Der ungeliebte Beruf

> "Johann Stüdls Vater"  hatte 1845 das Wohn- und Geschäftshaus am Kleinseitener Ring erworben und dort das gut eingeführte „Colonialwaren-, Wein- und Delicatessengeschäft“ weiter geführt. Er starb am 3. 4. 1858.

Johann (Hans), der Erstgeborene studierte zu dieser Zeit – seinem großen Wunsch entsprechend – an der Polytechnischen Hochschule in  Dresden.  Seine Mutter, Antonie Stüdl versuchte zwar, neben den 3 minderjährigen Kindern auch das Geschäft zu führen, doch war sie damit naturgemäß überfordert.

Ihr Bruder Johann, ("Onkel Duschanek") richtete an Hans den dramatischen Appell „Komm nach Hause und übernimm das Geschäft, sonst geht die Familie zugrunde!“ Siehe > "Kindheit und Jugend / Tod des Vaters")

Nur widerwillig kam Hans dieser Aufforderung nach, doch schließlich obsiegte das ihm angeborene Pflichtbewusstsein, und er leitete – zunächst für seine Mutter – den Betrieb - mit Erfolg, wie wir gleich vorweg anerkennen müssen. Er hatte sich allerdings eine Last aufgeladen, die er nur ungern trug. Oft liest man in seinen Briefen von „der Düsternis der Schreibstube und des Lagers“  und, wie „nüchtern und freudlos“ ihm sein Beruf erschien.

Immer wieder erfährt man auch von seiner Lungenschwäche, die ihn oft genug ans Bett fesselte. Wenn man daneben aber seine Ausdauer und Leistungsfähigkeit in den Bergen bewundert, so kann man nicht umhin, psychosomatische Ursachen für seine Krankheiten verantwortlich zu machen.

Tastsächlich erkannte und anerkannte Stüdl erst in seinen späten Jahren, dass er nur durch diesen Beruf die Mittel zur Verfügung hatte für seine Investitionen in den Bergen, für die Wohltaten gegenüber der bitterarmen Bergbevölkerung, ja, auch für die Möglichkeit, über längere Zeiträume von Zuhause weg zu bleiben, um seiner großen Leidenschaft dem Bergsteigen nachgehen zu können.

Allerdings sorgte er dafür, dass er auf seinen Reisen so oft als möglich per Post, oder telegrafisch erreichbar war, indem er eine sehr genaue Reiseplanung vornahm.

Das nachfolgende, von Stüdl handgeschriebene Dokument (mit Abschrift) zeigt, wie eine derartige Planung ausgesehen hat.

Vermutlich fand diese Rundreise 1885 statt, weil in diesem Jahr die Generalversammlung des DuÖAV für den 16. August in Villach angesetzt gewesen war. 

"Der Buschek"

Dass er seinem Geschäft oft für einen längeren Zeitraum den Rücken zukehren konnte, verdankte er zunächst seiner Mutter, später einem Mann, den er einst als Lehrbuben aufgenommen hatte, der willig und eifrig den Kaufmannsberuf von der Pieke auf erlernte, und als Prokurist praktisch unersetzlich war: Vinzenz Buschek.

Dieser beherrschte mehrere Fremdsprachen und erledigte gewissenhaft die Korrespondenz, den Einkauf, Verkauf und das Rechnungswesen. „Eine Arbeitskraft, wie wir sie wohl nie mehr bekommen können!“, schrieb Stüdl 1921 an seinen Nachfolger in der Sektion Prag, Prof. Geßner.

Als Stüdls Fahrten in die Berge weniger wurden, und er selbst die Geschicke seines Hauses leiten konnte, war es für Buschek Zeit eine eigene Familie zu gründen, und er verließ das Geschäft. Wenn aber Not am Mann war, dann half er gerne aus, und in späten Jahren wurde er der unersetzliche „Sekretär“ der Sektion Prag.

 

 
Weiter: > "Ein Haus mit großer Geschichte"

Andreas Stüdl, der Vater starb am 3. 4. 1858.
Die Mutter, Antonie Stüdl versuchte zunächst, das Geschäft alleine zu führen.
Vinzenz Buschek, als Lehrling ins Geschäft aufgenommen, wurde Stüdls unentbehrlicher Helfer und Prokurist.