Dezember 2012 Johann Stüdls Lebenslauf.

Dezember 2012 Johann Stüdls Lebenslauf. Zusammengestellt von Elfriede Klein.

27. 6. 1839     Geboren als Sohn des Prager Kaufmannes Andreas Stüdl und dessen Gattin Antonie geb. Duschanek. 1846 - 1856 Besuch der Stadtschule und der Oberrealschule in Prag. In dieser Zeit unternahm er mit Freunden seine erste Bergtour auf die Kampenwand im Süden des Chiemsees. Hier wurde der Grundstein gelegt für seine lebenslange Liebe zu den Bergen.

1856 - 1858     Chemie und Technik-Studium an der Universität in Leipzig. Das Zeichen- und Maltalent des jungen Stüdl wurde durch den bekannten bayrischen Landschaftsmaler Max Haushofer gefördert, der ihm Unterricht erteilte. Stüdl war ein Maleramateur von ungewöhnlichen Qualitäten. Er malte mit größter Genauigkeit, sodass seine Bilder oft den Eindruck einer Fotografie vermitteln.

1858     Tod des Vaters. Abbruch des Studiums und Übernahme des väterlichen Geschäftes.

1862     Stüdl wurde Mitglied des Österreichischen Alpenvereines mit Sitz in Wien

1864     Bergfahrt mit Freunden in die Zillertaler Alpen. Todessturz des Führers in eine Gletscherspalte. Für Stüdl ein prägendes Erlebnis! Nicht zufällig war die Organisation des Bergführerwesens später eines seiner wichtigsten Anliegen im Alpenverein.

1867/68     Mit dem jüngeren Bruder Franz kam Johann Stüdl nach Kals im Süden des Großglockners und begann dort ein segensreiches Wirken: Finanzierung der ersten Unterkunftshütte der Ostalpen auf der Fanatscharte(Stüdlhütte), und des Direktanstieges zum Glocknergipfel (Stüdlgrat) - beides 1868 fertiggestellt.

1869     Gründung des 1. Bergführervereines der Ostalpen in Kals. Stüdl verfasste selbst die Statuten, die später vielen anderen Vereinen als Vorlage dienten.

9. 5. 1869     Gründung des Deutschen Alpenvereines in München zusammen mit Franz Senn, Karl Hofmann und Theodor Trautwein. Der Verein ist - im Unterschied zum Österreichischen Alpenverein von 1862 - in Sektionen gegliedert.

20. / 21. 6. 1869      Erstüberschreitung der höchsten Watzmannspitze mit dem Direktabstieg in das Wimbachtal zusammen mit Karl Hofmann.

22. Juli - 5. August  und 9. - 27. September 1869     Erforschung der Glocknergruppe durch Johann Stüdl und Karl Hofmann mit mehreren Erstbesteigungen (u.a. Romariswandkopf, Schneewinkelkopf, Hohe Riffel, Glocknerwand) und Erstüberschreitungen. Wiedererrichtung der Johannishütte (später Hofmannshütte) aus Mitteln der Familie Hofmann nach den Plänen von J. Stüdl.

19. 5. 1870     Gründung der Sektion Prag des DAV, deren Vorsitzender Stüdl 50 Jahre lang war.

Die Sektion erbaute in den ersten 7 Jahren ihres Bestandes 11 Schutzhütten in den Alpen. Die Pläne dafür stammen allesamt von Johann Stüdl. (Stüdl war der anerkannte Fachmann für den Hüttenbau und daher viele Jahre lang Hütten- und Wegewart im Alpenverein).

2. 9. 1870     Karl Hofmann starb an einer Schussverletzung bei Sedan im Krieg zwischen Frankreich und Deutschland.

15. 9. 1871     Eheschließung Johann Stüdls mit Hermine Wenzel.

1872      Stüdl wurde Ehrenmitglied der Gemeinde Kals. Im selben Jahr erhielt die Kirche von Kals eine neue, große Glocke, in welche folgender Text eingegossen war: "Johann Stüdl - Benificator Maximus.1882"; dies in Würdigung seines umfassenden sozialen Engagements in der Gemeinde Kals.

19. 8. 1873     Zusammenschluss zwischen dem Österreichischen Alpenverein und dem Deutschen Alpenverein zum "Deutschen und Österreichischen Alpenverein". Johann Stüdl hatte daran maßgeblichen Anteil.

1873 - 1878     Geburten der Kinder Olga, Ismene und Maximilian

1891     Johann Stüdl erhielt den Titel k.u.k. Hoflieferant. Die Liste seiner Kunden liest sich wie das "who is who" der damaligen Zeit.

Stüdl war auch kaiserlicher Rat, Ritter des Franz-Josef-Ordens und des Roten Adler Ordens, sowie Träger des St. Michael Ordens und des päpstlichen Sylvester-Ordens.

17. 10. 1918     Tod der Gattin, Hermine Stüdl kurz vor dem Ende des 1. Weltkrieges. 

1919     Die politischen Umstrukturierungen (Gründung der Tschechoslowakischen Republik) veranlassten Johann Stüdl und seine Familie, wie viele andere Deutsche auch, die Heimat zu verlassen.

Jänner 1919     Max Stüdl, der Sohn, erwarb in Salzburg, Judengase 1 das Gasthaus "Zur Goldenen Birne", wo der 80-jährige Vater 2 Zimmer im 1. Stock bewohnte.

Schon bald trat er in die Sektion Salzburg des ÖAV ein und war auch im Ausschuss derselben sehr aktiv.

4. November 1921     Sohn Max starb an Leukämie. 

1919 - 1924     Stüdl unternahm weiterhin Bergtouren; u. A. auf die Stüdlhütte und zu den Hütten der Sektion Prag, um die - durch den Krieg verursachten - Schäden zu begutachten.

Auf dem Torrennerjoch malte Stüdl die neu errichtete Hütte (Carl von Stahl-Haus) als Weihnachtsgeschenk für den in Amerika lebenden Geldgeber Carl von Stahl.

Am Weg zur Heinrich Hackel Hütte im Tennengebirge erinnert eine Gedenktafel an die letzte Bergwanderung von Johann Stüdl.

19. 1. 1925     Er starb in Salzburg im Hause Judengasse 1. Eine Gedenktafel an der Außenfassade erinnert daran.

Johann Stüdl wurde in der Familiengruft auf dem Salzburger Kommunalfriedhof begraben.