Der Hochtourist

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 65 Teil 1, Schwarzensteingletscher

Drei Jahre später, 1864 unternahm Stüdl mit seinen Freunden Karl Haushofer und dessen Cousin Carl Ruben die erste Hochgebirgstour: Die Überschreitung des Schwarzensteingletschers und der Schwarzenbachscharte vom Zillertal ins Ahrntal.

 

Siehe auch: > "Kindheit und Jugend / Über den Gletscher" .

Wanderungen in den Dolomiten schlossen sich an diese Tour an. Die Bleistiftskizze "Rosengarten" aus dem Skizzenbuch von Johann Stüdl sehen Sie hier: > " Zeichner und Maler / Das Skizzenbuch immer dabei."

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 65 Teil 2, das Unglück des Hartler.

Der Rückweg über den Schwarzensteingletscher endete tragisch mit dem Tod des Führers. Dieses Erlebnis war prägend für Johann Stüdl, der sich später ganz besonders des Bergführerwesens annahm.

Im 1890 erschienenen Buch "Die Entwicklung der Hochtouristik in den Österreichischen Alpen" von Dr. Gustav Gröger und Josef Rabl, herausgegebenen vom Österreichischen Touristen-Club (kurz "Entwicklung der Hochtouristik") werden alle Erstersteigungen bzw. Erstüberschreitungen in den Jahren 1799 (Erste Großglockner-Ersteigung durch Fürstbischof Kardinal Salm - Reifferscheid) bis 1889 erwähnt und teilweise sehr ausführlich beschrieben; so auch Stüdls erste Hochgebirgstour mit ihrem schlimmen Ende. (s.o.)

Obwohl diese erste Hochgebirgstour so böse geendet hatte, war für Stüdl nun klar: Er wollte mehr von dieser herrlichen Bergwelt sehen. Er wollte diese Schneegipfel erobern und wurde Mitglied des 1862 gegründeten Österreichischen Alpenvereines.

Mit großem Interesse verfolgte er in dessen Schriften die Pioniertaten der großen Bergsteiger seiner Zeit: Edmund v. Moisisovics, Paul Grohmann, Dr. Anton von Ruthner, Corbinian Steinberger, Dr. Ignaz Wagl, Gustav Aigner, Josef Mayer, Franz Keil und Egyd Pegger aus Lienz. Auch die Namen J. J. Weilenmann, der viele Touren im Alleingang bewältigte (ungewöhnlich für die damalige Zeit) und Franz Senn, Kurat in Vent im Ötztal, waren ihm bald geläufig.

Auf die Beschreibung der geschichtlichen Entwicklung des Bergtourismus und Alpinismus wurde in diesem Rahmen verzichtet. Lesen Sie dazu in der Hausarbeit aus Geographie von Margarete Rachbauer (Titel: "Johann Stüdl und die Erschließung der Glocknergruppe unter besonderer Berücksichtigung geografischer Aspekte") auf den Seiten 10 - 16 das Kapitel "Entwicklung des Alpinismus von den Anfängen bis in unsere Zeit". Nützen Sie diesen Link:

> "Lesestoff / Hausarbeit Rachbauer / Seite 10"

1867 begann die große Zeit in Johann Stüdls Bergsteigerleben: Mit seinem Bruder Franz unternahm er jene denkwürdige Reise ins Glocknergebiet, die ihn schließlich am 25. August nach Kals führte. (Siehe: > "Die Stüdlhütte") und ihn in der Folge zum Hüttenerbauer und "Glocknerherrn" werden ließ. Die Glockner-Ersteigung der beiden Stüdl-Brüder gelang wegen des schlechten Wetters nicht, doch zogen sie weiter über das Kalser Törl nach Prägraten und bestiegen von dort den Großvenediger (3 674 m) bei gutem Wetter. " Der Anblick auf die Firnwälle ringsum ist so großartig, dass jedes Herz die Allmacht Gottes preisen muss. Der Glockner war mit seiner feinen Spitze der stolzeste unter den Häuptern." Dieses Zitat aus Stüdls Tagebuch beweist, wie sehr ihn die Berge in ihren Bann geschlagen haben und der Glockner, er war sozusagen das non plus Ultra, das große Ziel, das er sich setzte.

Vorerst aber ging Stüdl der Kette der Hohen Tauern entlang: Durch das Ahrnthal, über den Brenner auf die Habichtspitze und durch das Mischbachthal (7. September 1867) gelangte er nach Neustift  in den Stubaier Alpen. Sein Führer war auf dieser Tour Pankraz Gleirscher.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 85, das Zuckerhütl, Direktabstieg

Mit diesem erstieg er 2 Tage später das 3507 m hohe Zuckerhütl und bewältigte den Abstieg  unmittelbar von der Spitze über die Wand zum Höhlferner (Wienacherferner) hinab, was ihm den nebenstehenden Eintrag im Buch  "Entwicklung der Hochtouristik in den Österreichischen Alpen" eintrug.  

Schließlich zog es ihn auch in die Ötztaler Gruppe, denn vom "Pfarrer im Eis", dem Kuraten von Vent, Franz Senn hatte er schon mancherlei gehört. Er traf diesen zwar nicht an, aber mit dessen Lieblingsführer, Cyprian Granbichler bestieg er am 13. 9. 1867 die Wildspitze.

Im  Jahrbuch des Österreichischen Alpenvereins von 1868, Band 4, hat Stüdl die letzten 3 Touren beschrieben. Nachzulesen hier: http://books.google.at/books?id=p54AAAAAcAAJ&pg=PA409&dq=Jahrbuch+des+%C3%96sterreichischen+Alpenvereins+Band+4+1868&hl=de&sa=
X&ei=sbWOUdGaJ4XKOJewgagM&ved=0CE8Q6AEwBg#v=
onepage&q=Jahrbuch%20des%20%C3%96sterreichischen%20Alpenvereins%20Band%204%201868&f=false

Wählen Sie Seite 141 (Wildspitze), bzw. Seite 384 (Zuckerhütl) oder Seite 388 (Habichtspitze/Mischbachthal/Neustift) 

Plötzlich einsetzender und langanhaltender Regen verhinderte weitere Touren im Ötztal. Deshalb rüstete Stüdl zum Aufbruch mit dem festen Vorsatz wieder zu kommen.

Ehe er das neue Widum von Vent (ein Gasthaus gab es noch nicht) verließ, schrieb er Franz Senn einen Brief, worin er dessen Leistungen beim Ausbau des Widums und beim Wegebau (aus dem Tal nach Vent und weiter hinauf zum Hochjoch) würdigte und einen "Beitrag zum Wegebau" darin hinterlegte.  

Zwischen Senn und Stüdl begründete dieser Brief eine lebenslange Freundschaft, die durch die erhaltenen Briefe von Senn an Stüdl belegt ist..

Lesen Sie diese Briefe auf der Seite >  "Lesestoff / Briefe Senn an Stüdl"

 

Es war wohl eine Laune des Schicksals, dass Karl Hofmann am 14. September 1867 auf dem Gipfel des Großglockners (3 797 m) stand, während Stüdl am selben Tag über die Ötztaler Gletscher blickte.

Wäre Hofmann nur 14 Tage früher nach Kals gekommen, so hätten sie sich damals schon kennengelernt. Bis es endlich dazu kam, wussten beide schon viel voneinander, denn auch Hofmann gehörte bald zu den bekannten Hochtouristen der Ostalpen. Stüdl und Hofmann,  jeder für sich, vor allem aber mitsammen haben sie der Hochtouristik wertvollste Impulse vermittelt, obwohl ihnen nur etwas mehr als ein gemeinsames Jahr gegeben war. Ihren Touren von 1869 bis 1870 ist im Buch "Die Entwicklung der Hochtouristik"  ein eigenes Kapitel gewidmet. Unter Anderem heißt es darin:

       "..... Ihre Erforschungstouren in der Glocknergruppe haben auf die Entwicklung der Hochtouristik mächtigen Einfluss geübt; durch sie wurdegewissermassen die grosse Ausbreitung der Hochtouristik eingeleitet.
       
Wie sich bei Hofmann und Stüdl Vorsicht und Unternehmungslust vereinigten, wie die Vervollkommnung der Ausrüstung, die eigene Ausbildung und auch die Ausbildung der Führer ihr stetes Sinnen und Trachten war, wie sie immer auch der Nachkommenden gedachten und bemüht waren, deren Schritte zu erleichtern und das Touristenwesen nach Möglichkeit zu fördern, das bezeugen ihre von alpiner Begeisterung durchglühten und über Verhalten und Ausrüstung zahlreiche Winke enthaltenden, vielgelesenen Tourenberichte, die "Wanderungen in der Glocknergruppe".....   

Vent im August 1868, von Johann Stüdl gezeichnet.

Im August 1868 war Stüdl wieder in den Alpen unterwegs. Diesmal kam er mit seinem - damals 22 Jahre alten - Bruder Karl (Siehe: > "Die Familie / Die Geschwister") ins Ötztal, um jene Gipfel zu besteigen, die ihm ein Jahr zuvor der Wettergott verwehrt hatte.  

In Vent, traf er den bekannten Bergsteiger J .J. Weilenmann aus St. Gallen, mit dem er sich rasch  anfreundete, und es wurde beschlossen, alle Touren in diesem Gebiet gemeinsam zu unternehmen.  

Zunächst beschränkten sich diese, da der beste Kenner des Gebietes, der Führer Cyprian (Cyper) Granbichler nicht verfügbar war, auf eine neuerliche Ersteigung der Wildspitze bei herrlichem Wetter, und  bei Hagel und Regen auf die Kreuzspitze (3 455 m) am folgenden Tag.

Dann zog es Stüdl aber zu seiner inzwischen fertiggestellten Hütte nach Kals. Er wollte einen Übergang von dieser Hütte auf der Vanitscharte zur Pasterze finden und unternahm am 27. August zusammen mit den Führern Peter und Thomas Groder eine Tour zur "Recognoszierung". Diese äußerst schwierige und gefährliche Suche war nicht von Erfolg gekrönt und sollte anderntags fortgesetzt werden. Stüdl schloss sich aber am 28. 8. einer Partie auf den Großglockner an, und setzte die Suche nach dem Übergang am 29. 8. fort.

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 100, Romariswandkopf.

Bei der 1.Recognoszierungsfahrt am 27. August hatte er die Überzeugung gewonnen, "dass eine Ersteigung des bis dahin unbezwungenen Romariswandgipfels (3 478 m) eine höchst lohnende Tour sein müsse." (Zitat Stüdl) "Es ist dies nach dem Glockner, der Glocknerwand (3 713 m) u. dem Vieschbachhorn (alter Name für Wiesbachhorn 3 564 m) der 4.- höchste Gipfel des ganzen Glocknergebietes." Stüdl beschloss mit der Fortsetzung der Suche nach dem Übergang zur Pasterze, die Ersteigung dieses Schneegipfels zu verbinden.

Im "Fremdenbuch von Kals" beim "Unteren Wirt" hat Stüdl die Touren dieser 3 Tage ausführlich beschrieben. Eine Abschrift dieser Eintragung finden Sie hier: > "Lesestoff / Fremdenbuch von Kals / Recognoscierung".

Das > Kapitel 10 "Excoursionen im Jahre 1868" in den "Wanderungen in der Glocknergruppe" (Band II der Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins) widmet sich ebenfalls diesen "Recognoscierungen".

Größere Touren waren in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen und nach der Eröffnung der Stüdlhütte am 5. September 1868 kehrte Stüdl nach Prag zurück.

Er erhielt Briefe von einem Jura-Studenten aus München, der gerne mit ihm gemeinsam Bergtouren unternehmen wollte: Karl Hofmann. Noch ehe sie sich persönlich kennenlernten, entstand zwischen Stüdl und Hofmann eine herzliche Freundschaft.

Weiter: > "Karl Hofmann - der Freund"

Stüdls erste Hochgebirgstour über den Schwarzensteingletscher endete tragisch.
Diese herrlichen Alpengipfel wollte Johann Stüdl erobern. Großteils ist ihm dies auch gelungen.
Der Großvenediger
Das Zuckerhütel in den Stubaier Alpen
Die Wildspitze in den Ötztaler Alpen
J.J. Weilenmann unternahm viele Touren ohne Führerbegleitung - ungewöhnlich für die damalige Zeit. 1867 unternahm er gemeinsam mit den Brüdern Johann und Karl Stüdl Touren in den Ötztaler Alpen.
Talleitspitze und Kreuzspitze in den Ötztaler Alpen
Der Romariswandkopf in der Glocknergruppe, westlich der Glocknerwand