Geschätzt und hochgeehrt

Mannigfaltig waren die Ehrungen, mit denen Stüdls Leistungen gewürdigt wurden. Nicht alle können hier aufgezählt werden, zumal Stüdl selbst lieber im Stillen wirkte.

Nur selten trug er deshalb auch seine Orden, wobei sich zu den bereits erwähnten am 2. Feber 1899 noch die "Dekoration des Ritters des Kaiser-Franz-Josef-Ordens" hinzukam.

Möglicherweise im Zusammenhang mit seinem Engagement im Bergtourismus und Alpenverein stehen die Verleihungen des königlich preußischen Roten Adler - Ordens und des königlich bayrischen Verdienstorden des hl. Michael IV. Klasse mit der Krone.

Viel mehr als alle diese Orden, freute ihn sicher die Ehrenbürgerschaft von Kals (1872), Sulden, Matrei und Matsch, die ihm von den dankbaren Bewohnern verliehen wurde. Man anerkannte damit, dass zunehmender Wohlstand und bessere Perspektiven für die Zukunft zu einem guten Teil seinem Wirken zuzuschreiben waren.

In Sulden wurde sogar schon zu seinen Lebzeiten ein Denkmal errichtet, um die Dankbarkeit der Bevölkerung auszudrücken.

Die Glocke des "Glocknerherrn".

In Kals hatte sich Stüdl auch für neue Glocken in der Pfarrkirche eingesetzt, und wohl auch ein ordentliches Scherflein dazu beigetragen. Er gewann aber auch mächtige Sponsoren, allen voran den Habsburger Erzherzog Ferdinand und den Prager Erzbischof Fürst Schwarzenberg.

So konnte man 1872 in der Gießerei Johann Graßmayr in Wilten ein neues Geläute, bestehend aus fünf Glocken bestellen: "Des" mit 28 Zenten, "F" mit 14 ½ Zenten, "As" mit 8 ½ Zenten, "Des" mit 3 ½ Zenten und "F" mit 1 ¾ Zenten. Vier Glocken des alten Geläutes mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 19 Zenten wurden an den Glockengießer um 879 fl und 40 kr abgeliefert, während die Gesamtkosten der neuen Glocken samt Eisenbeschlägen (520 fl und 20 kr) und Weihe (20 fl und 40 kr) auf 5 338 fl zu stehen kamen. 

Das Sterbeglöcklein wurde noch vom alten Geläute belassen, sodass die Pfarrkirche dann insgesamt sechs Glocken zählte.

Die größte Glocke trug die Inschrift: "Benefactor maximus Johann Stüdl" und wurde auf seinen Namen getauft.

Mehr darüber lesen Sie auf der Seite > "Lesestoff / Die Glocke des Glocknerherrn". 

 

 

Natürlich bezeugten auch Geschäftsfreunde Johann Stüdl ihre Wertschätzung, wie zum Beispiel die Firma Kleinoscheg, die anlässlich des 150jährigen Bestehens des Stüdl'schen Geschäftes eine aufwendig gestaltete Glückwunschkarte mit einem heiteren Gedicht übersandte.

Johann Stüdls 70. Geburtstag.

Anlass für Ehrungen und Geschenke war auch Stüdls 70. Geburtstag. Gattin Hermine gibt in einem Brief an ihre Schwester Marie Neugebauer einen detaillierten Überblick über den Ablauf des Festtages.

Brief von Hermine Stüdl an ihre Schwester Marie Neugebauer mit einem detaillierten Bericht über den 70. Geburtstag ihres Gatten Hans ("Papa" Johann Stüdl).

Hier eine Abschrift dieses Briefes:

"Liebe theure Marie !                                                       Prag, den 2. Juli 1909

Vor Allem tausend herzinnigen Dank für das prachtvolle Lebensschiff in Blumen mit der Rosenzahl 70 zum Festtag meines guten Mannes! Eure Festspende war der Glanzpunkt sämtlicher Blumenarrangements! Über 1 Meter hoch steht das Schiff noch heute in der Ecke des Speisezimmers bei der Kredenz. Noch immer eine Zierde!

Der Festtag verlief glänzend: 188 Telegramme und 300 Gratulationen als Karten und Briefe. Zuerst kam ganz München hereingeflogen, später erst die Korrespondenz.

Ich teile Dir im beiliegenden Bogen mit, was für prachtvolle Sachen sich hier eingefunden haben.

Schon am Freitag nachmittag wurde Hans in der Böhmischen Sparkasse eine Ovation dargebracht.

Am Samstag vormittag erschien das Handels Gremium, wo Herr Pillo eine Ansprache an Hans hielt.

Nachmittag war Hans auf 6 Uhr zur Sitzung im Klarischen Institut eingeladen. Es war aber nur eine großartige Ovation zum 70. Geburtstag und wurden Lieder gesungen, Ansprachen gehalten und die verschieden Festgeschenke überreicht.

Samstag, NM. 3 Uhr kam Gusterl (Die Verlobte von Stüdls Sohn Max) zur Jause und brachte das Brautbild als Geschenk für Papa, zu welcher Zeit wir uns mit unseren Gaben ebenfalls angereiht haben. Es war festlich schön.

Am Sonntag VM. kamen allerhand Herren gratulieren, dann um 11 Uhr der Ausschuß des D.u.Ö.Alpenvereines, wo eine Ansprache gehalten wurde und das Broncebild (Foto rechts) überreicht wurde.  Sehr groß! Festgrüße Herr Dr. Karl Urban. Frau Dr. Becker, Mitzi Mehrle etc. Siehe auch > "Der Alpenverein / Feste und Feiern".

Abends Festtafel für den Ausschuß des Alpenvereines 15 Personen!

Zum Glück hat Hans den Tag gut überstanden. Die Bewältigung der Schriftstücke wird noch einige Zeit dauern.

1000 herzliche Grüße und Dank Dir und Deinem lieben Mann von uns allen!

                                                                                            Hermine"

 

Dem Schreiben angefügt ist eine genaue Aufstellung aller Geschenke.

Die Liste der Geschenke. Im Folgenden die Abschrift dazu.

"Aufzeichnung der verschiedenen großartigen Ehrungen des Papa's Johann Stüdl's zum 70. Geburtstag:

1 weiches Ziegenleder-Etui mit Portrait des Fürsten Max Egon Fürstenberg (Bronce Medaille) und sehr lieben eigenhändig geschriebenen Brief (als Bild zum Stehen).

1 Gemälde des Klarischen Blindeninstitutes mit dem allerneuesten Zubau. Modern gemalt von Fräulein Sieburger.

1. Mappe Ehrenmitgliedernennung (der Sektion Prag, 2 Aufnahmen rechts)

2. Mappe von d. Lehrern u. Lehrerinnen des Klarischen Institutes

3. Mappe Dichtung von einem Blinden u. Tauben gedichtet, geschrieben,  überreicht.

1 Silberblumenkörbchen von Tante Minna / wunderschön

vom DuÖAV                                                                                                          1 großes Bronce-Bildnis von Papa !!!  (Foto rechts oben)                                     

1 Bild vom Brautpaar  

1 Prachtwerk von Dr. Hans Mayer's Reisen in Ostafrika

1 Dolomitenstraße

1 Blumenarangement 1 Meter hoch, Lebensschiff mit Zahl 70 von Neugebauers

1 Lebensschiff 70 ! von M.W.Dr. Rhon 

1 Korb Blumen / mit Wurzel, prachtvoll von Seniorenbunddirekt. Rolf

1 gelbes Rosenbouquet von Herrn und Frau Volz

Rosenbouquet von Herrn  Ginsel und Photographie             

1 Blumenarrangement von Herrn Walenta

1 Blumenarrangement von Onkel Heinrich

1 elektrische Beleuchtung für Papas Schreibstube von Familie Hofmann

3 Prachtwerke: I Tirol, II Alpen Landschaften, III Alpen Landschaften

1 Dichtung von Fritz Reinitzer (Schwiegersohn)

1 Dichtung von Ismene (Tochter)

1 großes Plüsch - Fauteuil

Ilse, Gerda (Enkelinnen) Zeichnungen u. Teppich-Stickerei

Diemo (Enkel) Pilze aus Lehm

1 große frische lebende Palme mit Ständer vom Ladenpersonale"

"Die Fülle von Ehrungen und Aufmerksamkeiten", wie er sie sich "auch im Fabelhaftesten nicht träumen ließ, und es nicht für möglich hielt" ... "waren so lieb und herzlich, dass ich von allem dem tief erschüttert bin.", bekannte Stüdl in seinem Brief vom 2. Juli 1909 an seinen Schwager Gustav Neugebauer.

Wahrscheinlich hätte es sich Stüdl auch nicht träumen lassen, dass man später sogar eine Straße nach ihm benannte. Im Norden von München, in Feldmoching findet man die Stüdlstrasse;

... oder hier:
http://www.google.de/searchclient=qsbwin&rlz=1R3GGLL_
deAT352AT353&hl=de&q=M%C3%BCnchen+
St%C3%BCdlstrasse

 

Weiter: "In schwerer Zeit"

 

Es gibt nur diese eine Aufnahme von 1899, die Johann Stüdl als Träger des Kaiser-Franz-Joseph-Ordens (zusammen mit dem päpstlichen St. Sylvester-Orden) zeigt. Ob er die anderen Orden überhaupt je getragen hat, ist nicht bekannt.
Einladung zur Enthüllung der Gedenktafel für Johann Stüdl in Sulden am 22. August 1897.
Dieses Bronzerelief, gestaltet von Franz Einsiedler, war ein Geschenk des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. (Siehe 4.-letzter Absatz in nebenstehender Briefabschrift und 8. Absatz der Abschrift der Geschenkeliste.)
Die Samtmappe ...
... mit der Urkunde zur Ehrenmitgliedernennung. Ein Geschenk der Sektion Prg an ihren langjährigen Obmann. (Siehe Zeile 5 der nebenstehenden Abschrift der Geschenkeliste.)