Olga

Olga 5 Monate alt.

Am 8. Dezember 1873 wurde in Prag Olga Stüdl geboren und machte das Glück der Eltern, Hans und Hermine perfekt.

Das Foto zeigt Olga Stüdl auf dem Dach einer Almhütte bei Berchtesgaden im September 1895.

Die Erstgeborene, geriet in vielem ihrem Vater nach. Auch sie trieb es in die Berge. Oft begleitete sie ihn auf seinen Wanderungen und Bergfahrten. So hat sie mit ihm - vermutlich mehrmals - den Ortler erstiegen. Mehr und mehr aber unternahm sie große Touren auch alleine mit einem ihr vom Herrn Papa empfohlenen Führer, oder mit Mitgliedern der Sektion Prag des Alpenvereins.

Wie ihre Mutter, war auch sie Mitglied des Damen-Komitees für die Neue Prager Hütte. (Siehe > "Gattin Hermine")

Später unterstützte Olga ihren Vater bei der Überwachung der Stüdlhütte.

 

 

Olga strebte nach Selbständigkeit, weshalb ihr der Vater in dem verträumten kleinen Sommerfrischeort Schelesen bei Liboch an der Elbe nördlich von Prag eine kleine Fremdenpension erwarb.

Durch die gesunde Luft und die freundliche hilfsbereite Art der Gastgeberin entwickelte sich das Haus bald zu einer Art Sanatorium für Kranke und Erholungsbedürftige.

Auch Franz Kafka suchte bei Olga Stüdl Linderung seiner Leiden. Dazu ein Zitat aus der Franz Kafka Homepage: "Daraufhin folgte ein Erholungsurlaub in Schelesen in Nordböhmen. Hier lernte er 1920 auch die, aus einer tschechisch-jüdischen Handwerkerfamilie stammende, Julie Wohryzeck kennen und verlobte sich mit ihr."


Mehr über Franz Kafka finden Sie hier:
http://www.franzkafka.de/franzkafka/das_leben/

Offensichtlich setzte sich Olga Stüdl auch für Kafkas Schwester Ottla bei der Arbeitssuche ein, wie die Nachricht von Franz Kafka beweist, die er seiner Schwester auf einer Postkarte (Stempel Liboch, 17. 2. 1919) schrieb:

"Liebe Ottla, Sonntag zwischen 1 und 3 Uhr erwartet Dich Frl. Olga Stüdl in ihrer Prager Wohnung am Radetzkyplatz. Je pünktlicher Du bist, desto besser, desto empfehlender. Sie hat zwei, allerdings noch fast völlig unsichere Anstellungsmöglichkeiten für Dich, eine davon bei ihrer Tante, deren Mann vorgestern gestorben ist, und die außer andern riesigen Dingen auch ein riesiges Gut hat. Damit der Empfehlungsbrief Frl. Stüdls überzeugter begründet ist, habe ich ihr vorgeschlagen, sie möge mit Dir selbst sprechen. Sag ihr also ausführlich, was Du kannst und willst. - Es ist nun freilich nicht ganz ausgeschlossen, daß Frl. Stüdl am Sonntag noch nicht in Prag ist, dann würdest Du eben den kleinen Weg nutzlos gemacht haben und Frl. Stüdl würde schreiben, ohne mit Dir gesprochen zu haben. Montag bist Du wohl nicht mehr in Prag, sonst könntest Du noch Montag bei Stüdl anfragen. Sonntag geh aber jedenfalls hin. Grüß alle und mach alles gut.       Franz"

(Abschrift aus "Franz Kafka Briefe an Ottla und die Familie" Nr. 70)

Mehr darüber finden Sie hier:
http://www.odaha.com/sites/default/files/BriefeAnOttlaUndDieFamilie.pdf

Olga Stüdl blieb nach dem 1. Weltkrieg in Tschechien, und führte weiterhin ihre Pension in Schelesen.

 

 

 

Sie besuchte von dort aus auch ihren Vater in Salzburg (siehe nebenstehendes Foto).

 

 

 

Die Wirren nach dem 2. Weltkrieg aber überlebte sie nicht. Es ist anzunehmen, dass auch Olga Stüdl nach der Kapitulation der deutschen Truppen im Mai 1945 aus Angst vor Massenterror und Exzessen an Deutschen durch Teile der tschechischen Bevölkerung aus ihrer Heimat geflohen ist, oder sogar vertrieben wurde.

Belegt ist jedenfalls, dass sie im deutschen Landkreis Mecklemburg in diesem Haus (Bild rechts), Warin, Breitscheidstrasse 13 (heute Am Markt 13) wohnte und am 30. Dezember 1946 im 73. Lebensjahr starb. Siehe im folgenden Auszug aus dem Sterberegister des ehemaligen Standesamtes der Stadt Warin.

Die Beisetzung erfolgte am 2. Jänner 1947 auf dem evangelischen Friedhof von Warin, wie aus dem Auszug des Pfarramtes ersichtlich ist:

 

Weiter: > "Ismene"

1875
Olga Stüdl war eine elegante Dame, ...
... die gerne auffallende Hüte trug.
Die ehemalige Pension Stüdl in Schelesen; aufgenommen 2006.
Auf dem Foto oben erkennt man an der vorderen Hauswand links diese Tafel zum Andenken an Franz Kafkas Aufenthalte in der Pension Stüdl.
Olga zu Besuch bei ihrem Vater, Johann Stüdl, in Salzburg.
In diesem Haus in Warin, Breitscheidstraße 13 starb Olga Stüdl. Aufnahme von 1980.