Die Stüdlhütte in Kals

Es war Sonntag, der 25. August 1867, als Johann Stüdl mit seinem Bruder Franz (siehe > "Die Familie / Die Geschwister") das erste Mal nach Kals kam. In ihrer Festtagstracht boten die Bewohner des kleinen Ortes ein prächtiges Bild, welches Stüdl sofort faszinierte. Die freundliche Aufnahme beim „Unteren Wirth“ tat ein Übriges, dass er sich hier gleich heimisch fühlte.

In den "Wanderungen in der Glocknergruppe" beschreibt Stüdl ausführlich das Örtchen Kals siehe > Seite 333 und auch die Ankunft zusammen mit seinem Bruder in diesem Dorf (siehe > Seite 341).

Kals mit dem "Unteren Wirt". Aus Johann Stüdls Skizzenbuch.

Sehen Sie hier jenen Ausschnitt aus dem Film "Johann Stüdl - Visionär und Erschließer der Alpen", der Stüdls Ankunft in Kals und seine Bedeutung für diesen Ort beleuchtet. Eine Kurzfassung des ganzen Films finden Sie auf der  > "Startseite / der Film".

Das Wetter war schlecht, als Johann und Franz Stüdl in Kals eintrafen; an eine Glockner-Besteigung daher vorläufig nicht zu denken. In der Wirtsstube hörte Stüdl von den Plänen der Kalser, einen neuen Weg über den Südgrat des Berges herzurichten, um den Touristen Kals als Ausgangsort für die Großglockner-Touren schmackhaft zu machen.

Egid Pegger, ein Ingenieur aus Lienz und begeisterter Bergsteiger, hatte die Anregung dazu gegeben. Er hatte mit den Führern Thomas Groder und Josef Kerer am 16. September 1865 den direkten Anstieg über den Südgrat des Großglockners zum 2. Mal versucht und war nach großen Anstrengungen erfolgreich gewesen.

In das "Fremdenbuch von Kals" beim Unteren Wirt  schrieb er einen Bericht über diese Unternehmung. Eine Abschrift dieses Textes finden Sie auf der Seite >"Lesestoff / 17. 9. 1865 Egid Pegger"

Pegger meinte, auch eine Unterkunftshütte sollte gebaut werden, um den mehrere Stunden dauernden Anmarschweg von Kals auf den Glockner-Gipfel in 2 Teilen leichter bewältigen zu können.

Die Kalser – allen voran die Bergführer wollten die Arbeit gerne übernehmen; allein wer sollte die Kosten dafür tragen? Der Pfarrer trat an Stüdl heran, ob er nicht helfen könne. Pfarrer Andreas Lercher gehörte zu jenen Geistlichen, die sich nicht nur um das Seelenleben ihrer Schützlinge bemühten, sondern die auch trachteten, die kärglichen Lebensverhältnisse zu verbessern.

Es war nicht einfach, für den Kaufmann aus Prag. Das Geschäft zu Hause gehörte ja nicht ihm; er führte es damals noch für seine Mutter. Trotzdem versprach er zu helfen, ehe er wieder abreiste.

Dabei dachte er an den Österreichischen Alpenverein dessen Mitglied er war. dieser hatte als eines seiner Ziele in seinen Statuten festgeschrieben: " ... die Reise in die Berge zu erleichtern".

Wie es vor ihm schon dem Kurat von Vent, Franz Senn, ergangen war, erhielt auch Stüdl nur eine vage, ausweichende Antwort vom Alpenverein.

In Wien hatte man nämlich ganz andere Pläne: Eine Hütte im Glocknergebiet sollte errichtet werden, aber nicht auf der Südseite, sondern im Nord-Westen, auf der Wasserfallalpe des Kapruner Tales. Die Vorarbeiten für dieses Projekt waren schon weit gediehen, und in Kals fürchtete man nun, dass die "Erzherzog Rainer Hütte", wie sie heißen sollte, noch mehr Gäste auf die Nordseite des Glockners ziehen würde.

2 Jahre später, am 26. Juli 1869, besuchte Stüdl gemeinsam mit seinem Freund Karl Hofmann im Rahmen der Touren "Rund um den Großglockner" diese Hütte. Sie war übrigens erst ½ Jahr nach der Stüdlhütte fertiggestellt worden.

Lesen Sie im Folgenden, was Stüdl darüber ins "Fremdenbuch von Kals" geschrieben hat: "Im Verlaufe des Nachmittags besuchten wir dieselbe u. fanden sie sehr solid gebaut u. wohnlich eingerichtet. Nur das einzige ist zu bedauern, daß diese Hütte, mit einem so riesigen Kostenaufwand erbaut, kaum einen Büchsenschuß weit von Alphütten steht, wo jeder Tourist eine Unterkunft finden kann, während, wenn die Clubhütte am Mooserboden stünde, der Vortheil, den solche gewähren soll ein größerer wäre."

Nicht zuletzt dieser Hütte wegen, sah sich Stüdl unter Zugzwang. Er wird wohl die Mutter ins Vertrauen gezogen haben. Wie die ganze Familie, war auch Antonie Stüdl sozial sehr engagiert und gab sicher ihre Zustimmung zu dieser Investition. Stüdl sagte also die Finanzierung der Hütte zu und leistete ebenfalls einen großen Zuschuss zur Errichtung des neuen Weges, zu dessen Verwirklichung auch schon der Jura-Student aus München, Karl Hofmann, einen namhaften Beitrag deponiert hatte. Nun ging man in Kals mit viel Energie daran, die beiden Projekte (Weg und Hütte) zu verwirklichen.

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