Der 2. Weltkrieg

Was Johann Stüdl nicht mehr erleben musste, war der 2. Weltkrieg, der den Alpenverein mit seinen Sektionen - insbesondere jenen auf tschechischem Staatsgebiet - in seinen Strudel mit hinein riss, der all den Aufschwung wieder stoppte, und den mühsam gelungenen Neustart zunichtemachte.

Mit dem Ende des Krieges aber kam für die deutsche Volksgruppe in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien die Katastrophe der Vertreibung und damit ein zwischenzeitliches Ende der Sektion Prag.

Lesen Sie dazu in der Fachbereichsarbeit >"Das Schicksal der Sudetendeutschen" von Anja Haidenberger "Die Vertreibung der Deutschen" ab Seite 31.

Neubeginn

Nach 1945 war dem Alpenverein und seinen Sektionen in der Bundesrepublik Deutschland jegliche Tätigkeit untersagt. Erst nach und nach entstanden - zunächst unter anderen Namen - wieder alpine Vereine und schließlich erfolgte 1950 die Neugründung des "Deutschen Alpenvereins e. V." ("e.V." steht für "eingetragener Verein").

Am 11. Juni 1950 nahm auch die Sektion Prag als "Alpenverein Prag e.V." mit Sitz in München ihre Vereinstätigkeit wieder auf, und konstituierte sich noch im selben Jahr als Sektion Prag des neugegründeten Deutschen Alpenvereins e.V.

Sie konnte nunmehr auch ihre Hütten wieder übernehmen, die bis 1952 vom Österreichischen Alpenverein (der nun wieder eigenständig agierte) betreut worden waren.

Obwohl die Sektion Prag sich von einigen Hütten getrennt hatte, bzw. 2 von ihnen nach dem 1. Weltkrieg dem CAI (Club Alpino Italiano) unterstanden, waren noch immer 4 Hütten in ihrem Besitz: Die Alte und Neue Prager Hütte, die Johannishütte und schließlich seit 1925 auch die Stüdlhütte.

Es zeigte sich allerdings bald, dass der große Hüttenbesitz mit dem umfangreichen Wegenetz für die klein gewordene Sektion eine schwere Hypothek darstellte.

Die Hütten zu betreuen, in Stand zu halten und fallweise zu erweitern erforderte beträchtlichen Aufwand, den die Mitglieder, von denen viele durch Vertreibung Hab und Gut verloren hatten, nur schwer aufbringen konnten.

Zudem gab es nur geringe Einnahmen durch Nächtigungsgebühren und Verpflegung der Bergsteiger. Vor allem fehlten jene der Payerhütte, die stets positiv bilanziert und nicht unbeträchtliche Gewinne abgeworfen hatte. 

Bei der Stüdlhütte stand gar ein Neubau zur Diskussion, weil die Grundmauern sich gesenkt hatten, und kaum mehr Dach und Decken tragen konnten. Aber, weder für eine Generalsanierung, noch für einen Neubau konnte die Sektion die nötigen Mittel bereitstellen, weshalb sich der Vorstand nach einem finanzkräftigen Partner umsah.

Die große Sektion Oberland erklärte sich bereit, als "Muttersektion" für die "Gruppe der Prager" (Mitglieder der ehemaligen Sektion Prag) zu fungieren, die 4 Hütten zu übernehmen und die notwendigen Investitionen in die Wege zu leiten. (Siehe auch > "Die Stüdlhütte / Sektion Prag und Oberland")

 

Weiter: > "Stüdls Funktionen im AV"

Immer wieder neue Namen für die Sektion Prag ...
Erst 1950 nachdem im Nachkriegs-Deutschland die Neubildung des Alpenvereines wieder gestattet war, konnte sich in München der Alpenverein Prag e.V. etablieren.
Noch im selben Jahr, im Oktober 1950 war die Sektion Prag wieder Teil des Deutschen Alpenvereins e. V. (vorerst Alpenvereins e. V.)
Der neue Name der Sektion scheint auch im Hüttenstempel der Stüdlhütte auf...
... ebenso, wie die Fusion mit der Sektion Oberland.