Der 1. Weltkrieg

Bald aber brachen schwere Zeiten an für Johann Stüdl und seine Hütte. Der erste Weltkrieg mit seinen politischen Folgen veränderte Johann Stüdls Leben grundlegend. Er verkaufte Haus und Geschäft in Prag und zog nach Salzburg. Siehe: > "Salzburg".

Seine Sorge galt sogleich seiner Hütte, die in den Kriegsjahren nicht bewirtschaftet war. Bei seinem 1. Besuch nach dem Krieg (1919) fand er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt:

Die Hütte nach dem 1. Weltkrieg 1919

Fensterscheiben waren zerbrochen, einige Fensterläden fehlten, das Dach war nicht mehr dicht, der Fußboden zum Teil verfault und auch die Inneneinrichtung hatte gelitten und sollte erneuert werden.

Nun aber war Johann Stüdl kein reicher Mann mehr, der leichten Herzens Geld in seine Hütte investieren konnte. Die Inflation hatte sein Barvermögen aufgefressen. Schweren Herzens wandte er sich erstmalig an den Zentralausschuss des Alpenvereines und bat um Hilfe.

Brief von Johann Stüdl an den Zentralausschuss des DuÖAV mit der Bitte um finanzielle Hilfe bei der Instandsetzung der Stüdlhütte nach dem 1. Weltkrieg.

Wie schwer musste ihm dies gefallen sein!

Dabei hoffte er im Juli 1920 noch, die Kosten für die Instandsetzung der Hütte selbst tragen zu können und ersuchte den Zentralausschuß lediglich um die Mittel für die Gangbarmachung des Weges; Im Jänner des folgenden Jahres musste er sich und dem Verein jedoch eingestehen, dass er auch die Mittel für die Hütte selbst nicht mehr aufbringen konnte.

Natürlich wurde ihm die Hilfe gewährt - großzügig - wie Stüdl in seinem Dankschreiben vom 6. März 1921 hervorhebt.

Hier finden Sie die Abschrift aller drei Texte: > "Lesestoff / Briefe an den Zentralausschuß".

Nun konnte wieder ans Werk gegangen werden. Stüdl selbst überwachte in den nächsten beiden Jahren die Instandsetzungsarbeiten. Noch mit 83 Jahren, auf einem Muli reitend, besuchte er die Hütte, um nach dem Rechten zu sehen. Zufrieden konnte er dann auf der Bank vor der Hütte (Foto) sitzen und den Blick zu den Bergen schweifen lassen, die er einst in wildem Ungestüm erobert hatte.

Dann aber war auch seine Lebensuhr abgelaufen. Am Sterbebett noch verlangte er nach seinen Nagelschuhen und der Bergausrüstung. Mit ihnen wollte er wohl den Weg in die Ewigkeit gehen. Am 29. Jänner 1925 hat er diese Welt für immer verlassen und wurde in der Familiengruft auf dem Salzburger Kommunalfriedhof bestattet. Mehr darüber: > "Salzburg / Der Schatten des Todes" 

 

Weiter: "Die Stüdlhütte und die Sektion Prag"

Die erste Hüttentafel der Stüdlhütte (ab etwa 1904 bis 1925 in Verwendung)
"Die Stüdlhütte" kolorierte Zeichnung von Mühlfellner 1921
Kostenaufstellung für die Sanierung der Stüdlhütte nach dem 1. Weltkrieg. Text in Druckschrift
Dankschreiben von Johann Stüdl an den Zentralverein des DuÖAV für die gewährte Unterstützung zur Sanierung der Stüdlhütte. Text in Druckschrift
Johann Stüdl im 83. Lebensjahr zufrieden vor seiner Hütte (1921).