Geschenk oder Last

1873

Wie wichtig die Stüdlhütte für den Glocknertourismus wurde, zeigte sich schon bald: Wegen des großen Andranges war bereits 1872 und neuerlich 1873 eine Erweiterung nötig. Stüdl zeichnete selbst die Pläne dafür. 

Schon vorher, am 26. September 1869, hatte er vor den Zeugen Pfarrer Lercher und Carl Hofmann die Hütte seinem Lieblingsführer Thomas („Thomele“) Groder geschenkt, mit der Verpflichtung „zum Ausbau der Hütte, zur wohnlichen Erhaltung und im Bedarfsfalle Erweiterung“ zu sorgen.

Stüdl bedachte dabei nicht, dass die vielen anderen Helfer aus Kals sich zurückgesetzt fühlten, und böses Blut entstand. Außerdem erfüllte der Beschenkte seine Erwartungen nicht. Vor allem, als Thomeles Bruder, der Glocknerwirt, starb und er den Gasthof erbte, kümmerte er sich fast gar nicht mehr um die Hütte auf der Vanitscharte. Die ehemaligen Freunde wollten ihm nicht mehr helfen, auch nicht gegen Bezahlung. Eine notwendig gewordene Erweiterung ließ er durch einen italienischen Arbeitstrupp ausführen, und auch das Dach notdürftig decken, ab dann aber verfiel die Hütte zusehends.

Ein tiefer Riss ging durch den Führerverein, dessen Obmann Thomas Groder noch immer war. Die anderen Bergführer wollten ihm die Hütte abkaufen, um die er sich nicht mehr kümmerte. Aber da blieb Thomele stur! Das war seine Hütte, und was er damit tat oder nicht tat, ging niemanden etwas an! Auch als Stüdl 1877 selbst kam, um nach dem Rechten zu sehen, die Hütte fast verfallen vorfand und sie zurückforderte, beharrte sein ehemaliger Tourengefährte auf seinem Recht als Besitzer.

Um eine unverhältnismäßig hohe Summe kaufte Stüdl seine Hütte wieder zurück und gab sie bis an sein Lebensende nicht mehr her.

Damit auch ja nichts mehr schief gehen konnte, erwarb Stüdl auch den Grund für die Hütte, wie man dem nebenstehenden Grundbuchsauszug entnehmen kann.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die darin enthaltenen Verfügungen für den Fall seines Ablebens. Ausdrücklich ist festgehalten, dass seine Erben die Hütte der Sektion Prag zu schenken hätten, soferne sie nicht in der Lage wären, sie selbst zu bewirtschaften bzw. sich um ihre Bewirtschaftung zu kümmern. Er konnte damals noch nicht wissen, welche wirtschaftlichen Nöte ihn und seine Familie einst treffen würden, dass er deshalb in seinem Testament den Verkauf der Hütte an die Sektion Prag verfügte.

 

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Stüdl zeichnete den Plan zur ersten Erweiterung der Hütte
"Thomele" - Thomas Groder
Auszug aus dem Hüttengrundbuch