Wanderungen in der Glocknergruppe

Im Anschluss an ihre Watzmann-Tour starteten Stüdl und Hofmann die legendären Erkundungsfahrten in der Glocknergruppe. Dabei ging es ihnen nicht nur um das eigene Vergnügen, sondern diese Touren dienten teilweise auch wissenschaftlichen Zwecken und sollten vor allem anderen Bergsteigern wertvolle Hinweise bezüglich der begangenen Wege und Gipfelanstiege liefern. Es war deshalb von Anfang an geplant, diese Erlebnisse zu publizieren.

Die "Glocknermonographie"

Eduard Amthor, Herausgeber der Zeitschrift „Alpenfreund“  wandte sich diesbezüglich an Stüdl, der auch namens seines Freundes Hofmann zusagte, in diesem Verlag die "Glocknermonographie" zu veröffentlichen, ohne jedoch in Verträgen Einzelheiten festzuhalten.

Mit Feuereifer machten sich die beiden Freunde an die Arbeit. Stüdl sollte sich auf einzelne Berichte beschränken und in der Hauptsache die Zeichnungen liefern. Hofmann, der literarisch besser bewanderte, wollte den größten Teil der Texte schreiben.

Erst nach und nach wurde klar, was sie sich hier aufgebürdet hatten. Die gesetzten Termine waren nicht zu halten, nicht nur deshalb, weil Stüdls Verlobung mitten in diese Arbeit fiel und er nun Wichtigeres zu tun fand …

Amthor aber zeigte kein Verständnis. Vielmehr 
sah er nun eine Handhabe, Gelder einzusparen, wobei es um ansehnliche Beträge ging. Unberechtigt druckte er außerdem Teile der eingesandten Texte und Zeichnungen schon vorweg im „Alpenfreund“, um hier einen größeren Leserkreis zu gewinnen.

Sicher wäre es sinnvoll gewesen, einen Anwalt einzuschalten. Stattdessen versuchten Freunde, wie Theodor Trautwein und andere,  zu vermitteln. Hofmann und Stüdl arbeiteten halbe Nächte durch. Das Werk sollte und musste gelingen! Schließlich lag es druckreif vor – und wurde von Amthor aus fadenscheinigen Gründen zurückgewiesen. Unschöne Szenen spielten sich ab, die Stüdl, der solchen Winkelzügen nicht gewachsen war, tief erschütterten.

Zu allem Überdruss waren, als Stüdl und Hofmann die Unterlagen zurückforderten, diese teilweise „nicht mehr auffindbar“.  Vor allem etliche Zeichnungen fehlten. Kein Wunder, dass Stüdl wieder mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, wenn man voraussetzt, dass sein Lungenleiden (Asthma?) großteils psychosomatische Ursachen hatte.

Sein Freund Hofmann, der Vorwärtsstürmer, schmiedete hingegen in München schon Zukunftspläne für den nächsten Sommer: Die letzten unbezwungenen Gipfel im Glocknergebiet harrten ihrer Ersteigung und dann die Venediger Gruppe …. „Wie dünkt Dich dieser Feldzugsplan?“, fragte Hofmann in einem seiner zahlreichen Briefe an Stüdl.

Ein ganz anderer Feldzug machte aber alle diese Pläne zunichte. Hofmann fiel im Deutsch-Französischen Krieg bei Sédan am 2. September 1870.

Nachdem die erste Fassungslosigkeit und der wütende Schmerz sich so weit gelegt hatten, dass Stüdl wieder zu sinnvollem Arbeiten fähig war, übernahm er die Sichtung und Ordnung des literarischen Nachlasses seines unvergesslichen Freundes.

Im Verlag Amthor veröffentlichte er das Buch „Karl Hofmann’s gesammelte Schriften“, mit einer Auswahl von dessen besten Literarien. Darin enthalten sind auch einige der, von Hofmann verfassten, Beiträge für die „Glocknermonographie“.

Der größte Teil dieser viel beachteten Publikation hingegen  erschien 1870/71 in der Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins, Band II unter dem Titel "Wanderungen in der Glocknergruppe" mit einer Einleitung von Johann Stüdl und einer kurzen Biographie "Über Karl Hofmann", sodann 26 Kapitel über die "Wanderungen" selbst und schließlich noch einem Anhang über die "Flora des Glocknergebietes". Im Internet finden Sie diese Publikation bei "alo" (austrian literature online) unter diesem Link:
http://www.literature.at/viewer.alo?objid=1026432&viewmode=fullscreen&scale=3.33&rotate=&page=2

Wir haben diese Beschreibung der wichtigsten und prägendsten Erlebnisse im Leben von Johann Stüdl aber auch in diese Homepage auf der Seite "Lesestoff" aufgenommen, ergänzt durch gelegentliche Anmerkungen und Stüdls Skizzen, die er bei diesen Bergfahrten angefertigt hat. Hier ist der Link: > „Wanderungen in der Glocknergruppe“. Über das > Inhaltsverzeichnis der Seite "Lesestoff" können auch alle Kapitel einzeln annavigiert werden.

 

 

 

Vom Watzmann zum Großglockner.

Diese Wanderungen begannen allerdings mit einigen Schwierigkeiten, denn Stüdl hatte sich am Watzmann den Fuß verstaucht. Dass er dennoch so gewaltige Kletterpartien bewältigte, zeigt seine Willensstärke und Ausdauer.

Von Saalfelden aus fuhren sie mit einem Pferdewagen nach Uttendorf, denn Sie hatten sich für diesen Tag (21. 7. 1869) mit den Führern Thomas Groder und Josef Schnell dort verabredet und kamen spät am Abend, aber rechtzeitig an.

Untere Oedenwinkelscharte und Bockkarscharte.

Am nächsten Morgen ging es mit großem Gepäck (Verpflegung für mehrere Tage) durch das Stubachtal zunächst bis zur Wurfalpe, wo die Übernachtung geplant war, und, da sie diese verschlossen vorfanden, weiter zur Hohe Kamp Alpe. 

Um 4.10 früh startete die Partie am folgenden Tag, dem 23. Juli, und erreichte, nach großen Schwierigkeiten in den steilen Wänden, um 15 Uhr die Untere Ödenwinkelscharte und nach weiteren 2 ¾ Stunden die Bockkarscharte. Über den Hohen Gang langte die Partie um 20.30 Uhr in der Judenalpe im obersten Fuschertal an.

Siehe > "Wanderungen in der Glocknergruppe" Seite: 220.

 

 

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 107/108 Oedenwinkelscharte

Abgesehen von der Publikation der "Wanderungen" in der Zeitschrift des DAV, war diese Erstüberschreitung selbstverständlich auch eine Eintragung im Buch "Entwicklung der Hochtouristik" wert.

 

 

 

 

Bei dieser Tour wurde der von Johann Stüdl erdachte Bergstock mit aufsetzbarem Eispickel erstmals eingesetzt. Nach diesem, von Stüdl selbst gezeichneten Konstruktionsplan, hat der Prager Schlossermeister Ferdinand Scheib den Pickel ausgeführt. Später erhielt Stüdls Lieblingsführer, der Schmied Thomas Groder, den Auftrag für eine "Massenanfertigung", denn Stüdl rüstete auch die Kalser Führer - auf seine Kosten - mit dem kombinierbaren Bergstock aus. 

Man benötigte ja damals auf den weglosen Wanderungen immer einen Bergstock um sich gegebenenfalls abstützen zu können. Außerdem war aber auch ein Pickel vonnöten, um in Eis und Schnee Stufen hauen zu können, die ein sichereres Hochklettern ermöglichten. Es war daher schon ein großer Fortschritt, wenn nicht mehr 2 so sperrige Geräte mitgeschleppt werden mussten.

Eine ausführliche handschriftliche Beschreibung dieser gewaltigen Tour durch Johann Stüdl finden wir im "Fremdenbuch von Kals" beim "Unteren Wirt", eine Abschrift davon auf der Seite > "Lesestoff / Fremdenbuch von Kals / Ödenwinkelscharte".

Dieser Eintrag bildete die Basis für jenen Bericht über diese Tour, die Stüdl in der "Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins" Band 1 von 1869/70 ab Seite 117 veröffentlichte. Nachzulesen hier: http://www.literature.at/viewer.alo?objid=1026430&viewmode=fullscreen&scale=3.33&rotate=&page=127

Stüdl hat die Oedenwinkelscharte für diese Publikation auch gezeichnet. Siehe >   "Zeichner und Maler / Das Skizzenbuch immer dabei"

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 108/109 Wiesbachhorn

Stüdl hatte sich bei der Watzmann-Tour den Fuß verstaucht, und nach den gewaltigen Anstrengungen der darauf folgenden Tage hatte sich das Leiden verschlimmert, sodass er gezwungen war, am 24. Juli einen Ruhetag einzulegen, und lediglich über Ferleiten nach Kaprun zu wandern, während Hofmann mit den beiden Führern Thomas Groder und Josef Schnell das Große Wiesbachhorn bestieg. Die Beschreibung dieser Tour durch Hofmann findet sich ebenfalls im "Fremdenbuch von Kals". Hier der Link zur Abschrift: > "Lesesroff / Fremdenbuch von Kals / Wiesbachhorn".

Am Abend trafen die Freunde dann in Kaprun wieder zusammen und legten am darauffolgenden Tag einen weiteren Rasttag ein, ehe die nächste Tour in Angriff genommen wurde.

Ziel dieser Tour am 26. bzw. 27. Juli war (von Kaprun aus) der Übergang über das Riffeltor und die Ersteigung der Hohen Riffel und des Johannisberges. Aufziehendes Schlechtwetter am 2. Tag machte diese Pläne zunichte.

Dafür wurde der Weg über das Kapruner Törl und den Kalser Tauern nach Kals gewählt. Auch diese Tour hat J. Stüdl im "Fremdenbuch von Kals" beschrieben. Die Abschrift finden Sie hier: > "Lesestoff / Fremdenbuch von Kals / Kapruner Thörl und Kalser Tauern".

Stüdl hatte in Kals mancherlei zu besprechen. Es ging um seine Hütte und den neuen Weg über den Südwestgrat auf den Glockner. (siehe > "Die Stüdlhütte / Die neue Hütte bzw. Der Neue Kalser Weg").

Vor allem aber war er bestrebt, in Kals einen Führerverein nach Schweizer Muster einzurichten. (siehe > "Der Alpenverein / Stüdls Funktionen im AV") Nicht zuletzt wollte er aber auch seinem Fuß endlich Ruhe gönnen.

Hochschober

Hofmann hingegen war unermüdlich und peilte schon den nächsten Gipfelsieg an: Er fand, dass die Kalser Führer zwar in der Glocknergruppe beste Ortskenntnisse besaßen, allerdings waren sie mit der zweitbedeutendsten Nebengruppe der Hohen Tauern, mit der Schobergruppe, für welche Kals gleichfalls ein günstiger Ausgangspunkt ist, kaum bekannt.

"Entwicklung der Hochtouristik" Seite 110 Hochschober

Ziel seiner Tour am 29. Juli 1869 war daher der Hochschober (3 240 m) über die noch unbekannte Aufstiegsroute aus dem Lessachtal. Der Prager Victor Hecht und die Führer Josef Schnell und Thomas Groder waren auf dieser Tour seine Begleiter. 

 

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Thomas Groder
Josef Schnell
Zur Ödenwinkelscharte
Aus Johann Stüdls Skizzenbuch: Das Große Wiesbachhorn vom Schwarzen Kopf gesehen.
Wiesbachhorn und Klockerin vom Kalser Törl gesehen.
Aus Johann Stüdls Skizzenbuch: Die Schobergruppe. Der Hochschober ganz rechts.