Tod des Vaters

Der 3. April 1858 brachte einen tiefen Einschnitt in das Leben des jungen Hans. Der Vater, Andreas Stüdl, verstarb unerwartet an einer schweren Lungenentzündung im 57. Lebensjahr.

Die Mutter versuchte zwar, das Geschäft alleine weiter zu leiten, doch war sie damit bei Weitem überfordert. Es waren ja noch 3 halbwüchsige Kinder im Haus, während Hans in Dresden sein Chemie-Studium wieder aufgenommen hatte. Tochter Klothilde war 17 und würde bald heiraten, Karl war 12 und Franz gar erst 8 Jahre alt.

Siehe auch > "Die Familie / Die Geschwister" 

Zudem nützte der Buchhalter die schwierige Situation aus und zweigte Gelder für sich selbst ab. Es war ja auch nötig, Reisen zu unternehmen, um Einkäufe zu tätigen. Für eine Frau in der damaligen Zeit, die nur zur Führung eines Haushalts ausgebildet war, eine fast unlösbare Aufgabe. 

Der Bruder der Mutter, Johann Duschanek ("Onkel Duschanek") erkannte die schwierige Situation und forderte Hans auf, sein Studium abzubrechen, um die Mutter bei der Führung des Geschäftes zu unterstützen. Konnte das Schicksal so grausam sein? Er hatte so lange mit dem Vater gerungen, um endlich studieren zu dürfen. Nun sollte er doch den ungeliebten Beruf eines Kaufmannes annehmen müssen. Er wehrte sich - er suchte verzweifelt nach einem Ausweg – und musste schließlich erkennen, dass es keinen gab! Er fügte sich in das Unvermeidliche. Mit der ihm eigenen Fähigkeit stets sein Bestes zu geben, gelang es ihm in kurzer Zeit das Unternehmen wieder in Schwung zu bringen, ja, das Geschäft zu der ersten Adresse Prags zu machen. 

Siehe: > "Das Geschäft / Der ungeliebte Beruf"

Er wurde aber bitter und mürrisch, und, seine zunehmenden gesundheitlichen Probleme (vermutlich Asthma) hatten wohl auch psychosomatische Ursachen. Auf der Kührointalm im Berchtesgadener Land fand er 1861 die Erholung, die er brauchte, um wieder zu genesen. Der Tiermaler Franz Xaver Pausinger, ein Freund Max Haushofers und in Stüdls Alter, war sein Begleiter in dieser Zeit.

Siehe > http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Pausinger

Als Hans wieder gesund  war, wanderte er über Bad Kreuth und den Achensee ins Zillertal und weiter über Krimml Richtung Großglockner bis ins Salzkammergut, ehe er wieder die Heimreise antrat. Die Berge, sie heilten auch seine Seele, wenngleich nur langsam. 

Zurück im Alltag erschien ihm das Leben wieder so freudlos wie zuvor. Das Geschäft war Pflicht, die er nun bestmöglich erfüllte, aber er konnte dem Kaufmannsdasein keine positiven Seiten abgewinnen. Erst in viel späteren Jahren gestand er sich ein, dass dieser Beruf ihm die Möglichkeit und die Mittel verschafft hatte, um seiner großen Passion, dem Alpinismus, nachgehen zu können.

1862 wurde in Wien der Österreichische Alpenverein gegründet, dem Stüdl vermutlich 1866 als Mitglied beitrat. Siehe > "1862:  Der Österreichische Alpenverein".

Geschäftsreisen, die ihn bis nach Norwegen und in die Türkei führten, verband er nach Möglichkeit mit Wanderungen und Bergtouren.

 

 

Weiter: > "Über den Gletscher" 

Andreas Stüdl, der Vater
Auf der Kühroint Alm
Wahrscheinlich ist dieses Bild während oder nach Stüdls Wanderung entlang dem Achensee entstanden.