März 2013 Die Glocke des "Glocknerherrn", Benefactor maximus Johann Stüdl.

März 2013 Die Glocke des "Glocknerherrn", Benefactor maximus Johann Stüdl.

Dies ist die Geschichte der Kalser Glocken, insbesondere jener, die den Namen "Johann Stüdl" trug, aufgezeichnet von Elfriede Klein (Urenkelin von Johann Stüdl) im März 2013.

Informationen dazu erhielten wir auf Anfrage freundlicherweise von Herrn Christof Grassmayr, Glockengießerei Grassmayr Innsbruck, sowie -umfangreich - durch den Ortschronisten von Kals, Herrn Josef Haidenberger. Weitere Details zur Kalser Glockengeschichte sind dem Buch "Kals am Großglockner - dem Himmel nahe" von Prof. Louis Oberwalder entnommen.

   Aus den Visitationsprotokollen des 17. Jahrhunderts der Pfarrkirche St. Rupert in Kals geht hervor, dass die Kirche damals nur 3 Glocken von geringem Wert besaß.

   Laut Rechnung des "Gloggen- und Häfengüeßer zue Prixen, Lucaß Grasmayr", wurde im Jahre 1669 eine "von diesem mit 715 Pfund übergossen", und diese Glocke hatte nun ein Gewicht von 803 Pfund. Für den Neuguss benötigte der Glockengießer 130 Pfund Kupfer (60 Pfund empfing er von Baron Stefan Wenzel) und 38 Pfund "guets Englisch Zyn". Das Kupfer belief sich für den Zenten auf 7 fl (Gulden) und 30 kr (Kronen); das Zinn (38 Pfund) kostete 22 fl und 54 kr.  

   Bei seinen Besuchen in Kals traf Johann Stüdl immer auch mit Pfarrer Andreas Lercher zusammen, den er sehr schätzte. Bei einer dieser Gelegenheiten kamen die beiden auch auf die Glocken der Pfarrkirche zu sprechen, und Stüdl meinte, ein "schöneres Geläut" wäre für den aufstrebenden Ort schon wünschenswert.

   Der Pfarrer, der Stüdl ja nur als reichen Mann kennengelernt hatte, der "locker" eine Hütte und den neuen Weg auf den Glockner finanzieren konnte, witterte sofort die Chance, auch hier wieder größere Summen für seine Pfarre zu lukrieren. Er wurde auch nicht enttäuscht, wenngleich Stüdls eigener Beitrag wahrscheinlich nicht allzu groß ausfiel. Aber er hatte unter seinen Kunden betuchte Freunde, denen er dieses Anliegen ans Herz legte. Sogar der spätere Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este und der Erzbischof von Prag, S. Excellenz Fürst Karl von Schwarzenberg spendeten nicht unbedeutende Beträge, sodass eine ansehnliche Summe zusammenkam.

   Pfarrer Lercher konnte den Erfolg seiner Bemühungen nicht mehr erleben; er starb 1871. Erst unter seinem Nachfolger, Georg Kofler, konnte vom Kalser Glockenkomitée bei der Glockengießerei Johann Graßmayr in Wilten das neue Geläute bestellt werden. Am 29. Feber 1872 wurden dort fünf Glocken gegossen: Die größte, "des" mit 28 "Zenten" (Zentner), trug die Inschrift "benefactor maximus Johann Stüdl", weiters eine "f"-Glocke mit 14 ½ Zenten, "as" mit 8 ½ Zenten, "des" mit 3 ½ Zenten und schließlich "f" mit 1 ¾ Zenten. Das Sterbeglöcklein wurde noch vom alten Geläute belassen, sodass die Pfarrkirche dann sechs Glocken zählte.

   Die Gesamtkosten dieser neuen Glocken samt Eisenbeschlägen (520 fl und 20 kr) und Weihe (20 fl und 40 kr) kamen auf 5338 fl. Vier Glocken vom alten Geläute mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 19 Zenten wurden an den Glockengießer um 879 fl und 40 kr abgeliefert. Transportiert wurden die neuen Glocken zunächst mit der Westbahn bis Linz, wo sie am 27. März 1872 Richtung Villach umgeladen wurden, und von dort weiter auf der - ein Jahr zuvor eröffneten - Drautalbahn Lienz erreichten, von wo aus sie mit Pferdefuhrwerken den Weg nach Kals antraten.

   Es gab ein großes Fest, als die Glocken in den Turm gehoben wurden. Johann Stüdl berichtet in einem Brief über die kindliche Freude der Kalser und über seine eigene Zufriedenheit mit dem schönen Geläut.

   Leider hatte man verabsäumt, vor dem Aufziehen der neuen Glocken den schadhaften Glockenstuhl zu reparieren, und so passierte 1888 das Unglück: Die große "Stüdl"-Glocke fiel in den Turm und zerstörte auch noch das Stiegenhaus. Noch im selben Jahr wurden die Instandsetzungen durchgeführt und eine neue, noch größere "des"- Glocke (32 Zentner) bei Chiappani in Trient bestellt. Die wesentlich günstigeren Transportkosten durch die inzwischen fertiggestellte Pustertalbahn gab bei der Bestellung wohl den Ausschlag gegenüber der Firma Graßmayr.  Aus Anlass des 40. Geburtstages von Kaiser Franz Joseph, wurde diese Glocke "Kaiser-Jubiläumsglocke" genannt und mit dem Bildnis Franz Josephs geschmückt.

  Wieder nicht sehr lange konnten sich die Kalser an diesem Geläute erfreuen, denn schon 1917 wurden die beiden großen Glocken dem 1. Weltkrieg geopfert, 1 Jahr später mussten auch alle übrigen bis auf das Sterbeglöcklein vom Turm! Der Krieg ging, wie wir wissen, trotzdem verloren.

   Allerdings konnte bereits 1922 wieder eine Glockenweihe für 5 neue Glocken gefeiert werden ...

 

 

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