1868 Brief von Egid Pegger an Johann Stüdl , den Bau der Stüdlhütte betreffend.

1868 Brief von Egid Pegger an Johann Stüdl , den Bau der Stüdlhütte betreffend.


                                                           Lienz, am 29. Juni 1868.

       Euer Wohlgeboren !

       Heute erscheint zu meiner Freude Thomas Groder aus Kals und erzählt mir von der Erstellung der Stüdlhütte auf der Vanizscharte (nach Sonklar 8638' hoch) folgendes:

Diese wurde nach meinen Angaben in zwei Abtheilungen hergestellt. Der Kochraum 7 ½ und 10 Fuß, der Schlafraum 10 und 10 Fuß hergestellt. Hat erhalten 2 Thüren und 2 Fenster. Die Thür in den Schlafraum ist stärker und wird ein starkes Schloß erhalten. Diese wurde wegen tauglichem Materials und der Nähe des Wassers auf der Vanizscharte gebaut und ist mit Steinplatten gedeckt, wie es projektiert war.

Dieselbe erforderte 28 ½ Tagschichten, an denen um 3 Uhr morgens aufgebrochen und mit schwerer Last beladen auf die Scharte gegangen wurde.

Die Kosten stellen sich:

28 ½ Tagschichten zu 1 fl                                                            28 fl 50 kr
2 Fensterstöcke mit Fenstern                                                        1 fl 50 kr
2 Thürstöcke ohne Schloß und Bändern samt                                3 fl 
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                                                                                               33 fl 
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Den Weg beginnen sie gleich nach der Heuernte und ich habe dem Thomele                            

  6  Stück Steinbohrer

  6      "    Schlägel

  2      "    Spannstangen

10      "    Stuffensteine

  2      "    Pickel

  4      "    Zirinispitzen (?)

  4      "    Sturmnadeln (?)

20  Klafter Seil

  2       „     Zündschnüre zur Verfügung gestellt.

Zu der Herstellung des Weges habe ich meinen Plan etwas abgeändert, wobei etwas mehr Eisen aber weniger Tagschichten verwendet werden.

Wenn Sie können, so wäre es mir erwünscht, Ihre werthe Ankunft so lange zu verschieben, bis der Weg gangbar ist; wir würden dann von der Stüdlhütte weg in 2 Stunden längstens (sage 2 Stunden) auf dem Glockner sein. Höchste (II te) Spitze, denn I te wird es von da an keine mehr geben. Auch hoffe ich bis dahin den direkten Übergang auf die Pasterze, von der Hütte höchstens 3 Stunden, gefunden zu haben. Dieses als Nachtrag zu meinem Letzten. 

      In Hochachtung

                                                       Euer

                                                                                            Egid Pegger

 

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