Stüdls Briefe an den Zentralausschuss des DuÖAV.

1920/21 Briefe von Johann Stüdl an den Zentralausschuss des DuÖAV betreffend Stüdlhütten-Sanierung

In Salzburg, gleich nach Stüdls Übersiedlung, galt des über 80-jährigen der  Sorge seiner Hütte auf der Vanitscharte, die während des 1. Weltkrieges nicht bewirtschaftet war. Er fand sie in einem jämmerlichen Zustand und sah sich außerstande, neben den Kosten für die Instandsetzung der Hütte auch die Auslagen für die Sanierung der Zugangswege zu bestreiten. Sicher kostete es ihn, der stets aus dem Vollen schöpfte und "seine" Hütte immer aus eigenen Mitteln instand gehalten, erweitert und eingerichtet hatte, große Überwindung, den Zentralausschuß am 23. Juli 1920 um Unterstützung zu ersuchen.

1920 glaubte er noch, die Kosten für die Wiederherstellung der Hütte selbst aufbringen zu können, doch Wirschaftskriese und Inflation hatten seine Barmittel wegschmelzen lassen, sodaß er am 25. Jänner 1921 neuerlich zum Bittsteller werden mußte.

Geradezu rührend mutet der Brief vom 6. März 1921 an, in welchem Stüdl sich herzlichst für die finanzielle Unterstützung bedankte.

Hier die Abschrift aller 3 Briefe:

 

"Löblicher Weg- und Hüttenbau-Ausschuß !

        Die Hütte auf der Vanitscharte, Stüdlhütte genannt, habe ich im Jahr 1868 erbaut und auf meine Kosten erhalten und vergrößert. Ist ihre Wichtigkeit durch die Errichtung der Hütte des Österreichischen Alpenclubs auf der Adlersruhe etwas gemindert, so hat dieselbe insoferne ihre Wichtigkeit für die Ersteigungen des Großglockners von Kals aus. Dieselbe wurde seit Kriegsbeginn nicht bewirtschaftet und hat infolge dessen und der Rücksichtslosigkeit der zeitweiligen Besucher resp. Einbrecher stark gelitten.

       Sind die Opfer, welche die Instandhaltung der Hütte erfordert sehr große, so will ich diese, wie bisher, tragen. So sind eine Masse Fensterscheiben eingeschlagen, 7 Fensterläden fehlen gänzlich, der Kochherd, das Ofenrohr muß erneuert und hauptsächlich der ganze Fußboden des ebenerdigen Teiles der Hütte muß gänzlich erneuert werden, was bei dem teuren Holzmaterial, den hohen Arbeitslöhnen und den riesig hohen Transportkosten eine große Auslage für mich bildet. Ich schätze diese Auslagen auf 14 000 bis 15 000 Kronen. Solange es meine Mittel, die allerdings durch das Aufgeben meines Geschäftes in Prag und durch die teuren Existenzverhältnisse sehr geschmälert sind, es mir ermöglichen, will ich nicht, daß dem De.u.öst. Alpenverein durch meine Hütte irgendwelche Auslagen erwachsen.

       Aber, eines möchte ich bitten, mir die Mittel zur Erhaltung des Zugangsweges durch das Ködnitztal zur Hütte, die Fortsetzung desselben von der Hütte zum Frusnitzkees zu geben, welche ich auf 1 900 - 2 000 Kronen schätze. Es fehlen zwei Brücken über den Ködnitz­bach und sonst auch ist der Weg, an welchem seit Jahren nichts gerichtet wurde, arg verfallen. Besonders schlimm steht es mit dem Wege unterhalb der Lucknerhütte und oberhalb derselben. Der Besitzer der Luckneralm verhält sich ablehnend zu einer Mithilfe an der Wegherstellung. Auf mein Ersuchen in ähnlichem Sinn an den Österreichischen Alpenclub erhielt ich keine Antwort. Da der Weg heuer gerichtet werden soll, wäre eine Flüssigmachung für heuer mir sehr erwünscht.

       Indem ich zuversichtlich hoffe, in Anbetrachtall dieser Verhältnisse und Tatsachen keine Fehlbitte getan zu haben, zeichne ich hochachtungsvoll ergeben

                                                                             Joh. Stüdl

                                               Ehrenmitglied des Deutschen Alpenvereines Prag

Salzburg, 23. Juli 1920."

 

                                        __________________

"An den Weg- und Hüttenbauausschuss des Deutschen
und österreich. Alpenvereins.                                           

        Der Umsturz in meiner Heimat und die feindselige Stimmung der Tschechen gegen alle Deutschen, insbesondere gegen jene in Prag, zwangen mich, mein Geschäft u. Haus in Prag zu verkaufen u. mit meinem Sohne aus dem tschechoslovakischen Staate auszuwandern u. mir eine neue Heimat zu suchen, die ich in dem schönen Lande u. der reizenden Stadt Salzburg auch fand.

       Wegen meinem hohen Alter ist es mir leider nicht möglich, mich in Salzburg geschäftlich zu betätigen. Dadurch ist mein Einkommen sehr beschränkt und reicht bei der jetzigen enormen Teuerung zu meiner Exi­stenz sehr knapp aus.

       Meine früheren Verhältnissen gestatteten es mir leicht, die Kosten der Erbauung, Vergrösserung u. Erhaltung meiner Hütte durch mehr als 51 Jahre aus eigenen Mitteln zu bestreiten, trotzdem die Hütte mir durch die ganze Zeit des Bestandes keinen Ertrag abgeworfen hatte. Da die Hütte seit Kriegsbeginn durch 5 Jahre geschlossen und unbe­wirtschaftet bleiben musste und wegen Mangel an Arbeitskräften keine Reperaturen vorgenommen werden konnten, blieben die Schäden, welche die Witterung an und in der Hüte verursachten, unbehoben. Dadurch haben sich die jetzigen Kosten der erforderlichen Reperaturen sehr bedeutend gesteigert, die alle zu bestreiten über meine Kräfte geht.

       Von den dringend erforderlichen Reparaturen sei nur erwähnt: gänzliche Erneuerung des Fussbodens im älteren Teil der Hütte im ebenerdigen Raume, wo sich derselbe durch die stete Feuchte gehoben hat u. verfault ist. Eine Menge Fensterscheiben sind gebrochen, ebenso fehlten 7 Fenster­läden gänzlich, die wahrscheinlich zum Einheizen verwendet wurden. 5 Fenster sind morsch, und müssen nebst den Fensterläden erneuert werden. Das Hüttendach ist an mehreren Stellen durchlässig. Der Koch­herd wurde schadhaft, ebenso das Ofenrohr u. der Kannenaufsatz. Ein Tramen wurde morsch u. muss erneuert werden. Dabei sind die Nachschaffungen der Koch- Trink- Ess- u. Schlafutensilien gar nicht in Betracht gezogen.

       Anbei erlaube ich mir eine Aufstellung der Kosten zu unterbreiten, die sich beiläufig auf österr. Kronen 18147.20 beziffern, jedoch sehr knapp bemessen sind.

       Da ich die Hütte, die meinen Namen trägt nicht verfallen lassen kann, sie die älteste Hütte unserer Alpen ist, für mich und meine Familien­angehörigen es ein unsagbarar schmerzlicher Gedanke wäre, mich von meiner Hütte trennen zu müssen, die 51 Jahre im Dienste der Touristenwelt gestanden ist, ohne dem Alpenverein auch nur einen Heller gekostet zu haben, so würde ich dem Hauptausschuss ausserordenlich dankbar sein, wenn er mir zur Bestreitung eines Teiles dieser Auslagen eine Beihilfe von österr.Kronen 15.000.- gewähren würde nach dem in den jetzigen schweren Zeiten u. Verhältnissen es mir sehr bitter wäre alle diese großen Auslagen aus meinen knappen Mitteln selbst zu bestreiten.

       Obwohl der Besuch meiner Hütte seit der Erbauung der Johannishütte auf der Adlersruhe durch den österr. Alpenclub gelitten hat, hoffe ich, dass es mir in Zukunft dennoch möglich sein wird, in Folge der Erhöhung der Übernachtungsgebühren aus den Hütteneinnahmen so viel zu erzielen, um in Zukunft die Unterhaltskosten damit zu decken.

 

Salzburg, den 25. Jänner1921                                                                              goldene Birne.                                                                   Hochachtungsvoll

                                                                                          Joh.Stüdl"

 

                                      __________________

                                                                            "Salzburg, den. 6.März 1921

Sehr verehrter Verwaltungsausschuß                                                             des deutschen u. österreich. Alpenvereins
in München                                                                                

       Im Besitze ihrer geschätzten Zuschrift vom 4. März a.d. drängt es mich mit aller Macht, Ihnen den tiesft gefühlten, herzinnigsten Dank zu sagen für die nicht nur sehr wohlwollende, sondern auch überaus ehrende Erledigung meines Gesuches um Beihilfe für meine Hütte am Grossglockner.

       Durch diese überaus gütige u. hochherzige Art u. Weise haben Sie mir mei­nen Schritt weniger schwer, für mich weniger beschämend gestaltet. Tausend Dank!

       Es wird auch ferner mein eifrigstes Bestreben sein, meine Hütte in bestmöglichsten Zustand zu versetzen u. in tadelloser Weise bewirtschaften zu lassen, so daß dieselbe den Touristen, die daselbst einkehren, einen angenehmen Aufenthalt bieten wird.

       Indem ich für die übermittelten freundlichen Grüsse den innig­sten Dank sage u. dieselben auf das Herzlichste erwiedere, zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung

als Ihr treu ergebener u. dankschuldiger

                                                                               Joh.Stüdl."

 

 

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