Zeichner und Maler / Die besten Lehrer

Das Zeichen- und Maltalent von Johann Stüdl zeigte sich schon früh, wie wir dem Zeugnis der 1. Klasse der Oberrealschule (1856) entnehmen können, in dem die Bewertung wie folgt lautet: "Lineares Zeichnen: Auffassung: vollständig, Darstellung: richtig, Fortgang: ganz genügend   Freihandzeichnen: Auffassung: richtig, Darstellung: gewandt, Fortgang: vorzüglich."

Außerdem nahm er mit "vorzüglichem" Erfolg am Freigegenstand "Modellieren" teil". 

Ausschnitt aus dem Zeugnis der 1. Klasse der Oberrealschule von 1856.
1855

Von Hans Stüdls Arbeiten in der Schule ist nur diese perspektivische Zeichnung eines Gips-Modelles erhalten. Vermutlich wurde sie für den Freigegenstand "Modellieren" erstellt.

Von Johann Stüdl gezeichnet und benannt:1856 Wartenberg.
Foto

 

Einem User unserer Homepage verdanken wir den Hinweis, dass Wartenberg ein Kurort im "Böhmischen Paradies" (heute: Sedmihorky) war bzw. ist. Dargestellt ist die Burg Hruba Skala, wie das nebenstehenden Reverenzfoto zeigt. (Bessere Fotos sind willkommen. Zusendung per E-Mail an: stuedlweb(at)live.de  _________________________________________________________________

Auch das Bild oben links ist ein frühes "Werk" von Johann Stüdl aus dem Böhmischen Paradies. Der Kurort heißt heute Sedmihorky, hat sich aber sonst kaum verändert, wie das Foto rechts, aus dem Internet, beweist.

Auch dieses frühe Aquarell des jungen Stüdl entstand wahrscheinlich im Böhmischen Paradies. Wer kann diese Vermutung bestätigen oder sogar ein entsprechendes Foto senden?

Bitte per E-mail unter: stuedlweb(at)live.de

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Stüdls Eltern förderten die Anlagen ihres Sohnes nach besten Kräften und so erhielt Hans schon bald zusätzlichen Mal- und Zeichenunterricht bei dem bekannten Professor für Zeichnen und Malen an der Kunstakademie in Prag, Max Haushofer.

Haushofer, geboren am 20. 9. 1811 in Nymphenburg bei München, gestorben am 24. 8. 1866, brach das Studium der Rechte ab, und (ab 1833) wechselte an die Kunstakademie in München. 2 Jahre (1835 - 1837) studierte er auch in Italien.

Haushofers waren häufig zur Sommerfrische im Wirtshaus "Zur Linde" bei Daniel Dumbser auf der Fraueninsel im Chiemsee. Max heiratete später (1838) die Wirtstochter Anna Dumbser. Damals hieß der Ort "Frauenwörth".

Haushofer, passionierter Landschaftsmaler, traf sich dort mit seinen Maler-Freunden Franz Tautermann sowie den Brüdern Karl und Josef Boshart. 1828 gründeten die 4 die Künstlerkolonie Frauenwörth, der sich bald weitere Mitglieder hinzugesellten: Arthur G. von Ramberg, Ferdinand Barth, Josef F. Lentner, Ludwig Löfftz, Gustav Paul Cloß, Carl A. Mende, Franz v. Seitz u. a.

Die Insel Frauenchiemsee hieß früher "Frauenwörth"; daher "Künstlerkolonie Frauenwörth".

Sie nannten sich auch "Pleinairisten" nach "Pleinair-Malerei", was so viel bedeutet, wie "Freiluftmalerei", also das Malen im Freien, nach der Natur.

Auch Christian Ruben, der Maler von Genrebildern, seit 1840 mit einer weiteren Dumbser-Tochter, Susanne, verheiratet, gehörte der Künstlerkolonie Frauenchiemsee an, die bald europaweit als Malerparadies bekannt wurde.

Mehr über Christian Ruben hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Ruben 

Ruben wurde 1841 als Direktor an die Kunstakademie in Prag berufen. Auf seinen Vorschlag hin wurde sein Schwager, Max Haushofer, Professor für Zeichnen und Malen an dieser Hochschule. Es heißt, dass alle böhmischen Landschaftsmaler, die in dieser Zeit ausgebildet wurden, zu Haushofers Schülern gehört haben (z.B. Adolf Kosárek und Julius Mařák).

Mehr über Max Haushofer hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Haushofer

Mit den Haushofer-Söhnen Max und Karl verband Hans Stüdl eine herzliche Freundschaft, die auch in späteren Jahren fortdauerte. (Siehe: "Kindheit und Jugend / Die Freunde")

Karl Haushofer (* 28. 4. 1839, + 8. 1. 1895), fast im selben Alter wie Hans, studierte in München, Prag und Freiburg und war ab 1868 Professor für Mineralogie, später Direktor der Technischen Hochschule in München.

Er war Gründungsmitglied, später Schriftführer des Deutschen Alpenvereins und redigierte mehrere Jahre die "Zeitschrift des DuÖAV". Das AV-Edelweiß ist seine Schöpfung. Angeblich wurde die "Urform" von ihm aus Brotteig gebildet. 

Max Haushofer jun. (* 23. 4. 1840) unterrichtete wie sein Bruder an der TH. in München als Professor für Nationalökonomie. Er war außerdem Maler, wenn auch nicht so bekannt wie sein Vater. Er schenkte seinem Freund Stüdl und dessen Gattin ein Ölbild von der Kampenwand zur Hochzeit. Siehe: > "Kindheit und Jugend / Die Kampenwand".

Vater Haushofer unternahm mit den jungen Leuten ausgedehnte Fußmärsche und Wanderungen im nahen Böhmerwald. Auch Franz Ruben, der Sohn seines Schwagers, war meist mit von der Partie.

1857  und 1958 wurde Hans auf die Insel Frauenchiemsee eingeladen. Begeistert sagte er zu, und trat "Mit Skizzenbuch und Malkasten", wie es in einer Stüdl-Biographie heißt, im Sommer die Reise zum Chiemsee an. Dort malte er dieses Aquarell von der Insel:

1858 Frauenwörth, Aquarell von Johann Stüdl. Im Hintergrund Hochfelln und Hochgern.

Übrigens war dieser Aufenthalt am Chiemsee nicht nur für seine künstlerische Entwicklung von Bedeutung. Ein Ausflug mit seinen Freunden, den Brüdern Haushofer und Karl Rubens, auf die Kampenwand im Süden des Sees, gab seinem Leben eine völlig neue Richtung.

Der Anblick der schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern weckte in ihm eine Leidenschaft, die seinen weiteren Lebensweg in vielerlei Richtungen beeinflusste.

Weiter: > "Das Skizzenbuch immer dabei"

Johann Stüdls Zeugnis der 1. Klasse, Oberrealschule von 1856.
Figurenstudien von Johann Stüdl. Im Folgenden wird der obere Teil entsprechend gedreht abgebildet.
Ausschnitt aus dem Blatt mit Figurenstudien; s.o.
Ausschnitte aus dem Blatt mit Figurenstudien; s.o.
Diese Zeichnung von Johann Stüdl dürfte 1857 entstanden sein und zeigt vermutlich das Augustiner Chorherrenstift auf der Herreninsel im Chiemsee.
Diese Zeichnung von Johann Stüdl dürfte ebenfalls 1857 am Chiemsee entstanden sein.