Johann Stüdl und "seine" Hütte

Seine Hütte! Zwar lag die organisatorische Betreuung in den Händen der Sektion Prag, und wurde als Alpenvereinshütten-Bestand geführt, doch besuchte sie Stüdl bis ins hohe Alter regelmäßig um nach dem Rechten zu sehen.

Aus eigenen Mitteln sorgte er für Um- und Ausbauten und verbesserte die Einrichtung, solange er die Möglichkeit dazu hatte.

1877 entpuppte sich gleich als Erfolgsjahr: Man zählte 100 Besucher. 74 davon erstiegen den Großglockner, darunter 5 Damen. In den folgenden Jahren wurde das Inventar ergänzt bzw. verbessert und 1982 gab es wieder eine bedeutende Erweiterung.

Bauplan von Johann Stüdl gezeichnet 1882

Der Anbau enthielt im Erdgeschoß ein Schlafgemach und eine Vorratskammer sowie im Obergeschoß 2 Schlafräume unter dem Dach.

Ab dem darauffolgenden Sommer 1883 wurde die Hütte dauernd bewirtschaftet, und war damit Beispiel gebend im Hochgebirge. Die erste Hüttenwirtin war Magdalena (Leni) Steiner aus Matrei.

Stüdl investierte auch weiterhin in seine Hütte. Einrichtungen wurden erneuert oder vervollständigt. Schließlich erfolgte 1892 neuerlich eine umfangreiche Erweiterung. 30 Personen konnten nun hier übernachten. 1903 kamen noch ein weiterer Vorraum und ein eigenes Speisezimmer dazu. Alle Wohn-und Schlafräume waren vertäfelt und boten dem Gast beinahe den Komfort, den er sich im Tal erwartete.

Der neue Reitweg

Die Erweiterung und Bewirtschaftung der Hütte erforderte auch den Ausbau des Weges aus dem Ködnitztal zum Reitweg, um die Versorgung der Gäste zu sichern. Drei Brücken mussten gebaut werden, damit man ab 1894 auf Pferden von Kals bis zur Schwelle der Hütte gelangen konnte. Die Kalser Bergführer haben mit diesen Bauwerken Johann Stüdl ihre Dankbarkeit erwiesen.

Anläßlich der Einweihung des neuen Reitweges wird folgende Geschichte erzählt: "Stüdl bestieg im Tal ein Muli, um auf dessen Rücken zu seiner Hütte hinauf zu reiten. Dort hatte sich schon die Blasmusik postiert, Böller waren vorbereitet, und die Bergführer erwarteten den Ankömmling.

Stüdl aber, großen Feierlichkeiten eher abhold, bat einen bergauf gehenden Touristen, an seiner Stelle mit dem Muli weiterzureiten; die Rückseite schmerze schon zu sehr! Dieser, vom langen Anmarsch bereits ermüdet, ergriff gerne die Chance und ritt zur Hütte hinauf, wo er mit Böllerschüssen und Musik empfangen wurde.

Mit Schalk in den Augen erreichte schließlich auch Stüdl - zu Fuß - seine Hütte." Um ausgiebiges Feiern wird er wohl trotzdem nicht herum gekommen sein!

Leider gab es auch Jahre, die brachten nicht Grund zum Feiern, sondern Probleme und Sorgen: 1897 wurde die Hütte durch einen schweren Sturm arg in Mitleidenschaft gezogen und Stüdl musste tief in seine Taschen greifen, um die Schäden zu beheben.

Auch die Sicherungen am neuen Kalser Weg über den Stüdlgrat - durch Wetterunbilden wie Sturm und Blitzschlag stark beschädigt - verlangten neue Investitionen.

Schließlich wurde bis 1906 auch der landschaftlich lohnendere Weg durch das Teischnitztal besser ausgebaut und neu markiert.

 

 

Hoher Besuch.

König Friedrich August von Sachsen

Die Stüdlhütte war jetzt für hohen Besuch bestens gerüstet, und solcher wurde am 1. August 1910 vom „kaiserlichen Rat“ Johann Stüdl willkommen geheißen:

König Friedrich August von Sachsen hatte zuvor schon die Prager Hütte besucht und den Großvenediger bestiegen. Bei herrlichem Wetter gelangte er am 2. August mit seiner Begleitung auf den Großglockner und war voll des Lobes über die Einrichtung der Stüdlhütte und die gute Verpflegung in derselben. Zum Dank schenkte er dem Eigentümer ein Bild, das ihn im Touristenanzug mit Bergstock zeigt. Es gehört auch heute noch zum Inventar der Stüdlhütte.

Lesen Sie, was Johann Stüdl über den Besuch des Königs im "Fremdenbuch  von Kals" schreibt:  

 

"2. – 4. August                               Johann Stüdl                                     Prag 

 

       Gelegentlich einer Inspektionsreise der Hütten der Sektion im Venediger- und Glocknergebiete wurde demselben das Glück zutheil, seine Majestät den König von Sachsen auf der Prager- und auf der Stüdlhütte als hochverehrten Gast empfangen zu können.

       Am 29. July kam seine Majestät um 8 ½ abends mit den beiden Prinzen auf der Prager Hütte trotz dem 10-stündigen Marsch von Schloß Weißenstein frisch und munter an und übernachtete daselbst. Am 30. July wurde der Großvenediger bei ziemlich gutem Wetter bestiegen. Leider trat beim langen Aufstieg Nebel ein und verhinderte die Aussicht. Als die Gesellschaft den Abstieg gegen die Defregger Hütte unternahm, wich der Nebel und bot eine herrliche Aussicht gegen Süden.

       Am 1. August unternahm s. Majestät in Begleitung des Adjutanten Herrn Major von Schmalz und Führern etc. von Huben aus den Aufstieg zur Stüdlhütte, wo er um 8 ½ Uhr abends eintraf und daselbst nächtigte. Am 2. August, 4 Uhr früh wurde aufgebrochen u. der Großglockner bei denkbar schönstem Wetter erreicht. Sr. Majestät verblieb 5/4 Stunden am Glocknergipfel und war über die großartige, überaus klare Aussicht hochentzückt. Er kehrte zur Stüdlhütte zurück, wo das Mittagessen eingenommen wurde und trat um 3 Uhr nachmittags den Abstieg nach Huben an, wo die Wägen zur Heimfahrt nach Schloß Weißenstein seiner harrten.

       Sr. Majestät war von der ganzen Tour hochbefriedigt und äußerte wiederholt, daß diese Bergpartie die schönste und genußvollste gewesen, die er je gemacht und die er zeitlebens in der angenehmsten Erinnerung bewahren  werde.

       Auf der Adlersruhe schrieb s. Majestät eine Ansichtskarte an s. Majestät Kaiser Franz Josef nach Ischl mit folgendem Wortlaute: Freut mich, Dir mittheilen zu können, daß ich als erster regierender Fürst den König Deiner Hohen Tauern bei denkbar schönstem Wetter bestiegen habe. Der Großglockner ist unübertrefflich schön! 

                              Friedrich August, Adlersruhe, 2. August 1910 "

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1895
1903
Die Hüttenwirtin mit ihren Brüdern, der Melkerin und der Köchin 1904. Wer kennt die Namen? Schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Sie's wissen: stuedlweb@live.de
1906 Zeugnis für die Wirtschafterin der Stüdlhütte Hermine Egger
War dieses Mädel Hermine Egger? Wer kann uns bei der Lösung dieses Rätsls helfen? Melden Sie sich bitte auf unserer Kontaktseite.
Aus dem Heimatmuseum der Gemeinde Kals am Großglockner.
Die Stüdlhütte mir Gaupe. Nach 1910
Die Stüdlhütte, Ölbild von E. T. Compton. 1912