Abschied

Dann hieß es Abschied nehmen für Karl und Hans. Er wurde ihnen schwer genug, obwohl sie schon Touren für das kommende Jahr planten und nicht wussten, dass es ein Abschied für immer war!  

Als 1870 der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ausbrach (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Franz%C3%B6sischer_Krieg, hatte sich Hofmann selbst an die Front gemeldet. Wie in den Bergen stürmte er vor! "Wir stürmen vor, wir siegen, Hurrah, Hurrah, Hurrah!" schrieb er im letzten Brief an seine Eltern. Und "Vorwärts Kinder, es gilt für's Vaterland" rief er, als ihn die todbringende Kugel bei Bazeilles traf, im Ringen um Sédan.

Der Tod des Freundes traf Stüdl schwer! Sie steckten ja mitten in der Arbeit um den neu gegründeten DAV, dessen Motor und Feuergeist Karl Hofmann war. Sie hatten schon die Führer bestellt für die geplanten Touren im Glockner- und Venedigergebiet ...

"Karl Hofmann's gesammelte Schriften"

Karl Hofmann hat einen gewaltigen Nachlass an schriftlichen Unterlasgen, größtenteils Tourenbeschreibungen, aber auch nette Anektoten und kleine literarische Arbeiten, sogar Gedichte - hinterlassen. Teilweise waren diese schon in alpinen Zeitschriften oder Jahrbüchern des Alpenvereines veröffentlicht worden.

Johann Stüdl unternahm es nun, eine Auswahl zu treffen, um "Karl Hofmann's gesammelte Schriften" in Buchform zu veröffentlichen. Obwohl das Werk fast 200 Seiten umfasst, war, wie Stüdl in seinem Vorwort schreibt: "... sein Nachlass von alpinen und sonstigen Literalien so bedeutend, daß, was nicht in dieser Sammlung aufgenommen werden konnte, die weitaus größere Hälfte bildet."

Eines der ersten Exemplare überreichte Stüdl persönlich Hofmanns Mutter, Mathilde Hofmann mit folgender Widmung: "Der hochgeehrten Mutter meines unvergeßlichen Freundes - Johann Stüdl, München, den 7. August 1871." 

Stüdl hat "Hofmanns gesammelten Schriften" eine Lebensbeschreibung seines Freundes Karl Hofmann vorausgestellt, die auf der Seite > "Lesestoff / Stüdl über Hofmann" nachzulesen ist. Gleich im Anschluss daran findet sich die detaillierte Auflistung aller Reisen und Bergtouren von Hofmann. > "Lesestoff / Hofmanns Reisen"

Auch der Aufsatz "Wanderungen in der Glocknergruppe", als "Glocknermonographie" für den Verlag Amthor konzipiert, erschien erst nach Hofmanns Tod in der Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins, Band II, 1870/71. Die Geschichte der "Glocknermonographie finden Sie hier: > "Der Bergpionier / Oedenwinkelscharte und Bockkarscharte"  

 

 

Stüdls große Zeit als Bergpionier endete mit dem Tod seines Gefährten. Vor allem in dessen Todesjahr scheint er überhaupt keine Touren unternommen zu haben. 

Später gelangen ihm doch noch einige bemerkenswerte Aufstiege, die im Folgenden beschrieben sind:

 

 

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 128 Sonnenwelleck.

So berichtet diese Eintragung von 1871 im Buch "Entwicklung der Hochtouristik"  über die erste Ersteigung des Sonnenwelleck (3 266 m) in der Glocknergruppe. Sicher war diese Tour mit Karl Hofmann geplant worden. Nun war Moritz Umlauft Stüdls Begleiter. Umlauft war Gründungs-Mitglied der Sektion Prag des DAV, mit großer bergsteigerischer Vergangenheit.

Auch Viktor Hecht leistete einen entscheidenden Beitrag bei der Gründung der Sektion Prag und er war lange Jahre deren Schriftführer. Er konnte ebenfalls eine Reihe von Erstbegehungen auf seinem Konto verbuchen, u.A. auch jene Tour mit Karl Hofmann auf den Hochschober über den bis dahin unbekannten Aufstieg.

Nun waren Umlauft und Hecht Stüdls Tourengefährten bei der Überschreitung der 3 höchsten Watzmannspitzen, jener ersten gemeinsamen Tour mit Freund Hofmann, die damals nicht nach Wunsch verlaufen war. Diesmal gelang die Überquerung mit dem sogenannten "Trischhübler Abstieg" ins Wimbach-Tal an einem Tag. Eine Erstbegehung war es allerdings nicht mehr.  

 

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Karl Hofmann in Uniform, posthum gezeichnet von Ernst Platz 1930
In diesem, 188 Seiten umfassenden Werk sind alle Touren von Hofmann und Stüdl beschrieben.
Das Sonnenwelleck in der Glocknergruppe. Dahinter der Fuscherkarkopf.
Mit Moritz Umlauft unternahm Johann Stüdl 1971 wieder eine Erstbesteigung.