1869: Der Deutsche AV

Karl Hofmann hatte inzwischen in München eifrig die Werbetrommel für den neuen Verein gerührt. Und er gewann seinen Onkel, den Oberlandesgerichtspräsidenten Ernst Kleinschrod (dieser war mit der Zwillingsschwester von Hofmanns Mutter verheiratet und ein begeisterter Bergwanderer), den Vorsitz bei der Vereinsgründung zu übernehmen.  

Die Gründer des Deutschen Alpenvereins: Karl Hofmann - Johann Stüdl - Franz Senn - Theodor Trautwein.

Als nun Senn und Stüdl, erfolglos aus Wien kommend, in München eintrafen, wurde bereits am 9. Mai 1869 im Gasthof "Zur Blauen Traube" die konstituierende Sitzung des "Allgemeinen deutschen Alpenvereines" abgehalten.

Gleichzeitig kam es auch zur Bildung der ersten Sektion "München". München wurde auch 1. "Vorort" des Vereines; d.h. der Ausschuß der Sektion München war gleichzeitig Zentralausschuß des Gesamtvereines. Alle 3 Jahre sollte eine andere Sektion "Vorort" werden.

Erster Vorsitzender der Sektion München und damit desgesamten                                                                      DAV war Gustav von Bezold (Foto).

Ein Aufruf erging an bekannte Alpinisten, mit der Bitte, für das Unternehmen zu werben; einen weiteren übersandte man zur Veröffentlichung an verschiedenen Zeitungen, zu denen Hofmann gute Kontakte pflegte. Außerdem wurden in dieser Versammlung provisorische Statuten erlassen und den Wiener Freunden zur Begutachtung übersandt. Von den 36 Herren, die an der Sitzung in der "Blauen Traube" teilnahmen stammten bis auf Stüdl alle aus Bayern. Ein Drittel der Anwesenden gehörte aber - wie er - bereits dem Österreichischen Alpenverein an.

Eine Wiener Gruppe rund um Grohmann, die mit der Leitung ihres, des österreichischen Vereines ebenfalls unzufrieden waren, hatten angeboten, sich einem neu zu gründenden Deutsachen Alpenverein anzuschließen. Diese fühlten sich durch das rasche Vorgehen in München allerdings überrumpelt und stellten ihre Mitgliedschaft nun in Frage. Es folgten wochenlange zähe Verhandlungen über die vorliegenden Statuten. Diese sollten in einigen Punkten verändert werden (Möglichkeit der Einzelmitgliedschaft neben den Sektionen, Minimalmitgliederzahl für Sektionen, Beschränkung des Vertretungsrechtes bei Wahlen und Anderes). Schließlich konnte man sich aber doch einigen, und im Juni erfolgte die provisorische Gründung der Sektion Wien des DAV, die am 19. August die behördliche Zustimmung erhielt.

Der Deutsche Alpenverein entwickelte sich am Anfang langsam, weshalb der Ausschuss in München einen weiteren Aufruf an alle Alpenfreunde verfasste, der neben den 9 Herren des provisorischen Ausschusses auch von 45 Mitgliedern aus verschiedenen Orten Deutschlands und Österreichs unterzeichnet war. Damit wollte man untermauern, dass der neue Verein Alpenfreunde "an Donau und Rhein, von der Nord- und Ostsee bis zur Adria" verbinden sollte.

Bald begannen die Zahlen von Mitgliedern und Sektionen zu steigen und zwar nicht nur in Deutschland, sondern gerade auch in Österreich. Am Ende des Gründungsjahres 1869 gab es bereits 12 deutsche und 10 österreichische Sektionen mit insgesamt 1070 Mitgliedern und im 3. Jahr, 1871 hatte man mit 1515 Mitgliedern gegenüber 1425 im ÖAV von 1862, diesen bereits überflügelt.

Zum Unterschied von anderen alpinen Vereinen, insbesondere des Alpine Club in London, dessen Mitglieder eine gewisse Anzahl von Hochgebirgstouren oder wissenschaftliche Arbeiten nachweisen mussten, stand der DAV allen "Verehrern der erhabenen Alpenwelt" offen.

 

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In München wurde am 9. Mai 1865 der Deutsche Alpenverein gegründet.
Der Oberlandesgerichtsrat Ernst Kleinschrod war der Rechtsberater bei der Bildung des Deutschen Alpenvereines. Er übernahm auch den Vorsitz bei der Vereinsgründung.
1. Vorsitzender des neuen Vereines wurde Ministerialrat Gustav von Bezold, als Obmann der Sektion München, die erster "Vorort" des Vereines war.