. August 1869, an welcher sich nicht weniger als 14 Personen betheiligten. Ein wolkenloser Himmel erhöhte den Genuß dieses freudigen Ereignisses und eine prachtvolle Rundsicht belohnte die Ersteiger für die kurz angewendete Mühe, die der neue Weg verursacht. Der neue Weg ist für geübte Touristen vollständig gefahrlos u. benötigt für sehr geübte Bergsteiger bloß einen Führer.

Drahtseile sind an allen bedenklichen Stellen angebracht, wodurch er für geübte Touristen wie er jetzt schon ist, vollständig genügt. Doch die Kalser Führer sind bemüht, denselben immer mehr und mehr gangbar zu machen, so dass er auch für ungeübte Touristen ohne Nachhilfe des Führers passierbar gemacht wird.

 

Mit Letzteren kann selbst der Ungeübteste im gegenwärtigen Zustand des Weges die Spitze binnen 3 ½ Stunden von der Stüdlhütte aus erreichen. Geübte bedürfen 2 ½ bis 3 Stunden.

 

Nachdem die Gesellschaft von 6 ¼ bis 8 ½ Uhr bei einer Temperatur von 11° auf der Spitze verweilte, stieg Herr Hofmann binnen 37 Minuten mit den Kalser Führern Thomas Groder u. Josef Kehrer auf die Adlersruhe, um von da einen directen Abstieg zur Pasterze zu unternehmen.

 

Dieser in höchstem Grade kühne Gedanke wurde auf eine überraschende Art ausgeführt. Um 9 ½ Uhr wurde die Adlersruhe verlassen. Sie begannen den Abstieg über das äussere (südliche) Horken-Kahr über Gletscher. Neigung mäßig. Maximum 40°. Das Gehen war wegen dem unter den Füßen u. Steigeisen sich ballenden Neuschnee‘s beschwerlich. Das Hauptaugenmerk mußte auf das Umgehen der vielen Klüfte gerichtet werden. Josef Kerer bewährte sich als tüchtiger Pfadfinder, Thomas Groder wie immer als Führer per excellence. Der Abstieg war schwierig über glatte Felsplatten. Um 11 Uhr bereits, also nach 1 ½ Stunden von der Adlersruhe weg, hatten die Verwegenen die Pasterze erreicht u. durchquerten dieselbe zur Franz Josefshöhe. Um 6 Uhr kamen sie in Ferleiten an."

_____________ . _____________

 

"An der Eröffnung des neuen Glockner-Weges am

5t August 1869 haben sich betheiligt:

 

Herr Egid Pegger k.k. Ingenieur aus Lienz

" Tho. Pegger stud. Medic. aus Lienz

" Carl Hofmann stud. Juris aus München

" Kr.Dtr. Josef Beweitter aus Innsbruck

" Ölnebauer Hörbauernsohn aus Lienz

" Bachwehrer Pferdschmied u. "

Belezarterer Dirndl

mit den Führern: Thomas-, Michael-, Ruppert-, Peter- Groder,

Josef- u. Andrä Kerer, Peter Hutter."

1870 / 1871 Diverse Eintragungen teilweise mit Abschrift

Hans Stüdl und Karl Hofmann hatten für 1870 schon die nächsten Touren in der Glocknergruppe geplant, ja, sogar schon die Führer bestellt, doch es sollte anders kommen! Karl Hofmann fiel im Deutsch - Französischen Krieg bei Sédan. Für Johann Stüdl war dies ein schwerer Schlag!

Kein Wunder, dass in diesem Jahr keine Eintragungen von ihm im Fremdenbuch des "Unteren Wirts" zu finden ist. Auch 1871 dauert es lange, bis sein Name darin aufscheint und zwar in diesem Eintrag vom 15. 8. 1871, bei dem leider die Unterschrift des Verfassers nicht entziffert werden konnte:

"Am 15. August ¾ 5 Uhr traten die Unterzeichneten mit den Führern J. Schnell, Mich. Groder, Gregor Hutter, Peter Hutter u. Schmied Gräfler den Marsch zur Stüdlhütte unter sehr zweifelhaften Auspizien an. Um ½ 4 Uhr am Morgen des 16. aufgebrochen erreichten sie über die Adlersruhe u. Kleinglockner die Spitze um ¾ 7 Uhr. Die Aussicht war ausgezeichnet nach keiner Seite beeinträchtigt.

Beim Herabsteigen trafen wir auf der Adlersruhe zu unserem großen Vergnügen die beiden rühmlichst bekannten Hrn. Stüdl u. Umlauft aus Prag."

Unterschriften unleserlich.

Dass eine Anmerkung von Stüdl selbst über diesen Aufenthalt nicht aufscheint, hängt sicher damit zusammen, dass er nun eher in der Stüdlhütte Quartier bezog.

 

 

Moritz Umlauft zählte wie Victor Hecht zu den Gründungsmitgliedern der Sektion Prag. Die beiden Freunde wanderten dann weiter in die Venediger Gruppe, wo Stüdl mit Prof. Eduard Richter aus Salzburg zu den "Wanderungen in der Venediger Gruppe" verabredet war. Umlauft schloss sich der ersten Tour auf den Großvenediger am 18. 8. an, und wanderte am nächsten Tag weiter nach Krimml, während sich Richter und Stüdl die Erstbesteigung der Schlieferspitze in Angriff nahmen. Siehe nächster Eintrag:

1871 Diverse Eintragungen, teilweise mit Abschrift (Prof. Eduard Richter, Moritz Umlauft, Hofmannsfeier, "Johann Stüdl samt Frau").

Kennengelernt haben sich Stüdl und Richter sicher durch den Alpenverein, denn Prof. Richter war bei der 2. Generalversammlung 1871 in Salzburg schon Mitglied der Sektion Salzburg und wurde später deren 1. Vorsitzender. 

"Am 1 / 9 1871 sind Johann Stüdl und Eduard Richter hierher zurückgekehrt, nachdem sie unter Begleitung des wackeren Thomas Groder folgende Touren in der Venediger- und Antholzer-Gebirgsgruppe gemacht hatten:

Großvenediger von Gschlöss aus.

Schlieferspitze im Obersulzbach (1. Ersteigung)

Dreiherrenspitze Rödtspitze (Welitz) (2. Ersteigung)

Hochgall (Rieser) (2. Ersteigung)

Am 4. September brachen wir zur Hofmannsfeier zur Franz- Josefshöhe von Kals aus auf.

Joh. Stüdl

Der folgende kurze Eintrag aus dem Jahr 1972 beschreibt den ersten Teil der Hochzeitsreise von Johann Stüdl und seiner jungen Frau Hermine. Bei weiterhin schlechtem Wetter ging die Wanderung zur Einweihung der neuen Clarahütte in der Venediger Gruppe.  

 

 

 

1872 Stüdls Hochzeitsreise

Der folgende kurze Eintrag aus dem Jahr 1872 beschreibt den ersten Teil der Hochzeitsreise von Johann Stüdl und seiner jungen Frau Hermine. Bei weiterhin schlechtem Wetter ging die Wanderung zur Einweihung der neuen Clarahütte in der Venediger Gruppe.

"Joh. Stüdl samt Frau aus Prag kam von Heiligenblut am 30. Sept. bei fußtiefem Neuschnee über das Berger Thörl u. geht am 2tn Okt. Nach W.Matrei über das Kals - Matreier Thörl."

23. 8. 1875 Stüdls letzter Eintrag in diesem Buch (und andere).

Josef Purgleiten Apotheker Graz Graz

Med. Dr. F. Schwarzl städt. Bez. Arzt aus Graz

Franz Kleinoschegg Weinhändler, Graz

Franz Schwarzl Student

Franz Stenglbauer Oekonom aus Graz"

 

Dann schreibt Stüdl:

"Unvergeßlich wird mir der Empfang bleiben, der uns am 23tn August abends bei der Ankunft in Kals von Seite des Wirtes, der Führer und am überraschendsten durch einen, von obigen Herren aus Graz vorgetragenen Gesang geworden ist. Ich fühle mich diesen Herren, welche alle Anwesenden Durch ihre wunderschön vorgetragenen kärntner Lieder auf das Angenehmste erfreut haben, zu großem Danke verpflichtet, ebenso den biederen Kalsern.

Auf der programmmäßigen Tour von Zell am See - Obersulzbachthal, Einweihung der Kürsinger Hütte - Besteigung des Venedigers, Abstieg zur Prager Hütte - Wind- Matrei, Thörl, Kals begriffen, beabsichtigen wir heute zur Glocknerhütte zu steigen, in der Dorfer Alm zu übernachten, um am 25tn der Einweihung der Rudolfshütte beizuwohnen u. denselben Tag nach Uttendorf hinabzusteigen.

Joh. Stüdl

Carl von Lama"

 

 

Auch Eduard Richter war wohl auf dieser "programmmäßigen Tour" mit dabei. Er schrieb sich aber an übernächster Stelle selbst ins Fremdenbuch ein:

"Von der Eröffnung der Kürsingerhütte über Wind. Matrey und das Kalser Thörl angekommen, begibt sich der Unterzeichnete über den Kalser Tauern zur Eröffnungsfeier der Rudolfshütte.

Eduard Richter

kk. Prof. i. Salzburg"

Die letzten 4 Eintragungen in diesem Buch sind für diese Homepage nicht von Bedeutung, weshalb die Abschrift hier endet.