Professor Eduard Richter, Freund und Weggefährte von Johann Stüdl.

Eine Kurzbiografie, verfasst von Elfriede Klein im Juni 2013

   Eduard Richter wurde am 3. Oktober 1847 in Mannersdorf/Niederösterreich geboren. Sein Vater, beamteter Verwalter des kaiserlichen Familienbesitzes in dieser Gemeinde, starb aber schon, ehe der kleine Eduard 2 Jahre alt war. Die Mutter siedelte mit dem Kind zu ihren Eltern nach Wiener Neustadt und sorgte für eine vorzügliche Erziehung ihres Sohnes.

   Richter absolvierte das Gymnasium des dortigen Zisterzienserklosters und begann 1866 das Philosophiestudium an der Universität in Wien, wo er durch eine überragende Begabung und außerordentlichen Fleiß bald die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich zog: Joseph Aschbach, Albert Jäger, Ottokar Lorenz, Theodor von Sickel, Franz Pfeiffer und Friedrich Simony, Männer, deren Wirken bis heute unvergessen ist, förderten seine Entwicklung.

   Sickel vor allem verdankte Richter seine besondere Schulung zum Historiker. Dieser hatte seine Aufnahme in das von Jäger gegründete "Institut für Österreichische Geschichtsforschung" ermöglicht, wo er von 1869 bis 1871 als ordentliches Mitglied wirkte. Seine Arbeit für die Abschlussprüfung an diesem Institut behandelte die österreichischen Besitzungen des Bistums Freising.

   Simony, der Erschließer des Dachsteingebiets, weckte sein Interesse für Geologie und Geographie, auf welchem Gebiet Richter später als Geomorphologe und Glaziologe bahnbrechende Forschungsarbeit leistete.

   Überraschend für viele seiner Lehrer und Freunde schlug Richter zunächst nicht die Akademische Laufbahn ein, verzichtete auch darauf, sich zu habilitieren, sondern absolvierte 1871 die Lehramtsprüfung und übernahm die Stelle eines Gymnasiallehrers für Geschichte und Geografie am Stadtgymnasium in Salzburg.

   Er wurde Mitglied, später Ehrenmitglied der "Gesellschaft für Salzburger Landeskunde" und veröffentlichte zahlreiche Werke über Geschichte und Geografie von Stadt und Land Salzburg.

   Ein bleibendes Denkmal in den Salzburger Alpen setzte sich Richter mit einer der höchstgelegenen Wetterstationen auf dem Sonnblick. Zwar stammte die Idee dazu nicht von ihm, doch trug er maßgeblich zum Bau dieser Station bei.  

   Richter war wie Stüdl und Simony Mitglied des Österreichischen Alpenvereines von 1862 und trat nach dessen Gründung auch dem Deutschen Alpenverein bei. Vermutlich war er 1871, als die 2. Generalversammlung des DAV in Salzburg abgehalten wurde, schon Sektionsmitglied und lernte wohl auch hier Johann Stüdl kennen, mit dem ihn bald eine lebenslange Freundschaft verband. Ab 1876 war er Vorsitzender der Sektion Salzburg und richtete mit dieser die 9. Generalversammlung von 1882 aus. Da Salzburg von 1883 bis 1885 Vorort des Vereines war, war Richter in dieser Zeit auch 1. Vorsitzender des Zentralausschusses des DuÖAV.

   Stüdl und Richter wohnten gemeinsam der Gedenkfeier für Karl Hofmann auf der Franz Josephs Höhe im September 1871 bei und unternahmen im Anschluss daran die "Wanderungen in der Venedigergruppe" mit der Erstbesteigung der Schlieferspitze unternommen. Richter veröffentlichte im Jahr darauf einen vielbeachteten Bericht über diese Touren in der Zeitschrift des DuÖAV. Nachzulesen hier: http://books.google.at/books?id=p7xTAAAAcAAJ&pg=PP8&dq=Zeitschrift+des+Deutschen+und+%C3%96sterreichischen+Alpenvereins+1872&hl=de (Seite 275 wählen.)

   Ein lustiger Zufall führte Richter und Stüdl auch auf ihrer Hochzeitsreise 1872 im selben Zug zusammen, wo auch die Gattinnen schnell Freundschaft schlossen.

   Juli von Frey, die Tochter des Kaufmannes Carl von Frey, war Richters Auserwählte. Das junge Paar bewohnte den Turm im Frey-Schlösschen auf dem Mönchsberg (später in "Richterhöhe" umbenannt. Ein Denkmal neben dem Turm erinnert ebenfalls an das Wirken von Eduard Richter in Salzburg.) Bald stellte sich auch Nachwuchs ein: Ein Töchterchen. Doch das Glück war nicht von Dauer, denn die junge Mutter starb kurz nach der Geburt. 4 Jahre später heiratete Richter Luise Seefeldner, die Freundin seiner ersten Frau, mit der er noch 3 Töchter hatte.

   1885 wurde Richter ein Lehrstuhl für Geographie an der Universität Graz angeboten. Um diese Stelle antreten zu können, legte er die Doktoratsprüfungen ab. Mit einem großen Festakt wurde er in Salzburg verabschiedet und übersiedelte als ordentlicher Professor nach Graz, wo er 1998/99 Rektor der Universität war.

   1900 wurde er Präsident der "Internationalen Gletscherkommission" und 1902 wirkliches Mitglied der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften".

   Der Schwerpunkt seiner Wissenschaftlichen Tätigkeit lag in der Gesteins- Gletscher- und Seenkunde der österreichischen Alpen, doch führten ihn Forschungsreisen auch nach Nordafrika und Skandinavien.

   Am 6. Feber 1905 erlag Richter in Graz einem schweren Herzleiden. Zahlreich waren die Nachrufe, die sein Lebenswerk würdigten, vor allem aber auch seine liebenswürdige Art und sein einnehmendes Wesen.

   Anton Schönbach, Kollege an der Universität Graz und in der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften" sei hier zitiert: "Das Beste an ihm war der Mittelpunkt, in dem seine Fähigkeiten sich zusammenschlossen: Die volle, edle, sicher auf sich gestellte, lebensheitere Persönlichkeit. Er war ein sonniger Mensch, von dem Licht und Leben kam."

   Auch seine letzten Worte zeugen von dieser positiven Lebenseinstellung: " Ich habe doch ein schönes Leben gehabt!"

 

Der Nachlass an wissenschaftlichen Schriften ist sehr umfangreich. Eine diesbezügliche Aufstellung und mehr über das Leben von Prof. Eduard Richter finden Sie hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Richter

Weitere Quellen für diesen Beitrag waren die Zeitschrift des DuÖAV von 1894 und die Festschrift zum 60-jährigen Bestehen des Deutschen Alpenvereins Prag (ehemalige "Sektion Prag des DuÖAV).