Karl Hofmann - der Freund

Anlässlich der Gründung des Deutschen Alpenvereines im Mai 1869 (siehe > "Der Deutsche Alpenverein") kam es endlich zur ersten persönlichen Begegnung zwischen Johann Stüdl und Karl Hofmann, nachdem reger Briefwechsel sie schon längst zu Freunden hatte werden lassen. Gemeinsame Bergtouren wurden beschlossen.   

Der Jura-Student aus München (geboren am 26. Oktober 1847) war, ähnlich wie Stüdl, schon im Kindesalter mit kleinen Wanderungen in die Welt der Berge eingeführt worden, die ihn mehr und mehr in ihren Bann zogen.

Eine kurze Biografie über Hofmann schrieb Johann Stüdl in der Einleitung zu dem von ihm herausgegebenen Buch "Karl Hofmann's gesammelte Schriften alpinen und gemischten Inhalts". Siehe "Lesestoff": > "Johann Stüdl über Karl Hofmann".

In diesem Buch findet sich auch eine detaillierte Aufstellung aller Reisen und Touren von Karl Hofmann. Siehe "Lesestoff": > "Hofmanns Reisen".

Das ganze Buch ist nachzulesen bei "Google-Books". Hier klicken
http://books.google.at/books?id=J7tTAAAAcAAJ&pg=PA126&hl=de&source=gbs_toc_r&cad=3#v=onepage&q&f=false. Dieser Link öffnet allerdings das Kapitel 16 "Auf dem Watzmann". Klicken Sie dann links auf das Front-Cover, um zum Anfang bzw. zum Inhaltsverzeichnis zu kommen, wo auch verschiedene Kapitel annavigiert werden können.

Der folgende Text beschränkt sich auf die wichtigsten Stationen in Karl Hofmanns Bergsteigerleben: 1966 erforschte er das Berchtesgadener Land, bestieg den Hohen Göll, den Kallersberg und den Hundstod im Steinernen Meer. Eine Woche später stand er auf dem Untersberg und stieg in die Kolowrathöhle ein.

Im September 1867 kam Karl Hofmann nach Kals und bestieg von dort den Großglockner. Wäre er nur 14 Tage später gekommen, so hätte er damals schon seinen späteren Freund und Tourengefährten Johann Stüdl kennengelernt.  So konnte er nicht ahnen, dass er 2 Jahre danach schon die "Wanderungen in der Glocknergruppe" mit Stüdl abgeschlossen haben würde.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 91 Dachstein

Seine erste "Pioniertat" erfolgte noch im Jahr 1867 kurz nach seiner Glocknerfahrt, als er mit Freunden den Dachstein auf dem neuen Weg von Gosau aus erstieg.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 97/98 Hochgall

Auch 1868 waren sich Hofmann und Stüdl noch nicht begegnet. Während Stüdl mit dem Bau seiner Hütte auf der Vanitscharte beschäftigt war (sie wurde am 15. September 1868 eingeweiht) erstieg Hofmann erstmals den Hochgall in der Rieserfernergruppe - und zwar von St. Wolfgang aus - eine Tour, die Stüdl 1871 mit Prof. Eduard Richter ebenfalls unternehmen sollte.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 104 Treffauer Kaiser
"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 105 Kaiserackerlspitze und Haltspitze

Im Juni 1869 unternahm Hofmann mit dem Führer Johann Schlechter eine mehrtägige Erkundungsfahrt im Kaisergebirge mit Erstersteigungen des Treffauer (heute "Scheffauer") Kaiser (2211 m),   Haltspitze (2344 m) und Kaiserackerlspitze (2329 m), wobei er auch Messungen vornahm, um festzustellen, welche tatsächlich die höchste Erhebung des Wilden Kaisers war. Diese Messungen (siehe "Entwicklung der Hochtouristik) waren damals, dem technischen Standard der Meßgeräte entsprechend, noch sehr ungenau. (Vergleichen Sie die Angaben im Zitat aus "Entwicklung der Hochtouristik" mit den heute gültigen Werten.)

Der Watzmann (2 713 m) bei Berchtesgaden war das Ziel der ersten gemeinsamen Tour von Hofmann und Stüdl, wobei geplant war, als Erstbegehung die drei höchsten Spitzen an einem Tag zu überschreiten.

Hofmanns Freund, Leutnant von Jeeze, und ein einheimischer Führer gehörten mit zu der Partie, die unter keinem allzu guten Stern stand: Bei der Ankunft auf der Mitteralpe, von wo aus am nächsten Tag, dem 20. Juli 1869 die Tour gestartet werden sollte, begann es zu regnen. Es würde wohl nichts werden mit der Tour! Um die schlechte Laune zu vertreiben rückte man dem Proviant zu Leibe, und vertilgte den größten Teil.  

Die Nachtruhe war durch eindringendes Wasser und blutsaugende Insekten sehr beeinträchtigt, doch als früh am Morgen der Führer schönes Wetter meldete, wurde rasch gepackt und um 3 Uhr früh die Partie gestartet.  

Anfangs ging es zügig voran. Um 6 Uhr war die vordere Watzmannspitze erreicht. Nebel zogen auf, verschwanden aber wieder. Der Führer wollte die Tour abbrechen und nur widerwillig ging er weiter.

Kurz nach 8 Uhr standen sie dann doch auf der höchsten Watzmannspitze. Jetzt spürte man allerdings schon den Mangel an Proviant, vor allem an Trinkbarem! Lediglich ausreichend Schokolade rettete die Gruppe über den Tag.  

Außerdem waren Lt. Jeeze und der Führer nicht mit Steigeisen ausgerüstet, was sich in den folgenden Passagen besonders negativ bemerkbar machte und auch auf die Mitnahme eines Seiles war verzichtet worden. So häuften sich die Probleme, zumal das Terrain immer steiler und schwieriger wurde und die Sonne erbarmungslos auf die durstigen Bergsteiger herniederbrannte.

Auf einem steilen Schneefeld schließlich rutschte Jeeze aus und stürzte kopfüber auf den kantigen Felsrand. Der dicke Filzhut hatte zwar gröbere Verletzungen verhindert, doch waren Hände und Füße aufgeschrammt und bluteten.  

Man beratschlagte neuerdings, ob man den Rückweg antreten sollte, entschied sich aber dann dafür, die 3. Spitze (Schönfeldspitze) aus dem Programm zu streichen und dafür einen direkten Abstieg ins Wimbachgrießtal zu suchen.  

Obwohl Jeeze in der Folge geschwächt war und teilweise gestützt werden musste, kam man über die größten Schwierigkeiten hinweg und hatte gegen 9 Uhr abends freie Sicht auf das Licht des Wimbachschlösschens.

Etwa 2 Stunden hätte es noch gedauert, das schützende Dach zu erreichen, doch Jeeze war am Ende seiner Kräfte. Es blieb nichts anderes übrig, als - bei 3°C - ohne Decken, Feuer und Verpflegung, lediglich im Schutze der Plaids, eng aneinandergerückt, zu biwakieren.

Trotzdem ging alles gut. Der Jäger im Wimbachschlößchen staunte nicht schlecht, als die 4 Gestalten gegen 5 Uhr früh bei ihm eintrafen, und servierte gerne das erwünschte Frühstück.

Die Beschreibung dieser Tour durch Karl Hofmann, veröffentlicht von Johann Stüdl in "Karl Hofmann's gesammelte Schriften alpinen und vermischten Inhalts" finden Sie hier:
http://books.google.at/books?id=J7tTAAAAcAAJ&pg=PA126&hl=de&source=gbs_toc_
r&cad=3#v=onepage&q&f=false

 

Während Leutnant Jeeze mit dem Führer wieder nach Berchtesgaden zurückkehrte, strebten Stüdl und Hofmann neuen Abenteuern entgegen: Zu Fuß gingen die beiden über die Ramsau und den Hirschbichel nach Saalfelden ...

 

Weiter: > "Wanderungen in der Glocknergruppe"

Karl Hofmann Zeichnung von Ernst Platz
Der Dachstein von NW mit dem Gosausee
Der Hochgall in der Rieserfernergruppe
Wilder Kaiser mit Scheffauer Kaiser, Haltspitze und Ackerlspitze.
Die erste gemeinsame Tour unternahmen Hofmann und Stüdl auf den Watzmann.
Die Watzmann - Mittelspitze
Diese Zeichnung stammt aus Stüdls Skizzenbuch (AV-Museum Innsbruck). Sie entstand schon 2 Jahre vor der gemeinsamen Tour mit Karl Hofmann. Bildbeschriftung: Watzmann, Steinernes Meer von der Weisbacher Scharten, 21. August 1867.
Johann Stüdl hat die Bayrische Ramsau mit dem Wartstein gezeichnet. Ob nach der Watzmann-Tour, oder ein andermal, ist nicht bekannt.