Der 1. Weltkrieg und die Folgen

Jahrhunderte lang war das Nationalitätenproblem in den Ländern der "Böhmischen Krone" der Habsburger-Monarchie zwar latent vorhanden, das friedliche Miteinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen war dadurch aber kaum beeinträchtigt.

Erst nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress (1815) machten sich in Prag und den sudetendeutschen Gebieten, wie auch in den übrigen Ländern der k. u. k. Monarchie nationalistische Spannungen bemerkbar, die sich im 1. Weltkrieg dramatisch entluden.

Frau Anja Haidenberger hat in ihrer Fachbereichsarbeit "Das Schicksal der Sudetendeutschen" aus den Jahren 2003/2004 die geschichtlichen Hintergründe und Entwicklungen bis zum 2. Weltkrieg und darüber hinaus übersichtlich und leicht verständlich dargestellt und die Probleme der Bevölkerung in diesen Ländern aufgezeigt.

Wir danken Frau Haidenberger für die Möglichkeit, diese Arbeit den Usern unserer Homepage zugänglich zu machen. Mit ihrer Zustimmung wurde diese auf der Seite "Lesestoff" eingefügt: > "Lesestoff /Das Schicksal der Sudetendeutschen".

Das Kapitel "Die Deutschen in der k.u.k.Monarchie" finden Sie auf Seite 9.

Die zunehmend schwieriger werdende politische Situation der Deutschen in Böhmen und Mähren und vor allem der Ausbruch des 1. Weltkrieges, welcher den Zerfall der Österreichischen Monarchie zur Folge hatte, wirkten sich naturgemäß auch auf die Sektion Prag verheerend aus.

Bis 1915 waren die Hütten wenigstens nicht in der Gefahrenzone. Das änderte sich aber, als Italien in den Krieg eintrat. Die Payerhütte wurde zum Militärlager. Aber auch alle anderen Hütten blieben geschlossen und verfielen zusehends. (Siehe > "Die Stüdlhütte / Der 1. Weltkrieg") Ebenso verfielen die Wege und Steige. "Und Prag war so weit entfernt! Die Ein- und Ausreise war - auch nach dem Krieg sehr erschwert. Nichts konnte man unternehmen außer warten!"

Die Gründung der Tschechoslowakischen Republik hatte zur Folge, dass es in Prag keine Sektion des DuÖAV mehr geben durfte. Sie wurde zunächst in "Alpenverein Sektion Prag" umbenannt; später, als deutsche Vereine wieder zugelassen waren, hieß sie "Deutscher Alpenverein Prag", dem auch alle übrigen sudetendeutschen Sektionen angegliedert waren. Seine Satzungen erhielten 1920 die Zustimmung der tschechischen Behörden. (In Österreich und Deutschland bestand der DuÖAV bis zum Ende des 2. Weltkrieges weiter.)

Vergleiche die Namen: Sektion Prag des DUÖAV vor und Deutscher Alpenverein Prag nach dem 1. Weltkrieg.

Viele Deutsche wandten aber nun Prag den Rücken zu, weil Tschechien vor allem für die begüterten Geschäftsleute keine Perspektiven mehr bot. Auch Johann Stüdl und seine Familie verließen die "Goldene Stadt" und übersiedelten nach Salzburg. (Siehe > "Das Geschäft / Abschied von Prag")

Natürlich regelte Stüdl vorher noch die Nachfolge in seiner Sektion und fand in Prof. Dr. August Geßner auch den geeigneten Mann, der die Mitglieder wieder sammelte und anspornte zu neuer Tätigkeit. Das war nicht einfach, nachdem die Mitgliederzahl auf ein Drittel geschrumpft war und zusätzlich - wie erwähnt - viele der begüterten Familien ausgewandert waren. Große Spenden konnte man von den verbliebenen Mitgliedern nicht mehr erwarten. Zudem fehlten die Einnahmen, die die Hütten jährlich abgeworfen hatten, vor allem jene der Payerhütte.

Denn, diese lag nun, nach den neuen Grenzziehungen auf italienischem Gebiet und wurde, ebenso wie die Höllerhütte im Matschertal fürderhin von der Sektion Mailand des CAI (Club Alpino Italiano) verwaltet.

Aber der Idealismus in der Sektion war ungebrochen, und nach und nach wurden die Hütten in der Venediger Gruppe (Alte und Neue Pragerhütte, Johannishütte) wieder instand gesetzt, die Wege saniert und neu markiert. Stüdl verfolgte aus der Ferne mit großem Interesse und großer Freude, wie es in Prag wieder aufwärts ging. Er hatte es ja selbst bei seiner Hütte erlebt, was alles im Argen lag, und wie schwierig es war, sie wieder instand zu setzen. Bald sollte auch seine Hütte Eigentum der Sektion Prag werden, und dieser neben der Freude darüber auch große finanzielle Probleme schaffen.  
(Siehe  > "Die Stüdlhütte und die Sektion Prag")

 

Weiter: > "Der 2. Weltkrieg"

Auch die Stempel der Stüdlhütte (hier von 1928) spiegeln die Geschichte der Sektion Prag. 1920 war diese in "Alpenverein Prag" umbenannt worden. Das "S" im Stempel sollte wohl an bessere Zeiten erinnern.
Um 1940 nannte sich die Sektion "Deutscher Alpenverein Zweig Prag".
Neuer Obmann der Sektion Prag nach Johann Stüdl wurde Dr. Ing. August Gessner.
Nach dem 1. Weltkrieg lagen die Payerhütte und andere Hütten von deutschen oder österreichischen Sektionen plötzlich auf italienischem Staatsgebiet.