Die Stüdlhütte und die Sektion Prag

Aufnahme von 1926. So sah die Stüdlhütte bei der Ubernahme durch die Sektion Prag aus.

In seinem Testament hatte Johann Stüdl im Punkt VII folgendes festgelegt:

 „Die mir gehörige Unterkunftshütte auf der Vanitscharte am Fusse des Großglockners bei Kals in Tirol, welche meinen Namen trägt, gehört zu meinem Nachlasse. Da die Erhaltung dieser Hütte seit ihrem Bestande alljährlich erhebliche Summen beanspruchte und daher eine schwere Belastung des Nachlasses bildet, ordne ich an, dass die Hütte aus dem Nachlasse verkauft werde. Es sollen also nach meinem Ableben baldigst Unterhandlungen mit dem Deutschen Alpenverein in Prag, welcher ein Vorkaufsrecht bezüglich der Hütte besitzt und mit dem Hauptausschuss des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zum Zwecke der käuflichen Übernahme der Hütte und Erhaltung derselben zu alpinen Zwecken eingeleitet werden, wobei die Verhandlungen auf der unabänderlichen Grundlage zu pflegen sind, dass der Name Stüdlhütte dieser Hütte für alle Zukunft gewahrt bleiben muss.“ 

Im Auszug aus dem Hüttengrundbuch betreffend die Stüdlhütte (siehe:  > "Geschenk oder Last" ) hatte Stüdl noch verfügt, dass seine Erben die Hütte der Sektion Prag schenken sollten, soferne sie nicht in der Lage wären, diese selbst zu bewirtschaften. Die wirtschaftliche Situation seiner Familie 1925 gestattete allerdings diese Großzügigkeit nicht mehr! 

Für den Deutsche Alpenverein Prag, Rechtsnachfolger der Sektion Prag, deren Obmann Johann Stüdl 50 Jahre lang war, war es eine Ehrensache, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, und die Hütte zu erwerben, auch wenn dessen finanzielle Situation dadurch ebenfalls schwer belastet wurde.  Am 23. Juni 1925 unterfertigte Stüdls Nachfolger Prof. Dr. Ing. August Geßner als Obmann den Kaufvertrag. Schon bald nach der Übernahme wurden notwendige Aus-und Umbauten getätigt. 

Durch den Ausbau der Fahrstraße von Huben nach Kals gab es erstmals einen regelmäßigen Kraftwagenverkehr mit Lienz, was natürlich auch zu einem Aufschwung des Tourismus führte. Der weitere Ausbau bzw. teilweise Neubau der Hütte stand aber unter keinem guten Stern. Die extrem schlechten Witterungsbedingungen im Sommer 1927 zwangen zu einer vorzeitigen Einstellung der Bauarbeiten. Außerdem erwies sich die Wahl des Bauunternehmers als Missgriff. Der Vertrag wurde gelöst, und der Hütten-Rohbau musste ungenügend geschützt den Hochgebirgswinter überdauern. Die neue Bauleitung machte sich aber nun energisch ans Werk, sodass die Hütte schon ab Juli wieder Besucher aufnehmen konnte. Ein schwerer Wintersturm riss das Dach zur Hälfte in das Ködnitztal.

Prof. Dr. Geßner bei der Festansprache

Trotzdem konnte der Bau bis zum Sommer fertiggestellt werden, sodass der feierlichen Eröffnung am 22. Juli 1928 nichts mehr im Wege stand. Johann Stüdls Enkel, Hansmax Stüdl, war bei dieser Feier anwesend und überbrachte die Grüße der Familie. Die Festansprache hielt der Obmann Dr. Gessner. Nachzulesen ist diese hier: >  "Lesestoff / 1928 Festansprache".  

1929 war ein Rekordjahr mit über 3 000 Besuchern auf der Hütte.

1931 wurde eine Fernsprechleitung von Kals zur Glorer- und Stüdlhütte gelegt. Dabei kam es leider zu einem tödlichen Unfall: Der Kalser Bergführer Alois Luckner verlor durch einen Steinschlag sein Leben. Im Jänner 1932 riss der Sturm neuerlich Teile des Daches in die Tiefe. Es konnte trotz eines Ausmaßes von 88 m2 nicht gefunden werden!

Große Investitionen waren auch im folgenden Jahr notwendig. Das Mauerwerk an der SW-Seite stammte teilweise noch von der alten Hütte und stand außerdem auf schlechtem Untergrund. Es musste daher unterfangen werden. Ein Wasserauffanggraben sollte die Feuchtigkeit von der Hütte wegbringen und die größeren Besucherzahlen verlangten die Anlage einer neuen Wasserleitung bzw. Senkgrube.

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Hüttentafel ab 1927
Große Erweiterung 1928
Die Baustadien der Stüdlhütte von der Errichtung 1868 bis 1928
Einladung zur Eröffnung der erweiterten Hütte
Johann Stüdls Enkel Hansmax bei der Eröffnung der erweiterten Stüdlhütte.