Eduard Richter

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 129 Die Schlieferspitze.

Bei der Erstbegehung auf die Schlieferspitze war der Geographieprofessor Eduard Richter (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Richter) aus Salzburg Stüdls Tourengefährte. 

Mit Richter verband Stüdl inzwischen eine herzliche Freundschaft. Er war nur 23 Tage älter als sein unvergessener Freund Karl, und, als hätte dieser sie zusammengeführt, hatten sie sich bei der Hofmann-Gedenkfeier auf der Franz Josefs Höhe kennen gelernt.

Mehrere lustige Zufälle spielten eine Rolle, dass aus der Bergkameradschaft der beiden Männer eine richtige Familien-Freundschaft wurde. Richter und seine Frau Luise heirateten am selben Tag wie Johann und Hermine Stüdl und beide Ehepaare saßen auf der Hochzeitsreise im selben Zug! Die Kinder waren ungefähr im selben Alter, sodass auch die Gattinnen viele Gemeinsamkeiten fanden, selbst wenn die räumliche Nähe nicht gegeben war, denn Stüdls wohnten in Prag, das Ehepaar Richter aber in Salzburg, später in Graz.  

Wanderungen in der Venediger Gruppe - Großvenediger und Schlieferspitze.

Nun bestiegen Stüdl und Richter gemeinsam die 3 282 m hohe Schlieferspitze in der Venedigergruppe, welche damit am 22. August 1871 erstmals bezwungen wurde. Diese Tour war Teil der "Wanderungen in der Venediger Gruppe", die von Eduard Richter im Band 3 der Zeitschrift des DAV von 1872 beschrieben wurden. Nachzulesen hier: http://www.literature.at/viewer.alo?objid=1026433&viewmode=fullscreen&scale=3.33&rotate=&page=199 .

Die Wanderungen begannen schon am 18. August 1871 in Windisch Matrei mit dem Aufstieg zum Tauernhaus und tags darauf weiter bis zur Hütte des Dechanten von Windisch-Matrei in Inner-Gschlöss. Von dort aus erfolgte die Ersteigung des Großvenedigers, wobei neben den Führern Thomas Groder und J. Ragetinger auch Moriz Umlauft (Gründungsmitglied der Sektion Prag) der Partie angehörte.

Anzunehmen ist, dass Stüdl schon auf dieser Tour den Bauplatz für die (Alte) Prager Hütte aussuchte, denn die "Hüttomanie" der Sektion Prag hatte bereits begonnen.

Der Abstieg erfolgte über das "Hohe Anderl" und das Dorferkees zur Johannishütte. Diese Hütte war schon 1857 mit finanzieller Unterstützung durch Erzherzog Johann (daher der Name) errichtet, und 1870 (also ein Jahr vor Stüdls Eintreffen) vom Zentralausschuss des DAV angekauft und adaptiert worden. Später (1876) sollte sie in den Hüttenbestand der Sektion Prag eingegliedert werden.

Für den 22. 8. war nun, wie bereits erwähnt, die Erstbesteigung der Schlieferspitze geplant, weshalb Ragetinger ausgesandt wurde, um den Führer Ploner aus Prägraten, einen Kenner dieses Gebietes, mit Proviant versehen, heraufzuschicken.

Über das Dorferkees zum Obersulzbachtörl führte der Weg. Vor dem Krimmler Törl verabschiedete sich Umlauft, um mit dem Führer Ploner nach Krimml abzusteigen, während Stüdl und Richter mit Thomele Groder den Weg über das Sonntagskees auf die Schlieferspitze fortsetzten.

Der Abstieg erfolgte nach Prägraten, wo Stüdl, bevollmächtigt vom DuÖAV und der Bezirkshauptmannschaft Lienz, einen Führerverein gründete, " ... was nicht einfach war ..." und 1 ½ Tage in Anspruch nahm.

Dreiherrenspitze und Rödtspitze

Am frühen Nachmittag des 25. August starteten Stüdl und Richter mit dem nunmehr zum Führervereinsobmann avancierten Ploner die nächste Tour, die an diesem Tag vorbei an der Böwell (Pebell-)alpe und den herrlichen Wasserfällen der Isel durch die Daberklamm bis zur Schaflerhütte führte, wo die Nacht eher schlecht als recht zugebracht wurde. Diese Hütte wurde 1 Jahr später durch die Clarahütte ersetzt.

Am nächsten Tag erfolgte der Aufstieg über das Umbaltörl und Umbalkees auf die Dreiherrenspitze, mit dem Abstieg zurück zur Schaflerhütte. Zunächst war geplant, am folgenden Tag die Daberspitze zu erklimmen, daher führte der Weg über den Dabergletscher bis unterhalb dieses Gipfels, wo aber kein weiterführnder Weg gefunden werden konnte.

Deshalb wurde die Route geändert. Die Partie überstieg einen Felskamm zum Welitzkees und eroberte die Rödtspitze (3 401 m) von Süden, nachdem die Erstbegehung von Norden erfolgt war. Nach einem schwierigen Abstieg zum Schwarzbachgletscher gelangte man über die Jagdhausalpe bis St. Wolfgang, wo am nächsten Tag - nicht zuletzt wegen eines heftigen Gewitters in der Nacht - ein Rasttag eingeschoben wurde.

Der Hochgall - auf Karl Hofmanns Spuren.

Intensiv rüstete man für den Aufstieg auf den Hochgall (3 436 m), wobei auch Hofmanns Aufzeichnungen über seine Erstbesteigung zu Rate gezogen wurden.

Stüdl - wie schon berichtet wurde - im Alpenverein zuständig für das Führerwesen, trachtete zusätzlich zu den beiden bewährten Führern wenigstens einen Bewohner aus St. Wolfgang auf diese Tour mitzunehmen, um ihn als Führer auf den Hochgall zu qualifizieren. Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht, doch schließlich fanden sie in dem 19-jährigen Schafhirten Hanns Ausserhofer einen willigen und auch fähigen Begleiter.

Zwar wurde noch vor dem Morgengrauen - bei Fackellicht - im Wald der Weg verloren, von Hanns aber wieder aufgefunden. Ohne weitere Probleme gelangte die Partie zum Riesergletscher und dem "Grauen Nöckl". Schwieriger als zu erwarten war, gestaltete sich der weitere Aufstieg über den Grat hinauf zum Gipfel. Hier musste sogar das Seil zu Hilfe genommen werden, um eine tief eingeschnittene Scharte zu überwinden. Schließlich aber war das schwer erkämpfte Ziel, der Gipfes des Hochgall, erreicht.

Auch der Abstieg brachte einige Probleme, obwohl man die gefährlichsten Stellen des Grates zu umgehen suchte, indem man sich mehr in die Wand hinaus wagte. Auch hier musste das Seil des Öfteren zu Hilfe genommen werden. Schließlich aber stand die Partie am Gletscher und dachte das Gröbste überstanden zu haben, als Richter ausrutschte und auf dem Rücken liegend den vor ihm abfahrenden Ploner ebenfalls zu Fall brachte. In rasender Fahrt ging es drunter und drüber das ganze Schneefeld hinunter und nur mit viel Glück kamen die Beiden gerade noch vor einer Gletscherspalte zum Stillstand. Wie durch ein Wunder blieben sie unverletzt, und konnten in der halben Stunde ihren Schrecken überwinden, die Stüdl und Groder brauchten, um auf konventionelle Weise nach unten zu kommen.

Der Rückweg nach St. Wolfgang brachte keine Schwierigkeiten mehr und abends im Gasthaus konnte der Gipfelsieg noch gebührend gefeiert werden.

Die Beschreibung dieser Tour, sowie auch der weiter oben erwähnten Besteigungen, veröffentlichte Richter im Band 3 der Zeitschrift des DuÖAV 1873 unter dem Titel "Wanderungen in der Venediger Gruppe". 

"Entwicklung der Hochtouristik", Seite 164 Schneebiger Nock

Hanns Ausserhofer wurde tatsächlich ein begehrter Führer im Venediger- und Rieserferner-Gebiet und 1877 unternahm er mit Johann Stüdl dessen letzte, im Buch "Entwicklung der Hochtouristik",Seite 164, verzeichnete Tour. Es war dies ein neuer Anstieg auf den Schneebiger Nock (3 390 m).   

Gemeinsam mit Thomas Groder wanderten Johann Stüdl und Eduard Richter weiter nach Kals, wie wir einer Eintragung von Johann Stüdl im Fremdenbuch von Kals vom 1. 9. 1871 entnehmen. > "Lesestoff / Fremdenbuch von Kals / diverse Eintragungen"

Von dort brachen sie am 4. September zusammen mit den Brüdern von Karl Hofmann, Philipp und Constantin aus München zur Gedenkfeier für Karl Hofmann auf der Franz-Josefshöhe auf. (Constantin Hofmann hatte zuvor die 3. Ersteigung der Hofmannsspitze auf der Glocknerwand durchgeführt. - Eintragung dazu durch J. Stüdl im Fremdenbuch des Glocknerwirtes in Kals).

 

 
Weiter: > "Hochzeitsreise in Eis und Schnee".

Eine herzliche Freundschaft verband Johann Stüdl mit Eduard Richter, dem Tourengefährten in der Venediger Gruppe.
Die Schlieferspitze in der Venediger Gruppe.
Zu den ältesten Hütten der Hohen Tauern gehört die Johannishütte.
Die Dreiherrenspitze von Johann Stüdl gezeichnet.
Schneebiger Nock
Eines der wenigen Bilder, das Stüdl als Bergsteiger zeigt und nicht als Geschäftsmann. Aufgenommen 1895 in Berchtesgaden.