Johann Stüdl und "seine" Hütte

Seine Hütte! Zwar lag die organisatorische Betreuung in den Händen der Sektion Prag, und wurde als Alpenvereinshütten-Bestand geführt, doch besuchte sie Stüdl bis ins hohe Alter regelmäßig um nach dem Rechten zu sehen.

Aus eigenen Mitteln sorgte er für Um- und Ausbauten und verbesserte die Einrichtung, solange er die Möglichkeit dazu hatte.

1877 entpuppte sich gleich als Erfolgsjahr: Man zählte 100 Besucher. 74 davon erstiegen den Großglockner, darunter 5 Damen. In den folgenden Jahren wurde das Inventar ergänzt bzw. verbessert und 1982 gab es wieder eine bedeutende Erweiterung.

Bauplan von Johann Stüdl gezeichnet 1882

Der Anbau enthielt im Erdgeschoß ein Schlafgemach und eine Vorratskammer sowie im Obergeschoß 2 Schlafräume unter dem Dach.

Ab 1978: Die Stüdlhütte wird bewirtschaftet.

Schon 1978 wurde die Stüdlhütte erstmals bewirtschaftet und war damit Beispiel gebend im Hochgebirge.

1883 - (vermutlich) 1901 Hüttenwirtin Magdalena Steiner aus Kals.

Stüdl investierte auch weiterhin in seine Hütte. Einrichtungen wurden erneuert oder vervollständigt. Schließlich erfolgte 1892 neuerlich eine umfangreiche Erweiterung. 30 Personen konnten nun hier übernachten. 1903 kamen noch ein weiterer Vorraum und ein eigenes Speisezimmer dazu. Alle Wohn-und Schlafräume waren vertäfelt und boten dem Gast beinahe den Komfort, den er sich im Tal erwartete.

Ab dem Sommer 1883 wurde die Hütte während der Öffnungszeiten dauernd bewirtschaftet. Die erste Hüttenwirtin war Magdalena (Leni) Steiner aus Windisch-Matrei. Leider gibt es von ihr bisher weder Fotos, noch weitere Informationen.

 

 

1983 - 1984 Der neue Reitweg.

Die Erweiterung und Bewirtschaftung der Hütte erforderte auch den Ausbau des Weges aus dem Ködnitztal zum Reitweg, um die Versorgung der Gäste zu sichern. Drei Brücken mussten gebaut werden, damit man ab 1894 auf Pferden, oder Mulis von Kals bis zur Schwelle der Hütte gelangen konnte. Die Kalser Bergführer haben mit diesen Bauwerken Johann Stüdl ihre Dankbarkeit erwiesen.

Anlässlich der Einweihung des neuen Reitweges wird folgende Geschichte erzählt: "Stüdl bestieg im Tal ein Muli, um auf dessen Rücken zu seiner Hütte hinauf zu reiten. Dort hatte sich schon die Blasmusik postiert, Böller waren vorbereitet, und die Bergführer erwarteten den Ankömmling.

Stüdl aber, großen Feierlichkeiten eher abhold, bat einen bergauf gehenden Touristen, an seiner Stelle mit dem Muli weiterzureiten; die Rückseite schmerze schon zu sehr! Dieser, vom langen Anmarsch bereits ermüdet, ergriff gerne die Chance und ritt zur Hütte hinauf, wo er mit Böllerschüssen und Musik empfangen wurde.

Mit Schalk in den Augen erreichte schließlich auch Stüdl - zu Fuß - seine Hütte." Um ausgiebiges Feiern wird er wohl trotzdem nicht herum gekommen sein!

Leider gab es auch Jahre, die brachten nicht Grund zum Feiern, sondern Probleme und Sorgen: 1897 wurde die Hütte durch einen schweren Sturm arg in Mitleidenschaft gezogen und Stüdl musste tief in seine Taschen greifen, um die Schäden zu beheben.

Auch die Sicherungen am neuen Kalser Weg über den Stüdlgrat - durch Wetterunbilden wie Sturm und Blitzschlag stark beschädigt - verlangten neue Investitionen.

Schließlich wurde bis 1906 auch der landschaftlich lohnendere Weg durch das Teischnitztal besser ausgebaut und neu markiert.

 

 

1902 - 1905: Wirtschafterin der Stüdlhütte Hirmine Egger

Dieses Foto aus dem Jahr 1904 trägt auf der Rückseite folgende Inschrift: "Wirtschafterin der Stüdlhütte mit ihren Brüdern, Melkerin und Köchin".

Dem nebenstehenden handschriftlichen Zeugnis von Johann Stüdl entnehmen wir, dass Hirmine Egger von 1902 bis 1906 die Stüdlhütte bewirtschaftete. Es kann daher mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, dass es sich bei der Wirtschafterin auf diesem Foto um Hirmine Egger handelt.

Die große Ähnlichkeit berechtigt auch zu der Annahme dass auf dem Foto rechts im Bildlauf ebenfalls ebenfalls Hirmine Egger zu sehen ist.

1906 - 1914 und 1921: Wirtschafterin bzw. Pächterin der Stüdlhütte Katharina Mattle verh. Parth.

Katharina (Kathi) Mattle

Von 1906 bis 1914 und 1921 war Katharina Mattle (* 1881, † 1981 in Galtür, seit 1920 verheiratet mit Thomas Parth,) Wirtschafterin der Stüdlhütte. Später pachtete sie die Hütte und holte ihre Schwestern zu Hilfe. (Siehe Foto im rechten Bildlauf.) Dies machte es möglich, dass sie 1913 zusätzlich zur Stüdlhütte auch die Erzherzog Johann Hütte auf der Adlersruhe betreuen konnte. (Siehe rechter Bildlauf.)

Johann Stüdl kannte die hervorragenden Qualifikationen der „Kathi“ schon, denn sie war 1905 Wirtschafterin auf der Payerhütte am Ortler. Und sie verwöhnte mit ihrer ausgezeichneten Kochkunst auch den König Gustav August von Sachsen. (Siehe nachfolgenden Bericht.) 

Hier sehen wir Johann Stüdl, links neben Kathi Mattle/Parth. Im Vordergrund ihre beiden Schwestern Therese (links) und Mathilde (rechts). Die Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1920

Johann Stüdl verstarb am 31. Jänner 1925. Das Ersuchen von Katharina Mattle um ein Zeugnis über Ihre Tätigkeiten auf der Stüdlhütte erfüllte dessen Schwiegertochter Auguste Stüdl. (siehe nebenstehend im Bildlauf)

Die Katharina Mattle/Parth betreffenden Fotos, wie auch das Zeugnis sind derzeit im Museum "Alpinarium" in Galtür/Tirol zu sehen. Von den Nachkommen wurde uns freundlicherweise die Erlaubnis erteilt, diese in der Johann-Stüdl-Homepage zu veröffentlichen.

Die Stüdlhütte um 1910. Aquarell von E.T. Compton.

1. - 2. August 1910: Hoher Besuch.

König Friedrich August von Sachsen

Die Stüdlhütte war jetzt für hohen Besuch bestens gerüstet, und solcher wurde am 1. August 1910 vom „kaiserlichen Rat“ Johann Stüdl willkommen geheißen:

König Friedrich August von Sachsen hatte zuvor schon die Prager Hütte besucht und den Großvenediger bestiegen. Bei herrlichem Wetter erreichte er am 1. August die Stüdlhütte und erstieg mit seiner Begleitung am darauffolgenden Tag den Großglockner. Voll des Lobes äußerte er sich darüber in einer Grußkarte an Kaiser Franz Josef. Zum Dank für die gute Aufnahme und Verpflegung in der Stüdlhütte schenkte er dem Eigentümer ein Bild, das ihn im Touristenanzug mit Bergstock zeigt. Es gehört auch heute noch zum Inventar der Stüdlhütte.

Lesen Sie, was Johann Stüdl über den Besuch des Königs im "Fremdenbuch  von Kals" schreibt:  

 

 

"2. – 4. August                               Johann Stüdl                                     Prag 

 

       Gelegentlich einer Inspektionsreise der Hütten der Sektion im Venediger- und Glocknergebiete wurde demselben das Glück zutheil, seine Majestät den König von Sachsen auf der Prager- und auf der Stüdlhütte als hochverehrten Gast empfangen zu können.

       Am 29. July kam seine Majestät um 8 ½ abends mit den beiden Prinzen auf der Prager Hütte trotz dem 10-stündigen Marsch von Schloß Weißenstein frisch und munter an und übernachtete daselbst. Am 30. July wurde der Großvenediger bei ziemlich gutem Wetter bestiegen. Leider trat beim langen Aufstieg Nebel ein und verhinderte die Aussicht. Als die Gesellschaft den Abstieg gegen die Defregger Hütte unternahm, wich der Nebel und bot eine herrliche Aussicht gegen Süden.

       Am 1. August unternahm s. Majestät in Begleitung des Adjutanten Herrn Major von Schmalz und Führern etc. von Huben aus den Aufstieg zur Stüdlhütte, wo er um 8 ½ Uhr abends eintraf und daselbst nächtigte. Am 2. August, 4 Uhr früh wurde aufgebrochen u. der Großglockner bei denkbar schönstem Wetter erreicht. Sr. Majestät verblieb 5/4 Stunden am Glocknergipfel und war über die großartige, überaus klare Aussicht hochentzückt. Er kehrte zur Stüdlhütte zurück, wo das Mittagessen eingenommen wurde und trat um 3 Uhr nachmittags den Abstieg nach Huben an, wo die Wägen zur Heimfahrt nach Schloß Weißenstein seiner harrten.

       Sr. Majestät war von der ganzen Tour hochbefriedigt und äußerte wiederholt, daß diese Bergpartie die schönste und genußvollste gewesen, die er je gemacht und die er zeitlebens in der angenehmsten Erinnerung bewahren  werde.

       Auf der Adlersruhe schrieb s. Majestät eine Ansichtskarte an s. Majestät Kaiser Franz Josef nach Ischl mit folgendem Wortlaute: "Freut mich, Dir mitteilen zu können, daß ich als erster regierender Fürst den König Deiner Hohen Tauern bei denkbar schönstem Wetter bestiegen habe. Der Großglockner ist unübertrefflich schön.

Adlersruhe, 2. August 1910,

Friedrich August.

Maria Bugl aus Virgen in Osttirol. Vermutungen.

Dieses Foto stammt ebenfalls aus der Sammlung der Familien Mattle bzw. Parth. Beschriftet ist es mit folgendem Text: "Erzherzog Johann Hütte, Adlersruhe, 2 Frauen".

Leider sind keine Namen und auch nicht das Entstehungsdatum angegeben. Offenbar kannten sich aber Katharina Mattle und die beiden Damen, sodass diese Aufnahme im Nachlass von Katharina Mattle/Parth zu finden war. Die nebenstehende Notiz von Seite 3 aus dem Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 23. Juni 1909 berichtet vom Aufmarsch des bewirtschaftenden Personals zur Stüdlhütte (Katharina Mattle, vermutlich mit ihren Schwestern) und Unterkunftshütte auf der Adlesruhe, deren Betreuung in diesem Jahr durch Frau Marie Bugl aus Virgen erfolgte, welche ein Jahr zuvor als Kassierin auf der Erzherzog Johann Hütte tätig war. Es wäre daher möglich, dass das Foto 1908 oder 1909 entstanden ist. 

Wirtschafterin auf der Adlersruhe war wohl die Dame links im Bild (Marie Bugl?). Interessanterweise gibt es auch im Nachlass von Johann Stüdl 2 Fotos, die sie als Wirtschafterin der Stüdlhütte zeigen. Auch diese Bilder sind nicht datiert, und kann bei diesem nur vermutet werden, dass es zwischen 1921 und 1924 entstand, denn diesen Jahren konnte in der Aufstellung der Stüdlhütten-Wirtsleute bisher keine Person zugordnet werden. (siehe rechter Bildlauf oben.)

Marie Bugl mit der Gitarre?

Auch dieses Foto ist nicht datiert, doch berechtigen massiven Nässe-Schäden, die in den Jahren des 1. Weltkrieges entstanden sind, eindeutig die Zuordnung in das Jahr 1919.

Siehe: > "Der 1. Weltkrieg";

________________________________________________________________ Wir ersuchen jeden User dieser Homepage, der über den Einsatz von Marie Bugl aus Virgen in Osttirol auf der Stüdlhütte oder über andere Hüttenwirte bzw. Hüttenwirtinnen gesichert Bescheid weiß, uns dies über die Kontakt-Seite mitzuteilen. Besten Dank im Voraus! ________________________________________________________________

1925 - 1926 Hüttenwirtin Filomena Lugger aus Lienz i. O.

1927 - 1932 Hüttenwirtin Anna Schneider.

Anna Schneider wurde 1877 in Taufers (Südtirol) geboren. Sie war die Ehefrau des Kalser Bergführers Peter Schneider/Rieplener und starb 1954.

1933 - 1945 Hüttenwirt Rudolf Schneider.

Rudolf Schneider war der Sohn von Johann Schneider aus Kals Lesach und Obmann der Kalser Bergführer. 1946 übergab er die Hütte an seinen Sohn Rupert.

1946 - 1952: Hüttenwirt Rupert Schneider.

1952 - 1987: Hüttenwirt Thomas Huter

Ehepaar Huter 1975.

Thomas Huter war vielleicht der wichtigste, zumindest aber der „längstdienende“ Hüttenwirt der Stüdlhütte. 35 Jahre, von 1952 bis 1987 leiteten er und seine Gattin mit großem Einsatz die Geschicke der Hütte, bis er sie seinem Sohn Rupert übergab. Das einzige bisher verfügbare Foto stammt aus dem Jahr 1975, anlässlich des 50. Todestages von Johann Stüdl wurden an seinem Grab Kränze (auch aus Kals) niedergelegt. Anschließend traf man sich bei Stüdls Enkelin, Traute Lindinger (geb. Stüdl) zu einer gemütlichen Kaffeejause.

1988 - 1996: Hüttenwirt Rupert Huter.

1997 - 2017: Hüttenwirtsleute Georg und Elvira (Elli) Oberlohr.

Noch vor der Eröffnung im Jahr 1997 übernahm Georg Oberlohr, der Sohn des Luknerbauern aus Kals als Pächter den Neubau, der anstelle der baufälligen 128 Jahre alten Stüdlhütte errichtet worden war. Zusammen mit seiner Frau Elli betreute er 20 Jahre lang die Hütte mit viel Engagement und profundem Wissen.

Was Georg selbst über seine Arbeit auf der Stüdlhütte erzählt, sehen Sie in diesem Video: www.youtube.com/watch?v=AUaUecElp9I

Seit 2018: Wirtsleute Veronika (Vroni) und Mattheo Bachmann.

Auch Mattheo und Vroni Bachmann aus Lienz in Osttirol sind erfahrene Hüttenwirtsleute. Mehr über die beiden erfahren Sie hier:

http://www.tirol.at/blog/b-architektur/stuedlhuette-grossglockner .

Die Besucherzahlen der Stüdlhütte. Ab 1957 nur Besucher-Nächtigungen
1895
Die Wirtsleute der Stüdlhütte.
1903
1906 Handschriftliches Zeugnis von Johann Stüdl Zeugnis für Hirmine Egger, Wirtschafterin der Stüdlhütte von 1902 bis 1905
Mit größter Wahrscheinlichkeit ist auch auf diesem Foto Hirmine Egger abgebildet.
Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 3. Juni 1908, Seite 3.
Katharina Mattle (rechts) mit ihren Schwestern, Therese und Mathilde vor der Stüdlhütte. Aufgenommen1907..
Katharina Mattle (dritte von links) auf der Adlersruhe.
Zeugnis für Katharina Mattle/Parth, verfasst 1926 von Auguste Stüdl, Schwiegertochter von Johann Stüdl nach dessen Ableben.
Hoher Besuch.1910 vor der Stüdlhütte: König Friedrich August von Sachsen.
Der König mit seinem Gefolge auf dem Großglockner-Gipfel. (Foto, zu sehen im Heimatmuseum der Gemeinde Kals am Großglockner.)
Neue Freie Presse vom 6. August 1910, Seite 29.
Welt-Blatt vom 3. November 1910, Seite 7
Ähnliche, oder gleichlautende Artikel sind 1910 in folgenden Zeitungen erschienen:
Prager Tagblatt, Allgemeiner Tiroler Anzeiger, Das Vaterland, Innsbrucker Nachrichten, Prager Abendblatt, Teplitz Schönauer Anzeiger, Kärntner Zeitung, Linzer Tagespost, Leitmeritzer Zeitung, Allgemeiner Tiroler Anzeiger, Innsbrucker Nachrichten.
Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 23. Juni 1909, Seite 3.