Die Eltern

Der Vater, Andreas Stüdl, geboren zu Ottenschlag (lt. Probsteiamt Neuhaus) am 10.11.1801, war Angestellter, später Geschäftsführer des Handelshauses von Johann Havranek, Prager Kleinseite 261. Er heiratete am 11. 2.1838 Antonia Duschanek, geboren am 19. 4. 1814 in Prag. Die Familie wohnte im Haus Kleinseite 150 im 3. Stock, wo auch der erstgeborene Sohn Johann das Licht der Welt erblickte. 1839 wurde Vater Stüdl Bürger der Stadt Prag.

1845 kaufte er von Johann Hawranek das Wohn- und Geschäftshaus in der Prager Kleinseite Nr. 271 (heute "Malostranské Námĕstí", zu Deutsch: "Kleinseitner Ring" Nr. 22) und übernahm auch das darin befindliche "Colonial- Wein- und Delicatessengeschäft".

Andreas Stüdl dürfte in diesem Haus schon früher gewohnt, oder vielleicht auch in dem Unternehmen gearbeitet haben, denn es findet sich in einem alten Gewölbe (heute Lagerraum) zusammen mit anderen Signaturen auch seine Unterschrift aus dem Jahre 1829.   

Vom Verhältnis Johann Stüdls zu seinem Vater, wissen wir nur wenig. Es ist aber bekannt, dass die Anlagen des Knaben nach besten Kräften gefördert wurden.

Obwohl der Vater ihn gerne zum Nachfolger im Geschäft erzogen hätte, durfte er das Gymnasium besuchen, erhielt zusätzlichen Zeichen- und Malunterricht und schließlich entsprach der Vater dem inständigen Drängen und Bitten und erlaubte Hans das Technik- und Chemiestudium an der Universität in Dresden.

In einem Ansuchen zur Ausstellung eines Reisepasses war als Berufsbezeichnung ("Charakter oder Beschäftigung") Johann Stüdls "Techniker" angegeben.

Doch am 3. 4. 1858 starb Andreas Stüdl plötzlich an einer Lungenentzündung. Der frühe Tod des Vaters, vor allem aber die Notwendigkeit, nun doch den ungeliebten Beruf des Kaufmannes auszuüben und das Geschäft zu übernehmen, waren für Hans ein schwerer Schlag. (Siehe > "Kindheit und Jugend / Tod des Vaters"sowie > "Das Geschäft / Der ungeliebte Beruf")

Die Mutter, Antonia Stüdl, Tochter des gräflich Kinskyschen Mundkochs Anton Duschanek und seiner Frau Eva (geb. Bartl), geboren in Prag am 3. 4. 1814 war eine sehr sozial eingestellte Frau und durch viele Jahre Mitvorsteherin der Kleinseitner Kleinkinderbewahranstalt. Viele Dankschreiben des Landesschulrates, bzw. der Stadthalterei belegen ihr Engagement.

Nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten, versuchte Antonia Stüdl das Geschäft selbst zu führen, war aber als Mutter von 5 Kindern (2 waren schon früher gestorben) damit naturgemäß total überfordert.

Antonias Bruder Johann ("Onkel Dusanek"), drängte den jungen Hans, sein Studium aufzugeben und gemeinsam mit seiner Mutter das Geschäft zu führen. (Siehe  > "Das Geschäft in Prag / Der ungeliebte Beruf")

Sicher verdankte es Johann Stüdl seiner Mutter, dass er oft längere Zeit vom Geschäft abwesend sein konnte, um seine Wanderungen und Bergtouren zu unternehmen, wenn diese gelegentlich auch mit Einkaufsfahrten nach Italien, Griechenland und in die Türkei verbunden werden konnten.

Anlässlich seiner Hochzeit 1872 übergab Antonia Stüdl ihrem Sohn das Geschäft als alleinigen Inhaber.

Antonia Stüdl starb am 11. 2. 1879 nach kurzem Leiden an Entkräftung.

Die Todesnachricht und der Nachruf in der deutschsprachigen Zeitung "Bohemia" zeugen von der Wertschätzung für diese außergewöhnliche Frau und ihr selbstloses, wohltätiges Wirken.

Vater Andreas Stüdl
Andreas Stüdl
Konskriptionsbogen der Familie Andreas und Antonie Stüdl. (Original im Tschechischen Staatsarchiv in Prag.) Von den 8 Kindern starben 3 schon im Kleinkindalter. (Lesen Sie auf der Seite "Kindheit und Jugend / Ludwig" über das Kindergrab der Familie Stüdl.)
Ausschnitt aus einer "Pass-Tabelle" zum Antrag auf einen Reisepass (Original im Tschechischen Staatsarchiv in Prag). Bei der Berufs-bezeichnung ("Charakter oder Beschäftigung") für Johann Stüdl ist "Techniker" angegeben.
Mutter Antonia Stüdl
Antonia Stüdl geb. Duschanek
Antonia Stüdl - die Witwe
Sterbeanzeige für Antonia Stüdl in der Zeitung "Bohemia".
Nachruf für Antonia Stüdl in der Zeitung "Bohemia".