Die Sektion Prag

Schwierige Gründung

Fast unglaublich gestaltete sich auch die Entwicklung der von Johann Stüdl gegründeten Sektion Prag, obwohl sie nur unter großen Schwierigkeiten überhaupt zustande kam. Stüdl bekannte später einmal, dass es nur dem unermüdlichen Drängen des Freundes Karl Hofmann zu verdanken war, dass diese Sektion überhaupt gebildet wurde.

Wegen der Alpenvereinsgründung und der Bergfahrten im Jahre 1869 war Stüdl wohl etwas zu lange von seinem Geschäft weg gewesen und hatte nach seiner Rückkehr eine enorme Menge liegengebliebener Arbeit zu erledigen. Auch gesundheitliche Probleme, die ihn teilweise sogar ans Bett fesselten raubten ihm kostbare Zeit.

Zudem war mit dem Verlag Amthor ein Vertrag geschlossen worden, der diesem für seine Publikationen die literarische Veröffentlichung der Touren im Glocknergebiet zusicherte. Dabei waren die Termine für die Lieferung der Texte und Zeichnungen knapp bemessen - zu knapp, wie sich herausstellen sollte. Stüdl schaffte es trotz intensiver Arbeit nicht, die geforderten Unterlagen rechtzeitig bereit zu stellen. Er war ja literarisch nicht so bewandert, wie sein Freund, und die Zeichnungen erforderten natürlich auch einen hohen Zeitaufwand. Wann hätte er da eine Sektion gründen sollen?

Schließlich war es in Prag überhaupt nicht so leicht, eine größere Anzahl von Bergbegeisterten aufzutreiben, um eine alpine Vereinigung zu gründen. Hofmann aber drängte und trieb! Ein reger Briefwechsel zeigt, wie er immer wieder auf dieses Thema zurückkam, und Stüdl, der ja den besten Willen dazu hatte, ihn immer wieder vertrösten musste. Nachzulesen auf der Seite                              > "Lesestoff / Briefwechsel Hofmann - Stüdl"

Dennoch - gut Ding braucht Weile - am 20. Mai 1870 schrieb Stüdl an Hofmann:

"Carlchen, heute teile ich dir in aller Eile mit, dass sich endlich die Section Prag constituiert hat und zwar am 19. Mai. Mitgliederzahl 35. Obmann: meine Wenigkeit (wie ich dazu komme, weiß ich nicht) und es stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich solchen gewiegten, gewichtigen Männern, wie Dotzauer, Seutter etc., die selbst Präsidenten und Ehrenmitglieder der größten deutschen Vereine in Prag und Böhmen sind, präsidieren soll."

Eine Erfolgsgeschichte

 

Er brauchte sich keine Sorgen zu machen, denn mehr als dem Gesamtverein war seiner Sektion Erfolg beschieden. Nur 35 Mitglieder? - am Jahresende waren es schon 52, nach 5 Jahren 250 und 10 Jahre später mehr als 400. 1885 war diese Sektion nach Austria und München die 3.- größte des gesamten DuÖAV!

Nicht nur die Sektion Prag entwickelte sich zufriedenstellend. 1872 kam es zur Bildung einer Filiale in Schloss Dietach bei Wels durch Fräulein Hermine Gross. Sie war von ihrem Onkel Rondonell in die Bergsteigerkreise eingeführt worden, und eine der ersten eigentlichen Touristinnen, was ihr den Namen "Geogräfin" eintrug. Mit dem Gründungsmitglied der Prager Sektion, Victor Hecht verband sie eine herzliche Freundschaft, die viele Jahre anhielt. Er hatte die Anregung zur Bildung der Filiale gegeben.

Interessant ist, dass Hermine Gross, auch Mitglied des damals noch eigenständigen ÖAV war, und von dessen Vorsitzenden, Dr. v. Ruthner als "Bevollmächtigte" (siehe > "Der Österreichische Alpenverein / Unterschiede") in Wels eingesetzt worden war. Die Gründung der Filiale der S. Prag des DAV erfolgte mit seiner Billigung.

1879 heiratete Hermine den kk. Statthaltereirat Friedrich Kmoch und übersiedelte mit diesem nach Prag, von wo aus sie auch mit Johann Stüdl manche Alpentour unternahm. Hermine Stüdl berichtet ihrer Schwester, dass sie "mit den 3 Kindern und Herma Kmoch das ganze lange Kaisertal durchwandert, und den großen Kaiser erstiegen" habe.

Die Filiale Dietach wurde aufgelöst, nachdem ihre Gründerin nicht mehr dort wohnte. Der Kreis von Bergsteigern hat aber wohl weiter bestanden, denn 1882 kam es zur Gründung einer Sektion des DuÖAV in Wels. Bei dem Gründungsmitglied Eduard Rondell handelt es sich möglicherweise um Hermines Onkel, oder ein anderes Familienmitglied.

Nach dem Tode ihres Gatten übersiedelte Herme Kmoch nach Graz, und war dort mit der Familie von Stüdls Tochter Ismene Reinitzer sehr eng befreundet.

Franz Höller unterschrieb unten links.

Auch in Karlsbad kam es 1880 zur Bildung einer Filiale. Das rührige Mitglied Franz Höller hatte dort 30 Alpenfreunde um sich geschart, die sich bald  zum Bau einer eigenen Hütte entschlossen. In erstaunlich kurzer Zeit entstand die Karlsbadener Hütte (zwischenzeitlich "Höllerhütte" genannt). Sie wurde 1883 eingeweiht. 

Stüdl wollte aber seine Sektion Prag nicht durch Filialen aufblähen, sondern drängte darauf, dass sich im Sudetenland eigene Sektionen bildeten. Zunächst wurde die Filiale Karlsbad in eine Sektion umgewandelt, später kamen im Asch, Aussig, Eger, Gablonz, Haida, Reichenberg, Saaz, Schönau, Silesia (Troppau), Teplitz, und Warnsdorf Sektionen des DuÖAV hinzu.

 

Weiter: > "Die Hütten der Sektion"