Rund um den Großglockner

Noch am Abend des 9. September, bei hereinbrechender Dunkelheit und Laternenschein, stiegen Stüdl und Hofmann mit den Führern Thomas und Michael Groder zur Judenalpe auf, um von dort am nächsten Tag über den Fuscherkargletscher und die Fuscherkarscharte den Aufstieg auf den Fuscherkarkopf zu versuchen. Dieser wurde nach dem ersten Felsabhang wegen einfallenden Nebels abgebrochen.

 

 

 

Johannishütte - Hofmannshütte

Der Abstieg erfolgte zum mittleren Pasterzenboden und weiter über die Gamsgrube zur Johannishütte (später Hofmannshütte). Die befand sich allerdings in einem so erbärmlichen Zustand, dass an ein Übernachten nicht zu denken war, und deshalb der Weg bis zur Wallerhütte fortgesetzt wurde.

Das Wetter am nächsten Tag ließ eine Bergbesteigung nicht ratsam erscheinen, weshalb die Freunde nach Heiligenblut weiterwanderten, um hier die Instandsetzung der Johannishütte zu veranlassen.

siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite 376.

Bei strömendem Regen machten sich Hofmann und Stüdl nach dem Mittagessen wieder auf den Weg über das Bergertörl nach Kals, das beiden inzwischen zur 2. Heimat geworden war.

Den darauffolgenden Schlechtwettertag nützte Stüdl um nach Lienz zu gehen, da bezüglich der Organisation des Führerwesens mit dem k.k. Bezirkshauptmann noch mancherlei zu besprechen war. Mittags am 13. 9. kam er zurück, gerade rechtzeitig, um mit Hofmann zur Dorfer Alpe aufzubrechen.

siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite 388.

Schneewinkelkopf - Ödenwinkelscharte - Johannisberg - Hohe Riffel.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 114 Schneewinkelkopf
"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 114 - 115 Johannisberg

Die Ersteigung des Schneewinkelkopfes (3 478 m) war für den nächsten Tag (14. 9.) geplant. Sie gelang bei schönem Wetter, aber heftigem Sturm im Gipfelbereich. Der Abstieg erfolgte über die Pasterze zur Hohenkampalpe im hintersten Tauernmoostal (östlicher Ast des Stubachtales).

Die nun einsetzende Schönwetterperiode gestattete nicht nur diesen Gipfelsieg, sondern eine gewaltige Rundtour, bei welcher die Freunde die gesamte Glocknergruppe durchforschten. Sie überschritten am folgenden Tag (14.9.) den Ödenwinkelgletscher und kämpften sich lt. Hofmann "mit ausserordentlichen Schwierigkeiten" über die riesigen Wände zur Ödenwinkelscharte empor.

Am 15. 9. gelang nach Ruthner (1859) die 2. Ersteigung des Johannisberges (3 460 m), und zwar über den schwierigeren, direkten Anstieg von Süden, von der Pasterze aus. Über eine äußerst steile Firnkante an der Nordseite des Johannisberges führte der Weg zur Hohen Riffel (3 338 m), die problemlos - zum ersten Mal - erstiegen werden konnte.

siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite 394.

Aus Johann Stüdls Skizzenbuch: "Der Johannisberg".

Stüdl hatte auf seinen Touren immer ein Skizzenbuch dabei. Auch während der Touren mit seinem Freund Hofmann zeichnete er immer wieder die Landschaft und die markanten Gipfel. Alle diese Skizzen sehen Sie auf der Seite > "Zeichner und Maler / Das Skizzenbuch immer dabei" im rechten Bildlauf.

Kitzsteinhorn - Wiesbachhorn - Bärenköpfe und Klockerin.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 115 Das Kitzsteinhorn.
"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 116 Das Wiesbachhorn

Mit dem Abstieg über das Riffeltor und den Karlingergletscher gelangten sie ins Kaprunertal, von wo aus anderntags das Kitzsteinhorn (3 203 m) Ziel der beiden Freunde und ihrer Führer war. Wegen einbrechendem Schlechtwetter wurde der Abstieg ins Mühlbachtal gewählt Einfallender Nebel am Schmiedinger Gletscher sorgte hier allerdings für eine 3-stündige Irrfahrt, ehe der Abstieg zur Zeferetalpe gefunden war.

siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite 434.

Am 18. 9. erstiegen die beiden Freunde gemeinsam das Große Wiesbachhorn (3 564 m) und zwar vom Kapruner Thörl aus.

Bezeichnend für das unterschiedliche Temperament der beiden Freunde ist die Erzählung über den Abstieg zum Wielinger Gletscher: Hofmann und Führer Schnell voraus durch rasantes "Abfahren" auf dem Schneefeld, wobei der Bergstock zum Bremsen eingesetzt wurde. Johann Stüdl, der Besonnene nützte den Abstieg, um zu testen, inwieweit ein Führer imstande wäre, einen vor ihm gehenden Touristen am Seil zu sichern, wenn dieser ausgleiten oder stürzen sollte. Zufrieden mit dem Ergebnis (Zitat: "Ich konnte zerren und reißen am Seile, so viel ich wollte, so brachte ich den starken Mann nicht einen Augenblick zum Wanken.") setzten sie (Stüdl und Führer Groder) sich auf den Schneehang und machten ebenfalls "eine lustige Rutschpartie."

Sie stiegen allerdings nur bis zur Wielinger Scharte, um noch am selben Tag die Klockerin (3 419 m), sowie den Mittleren (3 356 m) und den Großen Bärenkopf (3 401 m) zu bezwingen. Vor allem wollten sie die Unklarheiten bezüglich der Höhe dieser Gipfel ausräumen, die in den vorhandenen Karten sich zeigten.

(siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite 453.

Eintragungen im "Fremdenbuch von Kals" über diese Touren gibt es nicht, denn Stüdl und Hofmann logierten nicht mehr beim "Unteren Wirt", sondern auf der Stüdlhütte, wenn sie sich in Kals aufhielten.

In die nebenstehende Karte des Glocknergebietes sind die Touren von Johann Stüdl und Karl Hofmann eingezeichnet. Sie war der Zeitschrift des DAV, Band II als Beilage eingefügt.

Noch einmal gemeinsam.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 116 Fuscherkarscharte.

Die letzte gemeinsame Tour war nochmals eine Erstbegehung, nämlich die Überschreitung der Fuscherkarscharte am 21. September zurück nach Kals, wo sie wie immer begeistert empfangen wurden.

Man wusste wohl, wem man den Aufstieg zum Fremdenverkehrsort, zum "Glocknerdorf" zu verdanken hatte. Beide, Johann Stüdl und Karl Hofmann, hatten ihren Anteil daran. Der eine durch sein finanzielles und organisatorisches Engagement, der andere durch seine Publikationen in vielen deutschen Zeitungen und. seit der Gründung des Alpenvereines, in der "Zeitschrift des DAV".

Glocknerwand und Hofmannspitze

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 116 - 117 Die Glocknerwand

Während Stüdl sich noch einmal um seine Hütte und den neu gegründeten Führerverein kümmerte, nützte Hofmann den 24. September um auch den letzten bis dahin unerstiegenen Hochgipfel in diesem Gebiet, die Glocknerwand (3 713 m), zu bezwingen.

Mit den Führern Michael Groder und Josef Kerer stieg er über den südöstlichen Firnkamm hinauf, wo sie auf blankes Eis trafen. "Nicht blos auf einige Schritte," schreibt Hofmann, "sondern zu einer Höhe von mehreren 100 Fuss empor". Und weiter: "Ich muss gestehen, dass mir dieser Weg ziemlich peinlich wurde, langsam Stufe um Stufe ... einen Eishang von 52° Neigung hinanzusteigen." Sie erreichten den nordwestlichsten der 3 "ungefähr gleich hohen Zacken, welche die Glocknerwand bilden" nach 4 Stunden ab der Stüdlhütte. Der Abstieg erfolgte direkt zum Teischnitzgletscher.

Hausarbeit über Johann Stüdl und die Erschließung der Glocknergruppe.

Ergänzend zu der Beschreibung der Touren in der Glocknergruppe von Karl Hofmann und Johann Stüdl an dieser Stelle lesen Sie auch die Hausarbeit "Johann Stüdl und die Erschließung der Glocknergruppe unter besonderer Berücksichtigung geographischer Aspekte", die wir mit freundlicher Bewilligung durch die Autorin, Frau Mag. Hofmann-Rachbauer auf der Seite "Lesestoff" dieser Homepage veröffentlichen. > "Lesestoff /Hausarbeit / Die Erschließung der Glocknergruppe" 

Ebenfalls auf der Seite "Lesestoff" finden Sie die umfassenden Berichte "Stüdl, der Alpinist" und "Der alpine Schriftsteller", veröffentlicht in denn "Donauland-Nachrichten" anläßlich des Ablebens von Johann Stüdl. > "Lesestoff / Donauland / Der Alpinist"

Das Skizzenbuch

Johann Stüdl hatte auf seinen Touren das Skizzenbuch immer im Rucksack. Die Zeichnungen, die er in der Glocknergruppe anfertigte, dienten teilweise als Vorlagen für das 2-teilige kolorierte Panorama vom Kalser Matreier Törl aus. Das Original befindet sich im Alpenvereinsmuseum in Innsbruck. Vergleichen Sie die Zeichnungen aus Stüdls Skizzenbuch mit dem fertigen Panorama auf der Seite > "Zeichner imd Maler / Das Skizzenbuch immer dabei".

weiter: > "Abschied"

Michael Groder, der Bruder des "Thomele".
Karl Hofmann ließ die verfallene Johannishütte instand setzen sie heißt seither Hofmannshütte
Heiligenblut
Schwieriger Aufstieg zum Schneewinkelkopf.
Ödenwinkelscharte
Johannisberg, Eiskögele und Schneewinkelkopf.
Blick über das Kapruner Törl zur Hohen Riffel
Das Kitzsteinhorn
Aus Johann Stüdls Skizzenbuch: Blick über Bärenköpfe und Klockerin zum Wiesbachhorn.
Blick vom Fuscherkarkopf zur Fuscherkarscharte.
Die Glocknerwand von Süden.
Aus Johann Stüdls Skizzenbuch: Großglockner und Glocknerwand von Süden aus der Schobergruppe gesehen.